Weltklasse made in Switzerland

Vom Engadin nach New York und zurück nach Zürich mit ein paar namhaften Kunden im Portfolio. Gian Klainguti und die Animationsfirma Kompost schaffen es von der Binz aus, mit den weltweit besten Spezialisten der Branche mithalten zu können.

Seine Welt ist das sich rasend schnell ausdehnende Universum des Animationsfilms. Vor rund zehn Jahren begann Gian Klainguti gemeinsam mit Oliver Conrad mit innovativen Musik-Videos, Werbe-Filmen und Kurzfilmen auf sich aufmerksam zu machen. Ihre Firma mit dem nährreichen Namen Kompost haben die beiden heute 33-jährigen Bündner 2004 in New York gegründet. Inzwischen betreuen sie ihre Kunden vorwiegend von der Zürcher Binz aus. Vor drei Jahren durfte der kreative Start-up aus der Schweiz heraus die McDonald’s-Kampagne «Happy Meal» mit Spaceman Stu realisieren. Die drei Spots sind in den USA von Coast zu Coast ausgestrahlt worden und haben Kompost auch drei Nominationen für einen «Annie» eingebracht. Dieser Award gilt als der «Oscar» für Animationsfilme. «Wir sind in diesem Wettbewerb gegen Dreamworks und Psyop angetreten. Als kleiner Start-up fühlten wir uns zwischen diesen Giganten natürlich zutiefst geehrt», erzählt Gian Klainguti.

Internationale Agenten

Aber wie ist Kompost überhaupt an einen solchen Auftrag herangekommen? «Wir sind als eines der wenigen Schweizer Studios repräsentiert durch eine Agentur in Los Angeles sowie noch einen zweiten global agierenden Agenten. Diese werden an Pitches eingeladen und geben uns dann den Job weiter, wenn sie uns als geeignet erachten. Dann liefern wir ein Treatment, in dem mögliche Umsetzungskonzepte, animationsbezogene Storyideen und Visualisierungen präsentiert werden. Wenn wir Glück haben, bekommen wir den Zuschlag», erklärt Klainguti das von helvetischen Filmern eher weniger genutzte Prozedere. Dieses Arbeiten auch sonst etwas abseits der Norm hat seinen Anfang genommen, weil Klainguti neben seinem Bündner Vater eine amerikanische Mutter hatte. So ist der Regieanwärter während seines Filmstudiums in Zürich regelmässig nach New York gependelt. Dort studierte Oliver Conrad Fine Arts in Communication Design. Gemeinsam haben sich die beiden Exilbündner in verschiedenen Projekten gefunden. Diese Jobs sind ständig grösser geworden und führten schliesslich zur Gründung einer eigenen Firma im Big Apple.

Die ersten Erfolge stellten sich mit animierten Musikvideos ein. Das führte zu Kontakten mit New Yorker Werbeagenturen. «Oft waren die Budgets für die Animation nur 1000 Dollar. Aber wir wollten trotzdem etwas machen und haben fast nie nein gesagt zu einem Projekt. Anders kann man als Neuling in dieser Branche gar nicht Fuss fassen», erinnert sich Klainguti, der inzwischen neben Conrad als CD immer mehr in die Rolle des Produzenten rutschte. Als Studio diente eine Zweizimmerwohnung in New York, in der gleichzeitig auch noch gekocht und geschlafen wurde.

