Der Kinder klebrige Wünsche
Wie aus anregender Vorweihnachtsstimmung Kommerz wurde. Kommentar von Werbewoche-Redaktorin Anne-Friederike Wilhelm.
Früher war nicht alles besser – aber das meiste. Die Wunschzettel an das Christkind zum Beispiel. Als kleines Mädchen habe ich mir kurz vor Weihnachten immer den Kopf zerbrochen, wie ich’s am besten anfange: «Liebes Christkind, ich hätte gerne …» Vielleicht etwas undiplomatisch. «Liebes Christkind, ich war brav (frag Mama) und wünsche mir …» Schon besser. Voller Hingabe schrieben meine Geschwister und ich Anfang Dezember unsere Wunschzettel und malten zur Sicherheit noch einmal daneben, was wir uns von Herzen wünschten: Puppe oder Teddybär, Feuerwehrauto oder Kaufladen. Vielleicht hat das Christkind ja keine Zeit zum Lesen.
Das Malen förderte neben unserer Kreativität auch unsere Bescheidenheit: Ich fand es anstrengend genug, genau den Teddybär zu malen, den ich wollte. Keine Zeit, auch noch den Puppenwagen und das Fahrrad aufs Papier zu bringen. Schliesslich musste der Wunschzettel pünktlich zum 1. Advent auf dem Fensterbrett vorm Elternschlafzimmer liegen.
Und wie sehen Wunschzettel heute aus? Ich habe schon länger aufgehört, welche zu malen, dafür fängt mein ältestes Gottenkind gerade damit an. Mit der gleichen Akribie wie ich damals. Strich für Strich, möglichst exakt, damit das Christkind auch genau weiss, was es bringen möge.
Ich bin froh, dass die Kleine noch keine Werbebroschüren durchblättert. Letzte Woche wurde der Coop-Prospekt für Kinderspielzeug in Umlauf gebracht. «Für Kinderträume» steht vorne drauf. Ein Tannenbaum, Christbaumkugeln und viele grosse Pakete machen unmissverständlich klar, dass es hier bereits um Weihnachten geht. Ist ja auch schon Anfang November. Nun ja.
Beim Durchblättern ist auch das erwachsene Kind überfordert: Teddy oder Dino, Doktorkoffer oder der magische Perlenwebrahmen? «Gar nicht einfach, so etwas zu malen», denke ich gerade – da fällt mir der Kleberbogen in der Heftmitte auf. Na wunderbar! Alle Spielsachen, die vorne und hinten Kinderwünsche wecken, sind in der Mitte en miniature abgebildet. Auf Klebern. Wozu noch zeichnen oder malen? Einfach abziehen, fertig. Danke, Coop. Schliesslich haben Kinder von heute wenig Zeit, sich um ihren Wunschzettel zu kümmern. Die älteren Kids machen vermutlich rasch ein Foto mit dem Handy und senden eine Wunsch-MMS an ihre Eltern. Wunschzettel? «Wunschliste» nennt es der Coop. Und meint «Bestellschein». Na dann: frohe Weihnachten!
Anne-Friederike Wilhelm
Das Malen förderte neben unserer Kreativität auch unsere Bescheidenheit: Ich fand es anstrengend genug, genau den Teddybär zu malen, den ich wollte. Keine Zeit, auch noch den Puppenwagen und das Fahrrad aufs Papier zu bringen. Schliesslich musste der Wunschzettel pünktlich zum 1. Advent auf dem Fensterbrett vorm Elternschlafzimmer liegen.
Und wie sehen Wunschzettel heute aus? Ich habe schon länger aufgehört, welche zu malen, dafür fängt mein ältestes Gottenkind gerade damit an. Mit der gleichen Akribie wie ich damals. Strich für Strich, möglichst exakt, damit das Christkind auch genau weiss, was es bringen möge.
Ich bin froh, dass die Kleine noch keine Werbebroschüren durchblättert. Letzte Woche wurde der Coop-Prospekt für Kinderspielzeug in Umlauf gebracht. «Für Kinderträume» steht vorne drauf. Ein Tannenbaum, Christbaumkugeln und viele grosse Pakete machen unmissverständlich klar, dass es hier bereits um Weihnachten geht. Ist ja auch schon Anfang November. Nun ja.
Beim Durchblättern ist auch das erwachsene Kind überfordert: Teddy oder Dino, Doktorkoffer oder der magische Perlenwebrahmen? «Gar nicht einfach, so etwas zu malen», denke ich gerade – da fällt mir der Kleberbogen in der Heftmitte auf. Na wunderbar! Alle Spielsachen, die vorne und hinten Kinderwünsche wecken, sind in der Mitte en miniature abgebildet. Auf Klebern. Wozu noch zeichnen oder malen? Einfach abziehen, fertig. Danke, Coop. Schliesslich haben Kinder von heute wenig Zeit, sich um ihren Wunschzettel zu kümmern. Die älteren Kids machen vermutlich rasch ein Foto mit dem Handy und senden eine Wunsch-MMS an ihre Eltern. Wunschzettel? «Wunschliste» nennt es der Coop. Und meint «Bestellschein». Na dann: frohe Weihnachten!
Anne-Friederike Wilhelm
