SRF-Chef Matter stellt sich vor Schawinski

Nach dem Thiel-Eklat erhält Roger Schawinski Rückendeckung von SRF-Direktor Rudolf Matter. Dies, obwohl man ihn eigentlich loswerden möchte, wie die NZZ am Sonntag weiss. Matter und de Weck sollen sich vor Schawinskis Reaktion fürchten.

Die Sendung habe in der Öffentlichkeit eine Debatte zum Umgang mit Religionen ausgelöst, stellt Matter fest. Dies sei ein erwünschter Effekt von SRF-Sendungen. Der TV-Direktor geht allerdings nicht auf die Frage ein, ob ein Moderator, der seinen Gast als «pubertär», «aufgeblasenen Typen» und nach der Sendung sogar als «Arschloch» bezeichnet, noch tragbar sei. Stattdessen verweist Matter auf die Aussage von Chefredaktor Tristan Brenn. Dieser hatte die «Schawinski»-Sendung mit Andreas Thiel als «nicht geglückt»bezeichnet, wollte daraus aber keine Grundsatzfrage machen. In der Talkshow sollte Koran-Kritiker und Satiriker Andreas Thiel Stellung nehmen zu seinem umstrittenen Islam-Artikel in der Weltwoche. Die Sendung war aber von der ersten Minute an geprägt von Gehässigkeit, eine sachliche Diskussion fand zu keiner Zeit statt.

«Die beiden Angsthasen an der Spitze»

Wie die NZZ am Sonntag weiss, sind sowohl SRF-Mitarbeiter, wie auch TV-Chef Matter und SRG-Generaldirektor Roger de Weck generell unzufrieden mit der seit 2011 laufenden Talkshow. Da stellt sich natürlich die Frage, wieso man die Show bei dieser Gelegenheit nicht abgesetzt hat. Die Zeitung hat sich am Leutschenbach umgehört und will den Grund kennen: Man habe Angst vor Schawinskis Reaktion, wenn man ihn rauswerfe. Schawinski war während Jahrzehnten ein erbitterter SRG-Kritiker. Seit er eine eigene SRF-Sendung hat, ist er deutlich zurückhaltender mit Voten Richtung Leutschenbach – eine Entwicklung, die nicht nur Roger Köppel aufgefallen sein dürfte. Köppel wirft Schawinski die plötzliche SRG-Milde in der Sendung «Roger gegen Roger» ständig vor. Auf die alte Bissigkeit scheint man in der SRG-Chefetage keine Lust zu haben. Die NZZ am Sonntag zitiert einen Fernsehjournalisten: «Wegen der beiden Angsthasen bei uns an der Spitze bleibt Schawinskis unsägliche Show im Programm».

Ombudsmann hat alle Hände voll zu tun

Der Eklat im Gespräch mit Andreas Thiel beschert dem Ombudsmann viel Arbeit. Laut SDA sind bis Freitagnachmittag 65 Beanstandungen bei Achille Casanova ein. Bis auf deren fünf richten sich alle Beschwerden gegen die Art und Weise, wie Schawinski mit Thiel umgegangen ist. Die Kritiker bezeichneten die Gesprächsführung laut Casanova als «mangelhaft, provozierend, unhöflich, respektlos oder beleidigend». Als nächstes muss Casanova jede Beanstandung einzeln bestätigen. Danach werde er die Einwendungen für eine Stellungnahme an die SRF-Redaktion weiterleiten. Erst danach wird er sich in einem Bericht dazu äussern, ob eine Beanstandung berechtigt ist oder nicht. Dieser Bericht muss innert 40 Tagen nach dem Eingang vorliegen. (hae/NZZaS/SDA)

 

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