Local.ch: Auch Ringier zeigt Interesse

Die CEOs der vier grossen Schweizer Verlage Ringier, Tamedia, NZZ und AZ Medien äusserten sich am Swiss Media Forum vor 350 Teilnehmern zur ihren Zukunftsstrategien. Ringier zeigte dabei Interesse an Local.ch.

Marc Walder von Ringier kritisierte dabei die Marktmacht von Google – noch nie habe in einer Industrie ein Unternehmen eine derartige Dominanz gehabt. Christoph Tonini von Tamedia relativierte die Abhängigkeit von Google: Nur etwa 5 Prozent des Traffics von Tagesanzeiger.ch kämen von Google. Auch Axel Wüstmann von AZ Medien sagte, Google sei für das Newsportal Watson keine grosse Rolle, viel wichtiger seien Twitter und Facebook: Ohne diese wäre Watson 30 Prozent kleiner. Entscheidend für die Zukunft von Watson sei die Entwicklungsperspektive – das Projekt sei «riskant, aber das richtige»: «Es wird die Zeit erhalten, die es braucht.» Für AZ Medien sei Watson ein strategisch wichtiger Schritt. NZZ-CEO Veit Dengler taxierte die Kritik des Moderators an Watson («verbrennt doch nur Geld») als «unanständig»: «Die Verlage müssen alle experimentieren, ein Portal kann man nicht nach ein paar Monaten beurteilen.» Er freut sich auf die NZZ-Expansion nach Österreich, jeder Markt habe seine Eigenheiten, es seien weitere Marktexpansionen denkbar: «Wir wollen in der Publizistik neue Märkte, neue Kundengruppen erschliessen.»

Bildschirmfoto-2014-05-11-um-11.44.28

Ringier will mit dem Digitalen wachsen

Walder will die digitalen Geschäfte weiter ausbauen: Der Marktanteil des Digitalen betrage bei Ringier 26 Prozent, bei anderen Schweizer Verlagen sei er noch tiefer. «In der Schweiz hat man dieses Geschäft relativ spät entdeckt.» Jobs.ch habe eine Ebitda-Marge von über 50 Prozent. 390 Millionen haben Tamedia und Ringier für Jobs.ch bezahlt. Tonini: «Ob das zuviel war oder nicht, wird sich erst später zeigen.»

Tamedia will Local.ch und Search.ch gemeinsam gegen Google positionieren

Tonini bekräftige das Interesse von Tamedia an Publigroupe: «Das Asset, das uns interessiert, ist Local.ch.» Es gäbe Synergien zwischen Search.ch und Local.ch. Das könne «eine echte Alternative zu Google darstellen.» Walder bezeichnete das Vorgehen der Tamedia als «clever», und er ergänzte: «Ringier muss sich jetzt auch in diese Diskussion einschalten.» Sonst müsste man dem Management einen Vorwurf machen. Gibts eine Bieterschlacht, fragte Moderator Beat Balzli (Axel Springer). «Am Schluss gibt es immer eine Bieterschlacht», antwortete Walder. Ob es denkbar sei, dass Ringier wie bei jobs.ch mit Tamedia gemeinsam einen Vorstoss mache? «Die Zusammenarbeit mit Christoph Tonini und Tamedia ist hervorragend», sagte Walder. Tonini entgegnete, das könne er bestätigen, «aber hier ist ein anderer Partner vorgesehen.»

Eröffnet wurde das Swiss Media Forum laut Mitteilung von Newsweek-Chefredaktor Jim Impoco. Er erläuterte, warum sich Newsweek entschieden hat, die Print-Ausgabe wieder einzuführen, die vor einem Jahr eingestellt worden war. Spiegel-Chefredaktor Wolfgang Büchner sprach über die erfolgreiche Zusammenarbeit von Spiegel und Spiegel Online; er selbst ist Chefredaktor über beide Kanäle. Er kündigte an, Spiegel Online werde weiterhin kostenlos bleiben – er sei gegen eine Paywall. Allerdings werde es einen Bezahlbereich geben: «Wir werden ein Freemium-Modell verfolgen», sagte er.

Bundesrätin Leuthard lobt Westschweizer Zeitungen

Anlässlich des Swiss Medien Forums in Luzern hat Bundesrätin Doris Leuthard den anwesenden Medienschaffenden den Spiegel vorgehalten. Der Branche fehle es an Ideen, sagte sie. Besonders hart ins Gericht ging sie mit den Deutschschweizer Zeitungen. «Die Qualität der Zeitungen ist derzeit in der Westschweiz höher», sagte die Medienministerin im Interview in der Nordwestschweiz vom Samstag. Die welschen Blätter würden nicht nur oft ganz anders gewichten, sondern Themen häufiger vertiefen und böten «mehr umfassend eingebettete Hintergründe». Das würde sich Leuthard auch von den regionalen Zeitungen wünschen. Diese «ordnen oft nicht ein und kommentieren nicht», sagte die Bundesrätin. Auch wenn es im Zuge des Strukturwandels zu einer Konzentration gekommen sei, böte sich den Konsumenten hierzulande noch immer eine grosse Vielfalt. Trotzdem brauche es von Seiten der Medienunternehmer mehr Ideen: «neue Geschäftsmodelle, neue Apps, neue Kanäle, um Informationen zu den Leuten zu bringen». Denn während die ältere Generation mit Tageszeitungen und der Radiosendung «Echo der Zeit» gut abgedeckt sei, informierten sich die Jungen ganz anders. «Da müssen die Medien reagieren.»

Abstimmungsfilme auf Youtube

Eine Expansion ins Ausland sei denkbar. Immerhin gelten die Schweizer Medien gemeinhin als ausgewogen und neutral. Auch der Bund müsse sich fragen, wie er die Jungen mit vertieften Informationen erreichen kann. Diese Generation sei weder apolitisch noch desinteressiert, spreche aber auf amtliche Verlautbarungsinformation nicht an, sagte Leuthard. «Deshalb überlegen wir uns, ob wir Youtube-Filme zu den Abstimmungen machen sollen.» (SDA/OTS)

Fotos: Swissmediaforum.ch
 

More articles on the topic