Zu guter Letzt: Only non smoking rooms
Das Zürcher Comfort Hotel Royal bietet keine Raucherzimmer, dafür eine schmucke Schaufensterdekoration und kühle Gefühle dank Klimaanlage.
Raucher haben in der heutigen Gesellschaft keinen einfachen Stand. Nebst den allgegenwärtigen gesundheitlichen Gefahren wurde jüngst bekannt, dass der Bundesrat den Päckli-Preis in naher Zukunft auf gefühlte 150 Franken anheben will. Aus gutem Grund: Da die Raucherei bei den Jungen an Credibility und Coolness eingebüsst hat, drohen in den nächsten Jahren wertvolle AHV-Franken auszubleiben.
Die Werbung kämpft mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen das Aussterben der bedrohten Raucherart an. Die Agentur Formeldrei zum Beispiel hat für Parisienne ein lustiges Nikotin-Scrabble organisiert: Auf den Päckli sind Buchstaben aufgedruckt, die zu Wörtern kombiniert werden (Werbewoche.ch berichtete). Wer viel raucht, liegt hier für einmal klar im Vorteil: Viele Päckli ergeben viele Buchstaben ergeben viele Wörter ergeben hohe Gewinnchancen! Für das Wort «Benzypren» beispielsweise benötigen Sie lediglich neun Päckli, für «Pudel» gar nur deren fünf.

Dennoch werden Raucher je länger, je mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Nach Redaktionsräumen, Kinos, Flugzeugen, Zügen und Restaurants drohen nun auch Hotels zur dunstfreien Zone zu verkommen. Auf freiwilliger Basis, versteht sich – ein vom Bundesrecht definiertes Rauchverbot beschränkt sich auf die allgemein zugänglichen Bereiche der Hotels. Die Zimmer dürfte sich der Betreiber von den Gästen weiterhin nach Herzenslust verqualmen lassen. Wenn er denn wollte.
Das Comfort Hotel Royal in Zürich will definitiv nicht. Oder darf nicht – die Comfort Inn-Kette gehört zur amerikanischen Choice Hotels International Holding. Einer der Schaukästen an der Leonhardstrasse wurde aus diesem Anlass liebevoll mit einer überdimensionalen Zigarette beladen. Auf den ersten Blick mag man das XXL-Teer-Monster nicht unbedingt mit frischen, nach Frühlingswiese duftenden Hotelzimmern assoziieren, eher bringt man es mit dem Geruch von abgestandenen Aschenbechern in Verbindung.


Der Knopf in der Zigarette macht beim genaueren Hinsehen aber deutlich: In diesem Haus wird nicht geraucht, Freunde! Und spätestens beim nächsten Schaukasten wird klar, dass hier eine treffsichere Dekorations-Hand am Werk war. Ein überdimensioniertes Glacé kommuniziert: Alle Zimmer sind klimatisiert, liebe Nichtraucher. Kühle Gefühle für alle – so muss Schaufenster!
Thomas Häusermann


Fotos: Isabel Imper
