Zu guter Letzt: What the Fög

Den Gratiszeitungen bleibt auch gar nichts erspart: Nach der alljährlichen Qualitätsschelte droht nun ein universitäres Hausverbot und die Verbannung aus den Fög-Hörsälen.

Man merkt: Die Wunde sitzt tief, die Fronten sind verhärtet, die Stimmung im Keller. Kurt Imhof und die Mitarbeiter seines Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög) sind bei den «qualitätsfernen» Medien ein für alle Mal unten durch. Als wäre die Abstrafung im Jahrbuch zur Qualität der Medien – letztes Jahr war sie zu komplex, diesmal zu kurz – nicht schlimm genug, hat Blick am Abend jetzt auch noch folgenden Skandal enthüllt: Das Fög hat alles, was qualitativ nicht niet- und nagelfest ist, aus seinen Hörsälen verbannt. Mit anderen Worten: 20 Minuten und Blick am Abend. Das gab der Co-Leiter des Instituts, Mark Eisenegger, in einem Interview mit dem Medienmagazin Edito zu Protokoll. Zitat: «Wir verbieten, dass Studierende Pendlerzeitungen in den Vorlesungs- und Seminarraum mitnehmen. 20 Minuten oder Blick am Abend gehören nicht in eine Universität, ausser sie werden analysiert».

Starker Tabak! Entsprechend scharf wird aus dem Hause Blick am Abend gegen die «arrogante Aussage» zurückgeschossen. Selbst im Büro des Rektors fände man ein Verbot von Gratiszeitungen «lächerlich». Und es stelle sich die Frage, wie ein Vergehen bestraft würde – auspeitschen, Straflager oder Lektüre des besagten Jahrbuches? Chefredaktor Peter Röthlisberger erklärt in seinem Kommentar: Die Ergebnisse des «Medien-Diktators» Eisenegger würden «ausserhalb der professionellen Medienszene merkwürdigerweise ernst genommen». Und verbündet sich wenig später gar mit der Wemf-beglaubigten Konkurrenz: 779'000 Menschen Leser nähmen sich die tägliche Medienfreiheit, Blick am Abend zu lesen… «und noch viel mehr lesen 20 Minuten». Ein historischer Schulterschluss.

zensur

Tatsächlich stellt man sich gewisse Szenen im Hörsaal etwas seltsam vor. «Student, was lesen Sie da?» «Blick!» «Jä was… präzisieren Sie! Sonntagsblick? Blick? Blick Online? Blick für die Frau? Blick am Abend??». «Den normalen Bezahl-Blick, Herr Professor». «Glück gehabt, weitermachen!». Kein Wunder, sind die Fög-Dozenten in Anbetracht solcher Vorwürfe «verstummt». «Weder Eisenegger noch Medienqualitäts-Guru Kurt Imhof» seien für eine Stellungnahme erreichbar gewesen, so das triumphierende Fazit des Artikels. An die Wand geschrieben, die Nörgler aus Oerlikon.

Um den Rückhalt aus dem Volk zu demonstrieren, wurden online ein paar Leserkommentare losgelassen. Geplant waren wohl Statements à la «erst verschwenden sie – ohne je richtig gearbeitet zu haben – unsere Steuergelder, jetzt wollen sie uns auch noch vorschreiben, was wir zu lesen haben!». Die grosse Empörungswelle ist für einmal ausgeblieben. Vielmehr fragen sich die meisten Leser, wieso Studenten während den Vorlesungen überhaupt irgendwelche Zeitungen zu lesen haben («Ein Hörsaal ist eben ein Hörsaal, kommt von zuhören!»). Stimmt. Und wenn es ohne Zeitung nicht geht, dann lieber Gratiszeitungen als Qualitäts-Wälzer. Im Gegensatz zur NZZ-Lektüre kann man sich dem 20-Minuten-Kreuzworträtsel nämlich wunderbar parallel zur Vorlesung widmen (besonders Multitask-Frauen, die sich gleichzeitig auch noch die Nägel feilen).

Thomas Häusermann
 

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