Schweizer Medienschaffende trauern um Kollegen

Die Schweizer Journalisten trauern um die getöteten Kollegen von Charlie Hebdo. Karrikaturist Burki ist bestürzt. In Bern gedachten 200 Medienschaffende den Opfern. Verlegerpräsident Lebrument befürchtet neue Herausforderungen für die Medien.

Der Anschlag auf der Redaktion des Pariser Satiremagazins Charlie Hebdo, der am Mittwoch mindestens zwölf Menschenleben forderte (Werbewoche.ch berichtete), erschüttert die Karikaturistinnen, Karikaturisten, Journalistinnen und Journalisten des Berufsverbandes Impressum zutiefst. «Wir trauern und sprechen den Angehörigen der Opfer unser tiefstes Beileid aus. Wir verurteilen den Angriff auf die Presse- und Meinungsäusserungsfreiheit aufs Schärfste und rufen die Behörden auf, die Verantwortlichen des Massakers und ihre Hintermänner ohne Rücksicht auf andere Interessen zur Verantwortung zu ziehen.»

Westschweizer Karikaturist Burki: «Ein unvorstellbares Drama»

Das Attentat hat auch beim Schweizer Karikaturisten Raymond Burki Bestürzung ausgelöst. «Ich bin sehr traurig», sagte der langjährige Westschweizer Zeichner. Er bezeichnete das Attentat als «unvorstellbares Drama». Er kenne bisher nur die Berichte in den französischen Medien, wonach mehrere bekannte Zeichner wie Cabu, Charb, Wolinksy und Tignous ums Leben kamen, sagte Burki auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Burki war 38 Jahre für die Westschweizer Zeitung 24 heures tätig. Wenn diese Berichte korrekt seien, habe die Welt «grosse Federn» verloren. Wegen einer Zeichnung getötet zu werden, sei unglaublich. Am frühen Nachmittag bestätigte die französische Justiz, dass diese vier Zeichner getötet wurden.

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Raymond Burki (Archivbild, Keystone)

Verlegerpräsident Lebrument: Sicherheit der Redaktionen überdenken

Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument befürchtet neue Herausforderungen für die Medien. Eine solche Tat habe grosse Wirkung und Konsequenzen, es sei «wie ein Fanal», sagte Lebrument gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Nach diesem Angriff könne man sich nicht einfach zurücklehnen. Der Verlegerpräsident sieht neue Herausforderungen auf die Medien zukommen. Man  müsse sich überlegen, ob die Sicherheit der Redaktionen gewährleistet sei. Zudem werde es zunehmend schwierig für Medienschaffende, das Verhältnis zwischen einheimischer Bevölkerung und Zugewanderten mit muslimischem Hintergrund zu beschreiben.

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Hanspeter Lebrument, Präsident Verband Schweizer Medien (Keystone)

Der Westschweizer Verlegerverband Médias Suisses zeigte sich auf Anfrage der SDA konsterniert. Es sei ein «schwarzer Tag» für die Pressefreiheit, sagte Generalsekretär Daniel Hammer. Unter Schock stehen auch die Verantwortlichen des Karikaturen-Museums in Morges VD. Das Museum will den vier getöteten Zeichnern eine Hommage widmen. Es sei ein schwarzer Tag für die freie Meinungsäusserung, sagte am Mittwoch Konservatorin Charlotte Contesse. Konsterniert zeigte sich Satiriker Viktor Giacobbo: «Viele Medienanfragen – und leider nein. Auch als Satiremacher kann man zur ganzen Scheisse nicht mehr als Entsetzen äussern», twitterte er.

200 Schweizer Medienschaffende trauern in Bern

Auf dem Bundesplatz in Bern haben sich am frühen Mittwochabend rund 200 Medienschaffende zu einer Trauerkundgebung zusammengefunden. Mit ihrer Teilnahme drückten sie ihre Bestürzung über den Anschlag aus. Am Nachmittag hatten verschiedene Journalistenorganisationen spontan zum schweigenden Trauermarsch in Bern aufgerufen. Auch in Lausanne und Genf sind Kundgebungen geplant. Die Mediengewerkschaft Syndicom, die Journalistenorganisation Impressum und das Syndikat Schweizer Medienschaffender schalteten am Mittwochnachmittag auf ihren Internetseiten ein schwarzes Emblem mit der Aufschrift «Je suis Charlie» auf.

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Solidarität auch in der Westschweiz

In Genf versammelten sich in Gedenken an die Opfer des Attentats rund 500 Personen. Sie legten bei der Trauerkundgebung vor dem Universitätsgebäude zahlreiche Kerzen nieder. In Lausanne gedachten auf der Place de la Riponne ebenfalls rund 500 Personen, darunter zahlreiche Journalisten, der Opfer. Die Waadtländer Kantonsregierung war durch Pierre-Yves Maillard (SP), Nuria Goritte (SP) und Béatrice Métraux (Grüne) vertreten. Die in Frankreich geborene Staatsrätin Métraux zeigte sich schockiert über die Ereignisse: «Ich bin aufgewachsen mit Charlie Hebdo und
der Canard Enchaîné», sagte sie der Nachrichtenagentur SDA. «Wir sind gekommen, um unsere Solidarität mit den Opfern auszudrücken und die freie Meinungsäusserung verteidigen», fügte ihre Amtskollegin Nuria Goritte an. Schilder mit «Je suis Charlie» waren auch an den Kundgebungen in der Romandie überall zu sehen.

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Trauerkundgebung in Genf (Bild: Keystone)

Auch die Verbände zeigten sich bestürzt über den Anschlag in Paris. «Wie zahlreiche Angriffe davor wird auch diese Tragödie nicht verhindern können, dass sich in Zukunft Journalistinnen und Journalisten für eine offene und kritische Berichterstattung einsetzen werden», teilte das Syndikat Schweizer Medienschaffender mit. Die Meinungs- und die Pressefreiheit müssten verteidigt werden, denn sie seien das Fundament einer freien Gesellschaft, in der jeder das Recht habe, sich zu äussern, teilte  Syndicom mit.(pd/SDA/hae)

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Bild: Keystone

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