Dann stiegen die Budgets langsam auf fünf- bis sechsstellige Summen. «Damit konnten wir immer mehr unsere Ideen auch wie vorgestellt umsetzen. Aber New York blieb eine harte Schule und das hat uns sehr viel gebracht. Insbesondere der hohe Qualitätsanspruch, der hier innerhalb der Branche vorherrscht. Diesen haben wir mitgenommen.» Auch zurück in der Schweiz wollen sich die Spezialisten von Kompost immer am Ausland und den dort gebotenen Qualitäten messen. Wohl deshalb wird das Studio weiterhin an internationale Pitches eingeladen, auch wenn der «Hauptsitz» inzwischen aus dem amerikanischen Werbemekka in einen Loft in der Binz verlegt worden ist. «In diesem Umfeld müssen wir uns gegen Konkurrenten aus London, New York oder Berlin bewähren. Das macht es interessant. » Der Firmenableger in New York wurde aber beibehalten, denn «manchmal wünscht ein Kunde, dass wir sein Projekt vor Ort abwickeln». Bei solchen Aufträgen reisen die Verantwortlichen immer wieder gerne für die nötige Zeit in die Staaten. «Inzwischen ist das Vertrauen aber bestätigt, so dass man uns auch Aufträge aus den USA in Zürich realisieren lässt. Denn das Wichtigste ist, dass man termingerecht abliefern kann und dabei höchsten Qualitätsansprüchen gerecht wird.»

Geschätzt wird das inzwischen auch von Kunden wie Samsung, WWF, UBS, Swiss Life, Migros oder Swisscom. Für Samsung konnte Kompost im Rahmen der Olympiade in London ein weltweit eingesetztes Projekt umsetzen. «Für diese Kampagne durften wir zusammen mit David Beckham und Jamie Oliver drehen. Mit ihnen realisierten wir Ideen, die weit über traditionelle TV-Spots hinausgehen mit interaktiven Effekten und Spielmöglichkeiten für das Internet. Solche Konzepte werden immer häufiger verlangt», analysiert Gian Klainguti einen boomenden Trend der Branche.

Unterstützung von Edi

Die ständig grösser und komplizierter werdenden Aufträge haben auch Investitionen in neuen Dimensionen erfordert. Von der Gründungszelle in New York zu einem grosszügigen Grossraumbüro in der Binzstrasse mit rund fünfzehn Arbeitsplätzen, Pingpong- Tisch und Polster-Ecke zum Brainstormen sowie als Kernstück einem Serverraum für eine ganze Batterie von Hochleistungsgeräten. Zum Durchbruch in der Schweiz verhalfen einige Edis für ihre Musikvideos und nicht zuletzt eine Postproduktion für die Swisscom-Spots der Serien «Viva Casa» von Stories. Bei diesen Geschichten aus der Set-up-Box hat Kompost die Visual Effects beigetragen. Weiter ging es mit Aufträgen für die Migros und ihre «Twistymania» oder den erfolgreichen Animationen für «Snacketti» von Zweifel.

«Da wir bisher mehrheitlich für internationale Kunden gearbeitet haben, sind auf unserer Homepage im Moment auch vorwiegend noch solche Arbeiten aus dem Ausland aufgeschaltet», erklärt Klainguti. Diese Projekte sind auffallend oft dominiert von animierten Figuren. ≪In der Schweiz bieten wir aber das ganze technische Spektrum im Bereich Animation ab: aufwendige 3‑D-Spots, 2‑DAnimationen, Infographics, animierte Produkteund Erklarfilme, sowie interaktive Animationen fur Web und Apps. Auch die Entwicklung von Charakteren und dessen physische Umsetzung im 3‑D Druck sowie Illustrationen fur Printkampagnen sind eine Starke von uns.≫ Kompost wird deshalb in den nachsten Wochen eine neue Website aufschalten, ≪wo wir unser gesamtes Leistungsspektrum prasentieren werden≫.

