Umfrage «Euro Schock»: Michael Gerber
Werbewoche-Umfrage zur wirtschaftlichen Entwicklung nach dem «Euro Schock» und dessen Auswirkungen auf die Kommunikations- und Werbebranche: Michael Gerber, CEO Valencia Kommunikation
Die Frankenstärke ist logischerweise ein Wettbewerbsnachteil für die einheimische Kommunikationsbranche. Sie wird uns alle direkt oder indirekt treffen.
Da für Werbeagenturen die Hauptkostenträger die Mitarbeiter sind, ist das Sparpotenzial durch Innovation in das technische Equipment sehr beschränkt. Ein Art-Director kostet nun mal brutto etwa 60 bis 70 Prozent weniger in Deutschland als bei uns. Wir können nicht 70 Prozent effizienter arbeiten als Mitbewerber aus dem EURaum, um das riesige Lohngefälle wett zu machen. Das ist unmöglich. Was uns bleibt, ist der Vorteil der Nähe zum Markt. So gut wie wir Schweizer Agenturen kennt niemand die Schweizer Kunden.
Trotzdem war aber bereits schon vor Aufhebung des Mindestkurses ein Trend von Budgetwanderung Richtung Norden spürbar. Bei den Image- und grossen Promo-Kampagnen erst marginal; schon deutlicher beim Packaging-Design, bei Katalogen oder im Design von digitalen Umsetzungen. Dieser Trend wird sich auf Grund der Frankenstärke in den nächsten Monaten und Jahren extrem beschleunigen.
Die Formel lautet dabei «umso weniger Swissness benötigt wird, umso grösser ist der Zug gen Norden». Die Kreativität, das einstmals höchste Gut der Schweizer Agenturen, wird als Bleibe-Argument weniger wichtig sein als gewünscht. Umso mehr werden somit Schweizer Agenturen und kreative Freiberufler sich auf das übrig gebliebene «Schweizer» Marktvolumen stürzen. Dies wird den Druck auf die Preise wiederum vergrös- sern. Und uns alle zu einer schmerzhaften Schlankheitskur zwingen.
Ein Grund für Optimismus ist in dieser Lage nicht erkennbar. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Schweizer Werbeauftraggeber sehen, dass mindestens ein Teil der kommunikativen Wertschöpfung noch im Land bleiben sollte, ansonsten sie bald keine Kunden mehr haben, welche ihre Produkte und Dienstleistungen konsumieren können. Und – und das ist wichtig! – dass die möglichen Sparmassnahmen bei den Kommunikationsagenturen in Wirklichkeit einen nur winzig kleinen Teil des Gesamtpreises eines Produktes oder einer Dienstleistung ausmachen!
