Der Motz von Butz: So ein Käse!
Ein einmaliges Phänomen: der immer öfter aufkommende Wunsch, etwas Altes, Gutes zu verschlimmbessern.
Um was es hier geht. Dieses Käse-Logo ist ein ideales Beispiel, um über den Trieb «Alles muss neu» oder «modern» sein einen Motz zu schreiben. Stellen Sie sich vor, Rolls Royce würde die Emilie von Bottero neu designen und die zwei «R» in einer andern Schrift darstellen. Das «H» von Hermès, das «LV» von Louis Vuitton, das Vogelnestchen von Nestlé, das «CC» von Coco Chanel, die Frakturschrift der NZZ, das Schweizer- oder Christentum- Kreuz oder der Bär aus dem Wappen vom Kanton Bern sollten dringend auf die heutige Zeit angepasst werden. Klar, der Bär muss weg. Es gibt ja gar keine Bären mehr in Bern. Falsch!
Meine Theorie: Das Sattsehen der Insider ihrer eigenen Identity oder das Drängen eines Gestalters führen dazu, dass allseits Bekanntes oder Bewährtes über Bord geworfen oder wie im Käseunion-Fall verhässlicht wird. So wird daraus ein zweidimensi- onaler Dreikäsehoch. Alles an diesem Re-Design ist falsch. Der Käse ist verkohlt, das Schweizerkreuz ist überflüssig und wurde in unkorrekten Proportionen neu gestaltet und die Schrift lässt Lücken offen. Alles in allem eine verkrampfte Bastlerei und eine grobe Verunstaltung der Vorlage von Herbert Leupin. Er war einer der ganz grossen Grafiker des 19. Jahrhunderts (Knie, Eptinger, Coca-Cola). Sein Sohn Thomy, mit dem ich zur Schule ging, sollte solche Schweinereien unbedingt juristisch angehen. Erstaunlich, dass die Käseunion für eine solche unseriöse und unnötige Verschlechterungs-Retouche Geld ausgegeben hat. An dieser Stelle, vielen Dank an Herr Jürg Zysset (ein treuer Leser) für seinen sachdienlichen Hinweis. Vielleicht sollte man für solche Fälle einen Gestaltungsdenkmalschutz einführen. Nein, nicht im Ernst. Solche Schützerkommissionen bestehen meistens aus Apparatschiks und Paragraphenreitern. Ein Lied von solchen Protektoren kann ich über mein 1000-jähriges Haus in der Toskana singen. Seit dessen Bestehen haben sich die Form und Funktion x-Mal verändert. Heute jedoch ist jede Veränderung strengstens verboten, egal, ob es sinngemäss wäre.
Über dieses Thema werde ich mal eine spezielle Kolumne verfassen. Im Gegensatz zu diesem Käse finde ich den Auftritt der Amag erfrischend. Zum Glück war es nicht möglich, aus dem alten Signet etwas Gescheites zu adaptieren. Das Re-Design von Federal Express zu Fedex habe ich schon früher als hervorragende Veränderung beschrieben und gelobt. Wie man sieht, gibt es keine Formel für diese Problematik. Gesunder Menschenverstand ist hier gefragt. Kein Aufsteller der Woche war der Nachruf für Gebi Schregenberger von Doris Gisler, indem sie die Schuld für das Verschwinden von Gisler & Gisler dem Gebi hinterher vorwirft. Sie war doch die Besitzerin. Gebi hat das nicht verdient!

Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit über anderthalb Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche-Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected]
