Bei Orange Schweiz hat jetzt ein schillernder Unternehmer das Sagen

Der neue Eigentümer von Orange Schweiz ist einer der schillerndsten Unternehmer Frankreichs: Xavier Niel pflügte mit seinem Unternehmen Iliad innert kurzer Zeit den Französischen Telekommarkt um.

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Apax verkauft Orange Schweiz für 2,8 Milliarden Euro an den französischen Telekomunternehmer Xavier Niel. Der Verkauf soll per Ende des ersten Quartals 2015 abgeschlossen sein. Voraussetzugn ist, dass die zuständigen Behörden der Übernahme zustimmen. (Bild: Keystone)

Weltweit Schlagzeilen machte Niel mit der gescheiterten Übernahme des US-Konzerns T-Mobile. Sein erstes Geld verdiente Niel in den 80er-Jahren mit dem französischen Internetvorläufer Minitel: Der Jungunternehmer bot auf Minitel Chatangebote für Erwachsene an. Später setzte er auf das noch junge Internet, er war Mitgründer von einem der ersten französischen Internetanbieter World-Net. Sein Flair fürs Telekomgeschäft bewies er später mit dem Anbieter Free, welcher als einer der ersten in Frankreich Telefon, TV und Internet als Paketangebot offerierte. Iliad mit seinen Marken Free und Free Mobile ist mittlerweile einer der grössten Telekomkonzerne in der Republik. Im Mobilfunkgeschäft ist Iliad nach eigenen Angaben die Nummer drei – und dies, obwohl der Konzern erst 2012 in den Mobilfunkmarkt expandierte. Den schnellen Aufstieg verdankt Free Mobile der aggressiven Preispolitik.

Frankreich ist für Niel aber offenbar nicht gross genug: Im vergangenen Sommer versuchte er erfolglos, mit Iliad eine Mehrheitan T-Mobile US, dem viertgrössten Mobilfunkanbieter der USA, zu kaufen. Sein 15-Milliarden-Dollar Angebot war kühn, denn T-Mobile ist an der Börse rund 60 Prozent mehr wert als Iliad. Der gescheiterte Übernahmeversuch kühlte Niels Expansionspläne aber nicht, wie der Kauf von Orange Schweiz beweist.

Mitbesitzer von Le Monde

Dank seinem Mehrheitsanteil an Iliad ist Niel einer der reichsten Männer Frankreichs – gemäss der Zeitschrift Forbes ist der Telekomunternehmer rund 8,2 Milliarden Dollar schwer. In Frankreich ist der Milliardär auch als einer Eigentümer der Zeitung Le Monde bekannt. Niel stieg 2010 mit anderen Investoren beim Pariser Traditionsblatt ein. (SDA)

Niel über die Übernahme von Orange Schweiz: «Seit Orange Schweiz im 2012 von Apax Fonds übernommen wurde, haben mein Team und ich die Entwicklung des Unternehmens sehr eng mitverfolgt. Wir waren so Zeugen des erfolgreichen Veränderungsprozesses bei Orange Schweiz unter der Führung von Apax. NJJ Capital wird als neue Eigentümerin von Orange Schweiz den Kunden, den Mitarbeitenden und dem Management Kontinuität bieten. NJJ Capital ist ein langfristiger, strategischer Investor, der ausgewiesenen Telecom-Spezialisten gehört und von ihnen geführt wird, und dessen Ziel es ist, Best Practices mit dem Orange Schweiz Management zu teilen und auszutauschen. Meine oberste Priorität wird es sein, in der Zukunft Orange Schweiz entsprechend dem Schweizer Umfeld und seinen Gepflogenheiten zu führen.»

Orange wechselte schon oft den Besitzer

In der 16-jährigen Geschichte von Orange Schweiz, der Nummer drei im Mobilfunkmarkt, hat es schon mehrfach Besitzerwechsel gegeben. Hier die wichtigsten Stationen der Orange-Geschichte:

1994: Gründung der Orange-Gruppe in Grossbritannien als Tochtergesellschaft von Hutchison Whampoa und British Aerospace. Sie baut mit dem deutschen Viag-Konzern, der Zürcher Swissphone Engineering AG und der Waadtländer Kantonalbank in der Schweiz Orange Communications auf.

Januar 1998: Gründung der Orange Communications AG mit Sitz in Zug. Später wird der Firmensitz zuerst nach Lausanne, dann nach Renens VD verlegt.

20. April 1998: Orange Schweiz erhält von der Eidgenössischen Kommunikationskommission (Comcom) eine Mobilfunkkonzession.

28. Juni 1999: Orange nimmt nach Swisscom und DiAx (später Sunrise) als dritter Mobilfunkanbieter den Betrieb in der Schweiz auf.

Oktober 1999: Der deutsche Industriekonzern Mannesmann übernimmt Orange, wodurch Orange Schweiz einen neuen Hauptaktionär bekommt. Gleichzeitig schliesst Orange ein Interkonnektionsabkommen mit der Swisscom ab und steigt so ins Festnetz ein.

April 2000: Im Aktionariat von Orange Schweiz kommt es erneut zu einem Wechsel, weil die britische Vodafone Mannesmann mitsamt Orange erwirbt. Auf Druck der europäischen Wettbewerbsbehörden muss Vodafone Orange aber veräussern.

30. Mai 2000: Der staatliche französische Telekommunikationskonzern France Télécom kauft Orange für rund 74 Milliarden Franken. France Télécom übernimmt damit auch einen 42,5-Prozent-Anteil an Orange Schweiz.

8. November 2000: France Télécom übernimmt die Mehrheit an Orange Schweiz und zahlt für den 42,5-Prozent-Anteil des deutschen Mischkonzerns E.ON 2,4 Milliarden Franken.

6. Dezember 2000: Orange Schweiz erwirbt für 50 Millionen Franken eine UMTS-Lizenz.

25. November 2009: France Télécom gibt bekannt, das Unternehmen Sunrise zu kaufen und es mit Orange Schweiz zu fusionieren.

22. April 2010: Die Wettbewerbskommission (Weko) untersagt die geplante Fusion, um ein Duopol von Sunrise/Orange und Swisscom auf dem Mobilfunkmarkt zu verhindern.

3. Juni 2010: Orange Schweiz und Sunrise lassen die angestrebte Fusion definitiv fallen und ziehen ihren Rekurs gegen das Weko-Veto zurück. Sunrise wird daraufhin von ihrer Besitzerin, der TDC-Gruppe, für 3,3 Milliarden Franken an den Finanzinvestor CVC Capital Partners verkauft.

28. Juli 2011: France Télécom, die Probleme auf dem Heimatmarkt hat, sucht einen Käufer für Orange Schweiz. Der Schweizer Ableger passe nicht mehr zu ihrer Strategie.

24. Dezember 2011: Orange Schweiz geht für rund 2 Milliarden Franken an die britische Beteiligungsgesellschaft Apax, zu der unter anderem das Modeunternehmen Tommy Hilfiger gehört.

15. Februar 2013: Orange kündigt den Abbau von bis zu 140 Stellen im Jahr 2013 an.

18. Dezember 2014: Apax verkauft Orange Schweiz an den französischen Telekomunternehmer Xavier Niel. (SDA)

 

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