Zu guter Letzt: Schlagende Argumente

In vielen Ländern sind Schlaglöcher ein gesellschaftliches Ärgernis und sorgen für Gefahr. Kreativität kann helfen. Und Penisse.

In der Schweiz sind wir verwöhnt: Zeigt sich irgendwo der Ansatz eines Haarrisses im Strassenteer, fährt am nächsten Tag eine Armada von Strassenbauern auf. Meist wird sogar in vorauseilendem Gehorsam erneuert – es gibt schliesslich immer was zu tun. Das hat den Vorteil, dass sich unsere Strassen im Grossen und Ganzen in einem tadellosen Zustand befinden. Der Nachteil: Baustellen, so weit das Auge reicht. Ganz nach dem Motto: Ein Ende ist immer auch ein Anfang.

Von solchen Luxusproblemen können andere Länder nur träumen. In den Strassen bildet sich Schlagloch um Schlagloch – und meist fehlt es den Behörden an Zeit, Geld, Motivation oder Zuständigkeit, um die Schäden zu beheben. Also müssen sich die Bürger selbst zur Wehr setzen.

In der russischen Stadt Jekaterinburg hat die Agentur Voskhod 2012 bei Nacht und Nebel die verantwortlichen Politiker um die Schlaglöcher gemalt (Casemovie). Resultat: Löcher repariert, Clio gewonnen.

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Gleich selbst in die Hand nahm die Fastfoodkette KFC das Problem 2009 in den USA: In fünf Städten wurden grossflächig Schlaglöcher repariert – und mit dem Siegel «Re-Freshed by KFC» versehen.

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Eine Gruppe kreativer Lithauer – genannt Z999 – produzierte im vergangenen Jahr eine Fotostrecke rund um Schlaglöcher und erregte damit landesweites Aufsehen.

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Im Frühjahr 2015 erregte eine sibirische Künstlerin durch den Einsatz leichtbekleideter Models die längst fällige Aufmerksamkeit des Bürgermeister von Nowosibirsk. Strassenzustand: mässig.
 

In England hat nun aber ein anonymer Künstler aus Manchester einen Weg gefunden, die lästigen Löcher mit weit weniger Aufwand loszuwerden. Zum Handeln veranlasst sah er sich, nachdem zum wiederholten Mal Velofahrer aus seinem Umfeld durch die Strassenschäden verunfallten. Unter dem Pseudonym «Wanksy» – in Anlehnung an den legendären Strassenkünstler Banksy – sprayt er mit abwaschbarer Farbe männliche Geschlechtsteile um die zu reparierenden Belagschäden. 

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Bilder: Facebook.com
 

Die Geschlechtsteile lenken die Aufmerksamkeit scheinbar derart effizient auf die Schäden, dass diese im Normfall innert 48 Stunden repariert sind. Sagt Wanksy – und belegt die Reparaturen mit Fotos. Die Stadt Manchester hingegen dementiert den Zusammenhang gegenüber der BBC, bezeichnet den «Vandalismus» als «kontraproduktiv» und verweist auf die Kinder, welche durch die Zeichnungen Schaden nehmen könnten. Im Gegensatz zu stürzenden Velofahrern dürften die Kinder die Kritzeleien jedoch mit Sicherheit überleben. (hae)

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