Agenturen kommen in erster Linie fur klassische Werbefilme. Direktkunden fragen mehr an fur Corporate- und Image-Geschichten. ≪Hier entwickeln wir dann das Konzept selber in Zusammenarbeit mit diesen Kunden. Da durfen wir mit unseren Ideen ganze Pakete bundeln≫, umschreibt Klainguti das umfassende Angebot seines Studios. Im Fokus der Arbeiten wird aber in jedem Fall die Animation bleiben. Als Filmproduktion weiss Kompost auch Live-Action mit Animation zu kombinieren. Die Spezialisten sehen sich dabei nicht nur in der Rolle als Umsetzungspartner, sondern setzen ihr Fach- und Kreativwissen auch zunehmend als beratender Ansprechpartner ein. ≪In der Schweiz lasst sich oft feststellen, dass Kunden mit Animation noch etwas Beruhrungsangste haben. In diesem Fall sehen wir uns mehr als Partner, der mithilft, eine kreative Losung zu finden. Wir schauen uns in jedem Fall das Konzept genau an, bevor wir uns auf eine Umsetzungsvariante festlegen. Manchmal wollen Kunden unbedingt Bilder in 3‑D, obwohl man mit 2‑D etwas viel Reizvolleres und fur das jeweilige Kommunikationsanliegen besser Passendes machen konnte.≫

Der Stil von Kompost ist mehr von der Inszenierungsidee getrieben als von der Technik. ≪Als Produzent will ich bei unserer Arbeit die Kunstler pushen, damit diese ihre Ideen bis zum Schluss durchziehen konnen und die idealen Vorstellungen moglichst nicht verwassert werden.≫ Gian Klainguti ist aber gleichzeitig viel im Ausland an Kongressen prasent und beobachtet dort sehr genau die neuen technischen Moglichkeiten. ≪Man darf nicht schlafen im Bereich dieser bald taglich neu vorgestellten Innovation im Digitalen.≫

Für die Animationsbranche sieht Klainguti eine positive Zukunft. ≪Digitale Werbe- und Kommunikationsinhalte werden immer wichtiger, und gerade hier lasst sich animierter Content besonders gut und einfach multiplizieren.≫ Computeranimation bietet zudem ein riesiges Potenzial in der kreativen Inszenierung von Kommunikationsinhalten. Vorteile liegen dabei in der effektiveren und kundenorientierteren Aufbereitung komplexer Informationen, beispielsweise bei animierten Infographics. Auch schafft Animation einen eigenstandigen Kommunikationsauftritt, der sich klar von der Konkurrenz unterscheidet und sich besser in der allgemeinen Kommunikationsflut durchsetzt, zum Beispiel ein Charakter als sympathischer Markenbotschafter. Dies verdeutlichen die Grand-Prix-Gewinner der Cannes Lions 2012 (Chipotle ≪Back to the Start≫) und 2013 (Metro Trains ≪Dumb ways to die≫) – beides animierte Kampagnen. Auch der von Kompost animierte Spot von Zweifel-Snacketti erhielt beim Werbewoche-Impact-Check Bestnoten. Ferner sieht Klainguti auch Potential fur interaktive Geschichten. ≪Wir wollen nicht nur einen Imagefilm anbieten, sondern eigene neue Welten kreieren und das Publikum dort hineinfuhren.≫

Ein Ziel von Kompost ist synchron zur Entwicklung der integrierten Werbung deren nachhaltige Wirkung. ≪Geschichten langerfristig andenken. Nicht nur einen Spot realisieren, sondern zuerst eine neue Welt entwickeln, darin einen Charakter zum Leben erwecken und dieses Paket dann uber die verschiedensten Medien und Ebenen spielen lassen.≫ Im Bereich Eigenwerbung arbeitet Kompost konsequenterweise ebenfalls mit den Mitteln des Storytelling quer durch neue Welten. Demonstriert wird das auf der Facebook-Page mit eigenen Webisodes. Die Mini-Geschichten, die eher als Gag entstanden sind, haben bereits uber 35 000 Fans. Eine Eigenwerbung der anderen Art leistet sich Kompost beim TEDx Zurich. Fur dieses ≪Zeitgeistkarussell≫ der neuen Denker ≪und schragen Vogel≫, das in diesen Tagen im Studio 1 von SRF stattgefunden hat, ist Gian Klainguti vor einem Jahr nicht nur als Gastreferent aufgetreten. Kompost gestaltet seither im Rahmen eines Sponsorings auch die ganze Corporate Identity des zukunftsgerichteten Events.

Andreas Panzeri

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