Zu guter Letzt: PR-Interview 2.0

Die Deutsche Bank gibt ungern Interviews. Und wenn, dann liefert sie vorab nicht nur die Fragen, sondern auch gleich die Antworten pfannenfertig. Ein Fall für Martin Sonneborn.

Das Verhältnis von Journalismus und PR ist eines der vieldiskutierten Medienthemen zur Zeit. Der Werbewoche-Artikel «Ein Phantom geht um» von Isabel Imper rollt das Thema ausführlich auf und lässt alle Seiten zu Wort kommen. Der Journalist Ronnie Grob formulierte jüngst zehn Fragen (und Antworten), welche wiederum PR-Agentur-Partner Andreas Hugi zu einer Gegendarstellung bewegten. In seinem aktuellen Editorial kommt Werbewoche-Chefredaktor Pierre C. Meier zum Schluss, dass auch die Kommunkationsbranche ein vitales Interesse an der Bewahrung der medialen Glaubwürdigkeit haben muss.

Wie sich viele Kommunikationsverantwortliche ihren ehemaligen Beruf vorstellen, bestätigt ein Beitrag der «Heute-Show» von ZDF-Aussenreporter Martin Sonneborn. Den meisten Menschen ist der ehemalige Titanic-Chefredaktor und Die Partei-Mitgründer Sonneborn ein Begriff. Der Deutschen Bank scheinbar nicht. Dass sie eines ihrer seltenen Interviews gerade ihm gewährte, scheint aus PR-Sicht grob fahrlässig. Die Voraussetzung für das Gespräch: Das Interview musste exakt so geführt werden, wie es im Voraus von der Deutschen Bank pfannenfertig geliefert wurde. Jede Frage ausformuliert, jede Antwort ausformuliert.

«Ich sollte also für die Bank die Hauptrolle in einem gefakten Interview spielen. Die Deutsche Bank hatte verdammtes Glück – so etwas gehört nämlich zu meinen Spezialgebieten», so Sonneborn im Vorspann des entspannten Gesprächs. Film ab. (hae)

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