Zu guter Letzt: Enzensbergers Regeln für die digitale Welt

In einem FAZ-Artikel vom Samstag ruft Hans Magnus Enzensberger dazu auf, keine Kreditkarten mehr zu benutzen, das Handy wegzuwerfen und für vertrauliche Botschaften eine Postkarte zu schreiben. Kann das sein Ernst sein?

«Wer ein Mobiltelefon besitzt, werfe es weg», beginnt Enzensberger seine Streitschift. Es folgen neun weitere Aufforderungen, digitale Angebote wie Online-Banking, werbefinanziertes Privatfernsehen oder Soziale Netzwerke zu meiden, um sich der «Ausbeutung und Überwachung» durch Unternehmen und Geheimdienste zu widersetzen.

Der Artikel löst massenweise Kommentare aus – und sorgt vor allem für Befremden. «Einer der einst führenden Intellektuellen der Republik macht sich mit seinen 10 Thesen zum digitalen Leben fürchterlich lächerlich», schreibt Jürgen Kuri, stellvertretender Chefredakteur von Heise.de. Für einen weltfremden und antiquierten «Poet», «Rentner» oder «Pferdekutschenfahrer» halten ihn auch die meisten Leser.

FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher verteidigt seinen Autor: «Ironie scheint es schwer zu haben auf digitalen Endgeräten» twittert er. Tatsächlich könnte man den Artikel auch so verstehen, dass eine Einzelperson die negativen Seiten der Digitalisierung nur auf eine absurde Weise bekämpfen kann – so absurd, wie die «zehn einfachen Regeln». Denn: «Mit diesen simplen Massregeln kann das politische Problem, vor das die Gesellschaft gestellt ist, natürlich nicht gelöst werden», fügt Enzensberger zum Schluss an. Die Ironie ist ohne expliziten Hinweis aber schwer erkennbar. Dafür hat der Artikel nun eine hitzige Diskussion in Gang gebracht, wie sie sich Enzensberger wohl wünscht. (sis)

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

More articles on the topic