Aus Markenbotschaften werden Erlebnisse
«Exciting People – Exciting Brands» ist Credo bei Rufener. Um diesen Anspruch noch effektvoller erfüllen zu können, hat die Agentur ihre Kompetenzen erweitert. Die zukunftsgerichtete Strategie wurde geprägt von einer neuen Geschäftsleitung. Verantwortlich als CEO ist seit Juni Jennifer Somm.
«Längst bietet Rufener ihren Kunden über die Kernkompetenz Eventmanagement hinaus ein Know-how in der Kreation sowie Beratung in strategischer Planung und integrierter Kommunikation», begründet Jennifer Somm den strategischen Schritt. Die Ökonomin aus der bisherigen Geschäftsleitung ist per 1. Juni neu zur verantwortlichen CEO befördert worden und hat das Re-Branding lanciert.
Eine neu konzipierte Corporate Identity inklusive neuer Website verstärkt die neue Ausrichtung zusätzlich. Drei definierte Corporate Colours bringen die drei Leistungsbereiche der Agentur klar zur Geltung: Events, Creation und Consulting. Gespiegelt wird diese Entwicklung auch in der personellen Zusammensetzung. Im 30-köpfigen Team finden sich neben Eventmanagern auch immer mehr strategisch erprobte Konzepter und Designer.
«Rufener möchte sich damit als Partner in sämtlichen Bereichen der Live-Kommunikation positionieren, denn wir verstehen die Begegnungskommunikation als umfassende Disziplin», erklärt Jennifer Somm.

Bei der Gründung durch Schoscho Rufener war seine Agentur eine der ersten in der Schweiz, die damals bereits als Generalunternehmer aufgetreten ist. Die Kunden hatten nur noch einen Ansprechpartner beim Einkaufen von Catering, Unterhaltung, Technik und Location. Später hat Rufener auch als erste Eventagentur in der Schweiz eine eigene Kreationsabteilung aufgebaut. «Wir sahen, dass die Kreation ein wichtiger Bestandteil ist, um eine stringente Identity entstehen zu lassen. Punkten beim Kunden kann man sicher, wenn die Umsetzung auf dem Set perfekt ist. Aber Kreation und Beratung sind Mehrwerte, die heute unerlässlich sind», weiss Somm. Zu einer massgeschneiderten Lösung zählt deshalb auch ein fundiertes Verständnis der Brand-Values. «Erst wenn wir das herausgeschält haben, können wir auch etwas kreieren, das für den Kunden den erwarteten Return on Investment bringt», meint Somm. «Ein paar Cüpli hinstellen kann jeder. Aber wir wollen etwas Nachhaltiges schaffen, das die Marke substanziell stärkt.»
In diesem Sinn sieht man bei Rufener das Modell des Generalunternehmens nicht mehr als alleinigen USP für die Zukunft. «Ehemalige Lieferanten haben sich inzwischen selber vom Caterer zu einem GU entwickelt. Zahlreiche grosse Firmen haben ebenfalls eigene und kompetente Eventabteilungen aufgebaut. Was aber bei vielen Events heute fehlt, sind die Ideen sowie ein strategischer Background.» Below-the-line ist ein wachsender Budgetposten. Hier ist somit eine verantwortungsvolle Integration dieser Massnahmen in den gesamten Kommunikationsmix gefragt. In diesem Zusammenspiel will Rufener in Zukunft vermehrt mit strategischen Kompetenzen auftreten. «Unsere Beratung bieten wir dabei auch ohne zwingenden Auftrag für die Realisation an. Wir verstehen uns immer mehr auch als eine Agentur für kreative und strategische Beratung.»
Jennifer Somm arbeitet seit fünf Jahren bei Rufener. Zu ihrem Background gehört eine Ausbildung an der Hochschule St. Gallen. Das Studium an der HSG bildete ein gutes Fundament. Der Abschluss im Finanz- und Rechnungswesen war für die heutige Geschäftsführerin von Rufener eine wichtige Basis für Führungsaufgaben. «In meiner ersten Zeit bei Rufener wurden das HR sowie die Finanzen und das Rechnungswesen bei mir angesiedelt. Bereiche, die in Agenturen tendenziell zu kurz kommen.» Schritt für Schritt sollte daraus mehr werden. So wie es schon immer zum Arbeitsstil von Somm gehörte.
Noch während ihrer Zeit in St. Gallen hat sie nebenbei ein Praktikum bei «10 vor 10» absolviert und später als Deskerin ihr Studium beim Schweizer Fernsehen verdienen können. «Ich durfte den ganzen Tag die Nachrichten aus aller Welt verfolgen und für die Redaktion das Wichtige zusammenfassen.» Später hat sie als Freelancerin selber kleine Beiträge realisiert. Nach Abschluss des Studiums war sie «hin und her gerissen», ob sie beim Fernsehen bleiben wollte. «Ich war aber erst 24 und hatte das Gefühl, ich sollte noch etwas anderes machen.»
Eine ideale Gelegenheit zur weiteren Entwicklung ergab sich bei Burson Marsteller. In der Agentur für Polit- und Wirtschaftslobbying fand Jennifer Somm mit Iwan Rickenbacher nicht nur einen Chef, von dem sie sehr viel lernen konnte, sondern auch ihren Mentor. «Ich habe immer das Glück gehabt, dass ich auf jemanden traf, der fest an mich glaubte und mir gleichzeitig alle Freiheiten zur eigenen Entwicklung liess.» Die Arbeit mache nämlich am meisten Spass, «wenn man das ganze Leben lang etwas lernen und weiterkommen kann».
Das Leben hält aber auch noch anderes bereit. Zum Beispiel die Geburt ihrer Tochter. Und weil Jennifer Somm in ihren bisherigen Jobs erfahren hat, dass die Leute hier «zu 200 Prozent engagiert arbeiten müssen, wenn sie wirklich dabei sein wollen», hat sie beschlossen, dass eine Karriere in den Medien und ein Kleinkind für sie nicht kompatibel sind.
Die geeignete Alternative war eine Tätigkeit als Lehrerin. Am Gymnasium in Zug hat Jennifer Somm Betriebswirtschaft und Rechtskunde unterrichtet. «Diese Anstellung brachte einen strukturierten Tag mit einer planbaren Freizeit mit sich.» Auch waren die lebhaften Diskussionen mit den heranwachsenden Mittelschülern eine wertvolle Erfahrung. Trotzdem wurde für die Macherin Somm das Dozieren mit der Zeit etwas eindimensional. «Meine Leidenschaft, Neues entdecken zu können, ist brach gelegen. Zudem: Die Auseinandersetzung mit der Denkweise der Jugendlichen wurde inzwischen auch zu Hause immer mehr abgedeckt. Ich war diesbezüglich genug bedient durch meine eigene Tochter – Grenzen setzen, Regeln einhalten und Freiheiten lassen.»
Jennifer Somm spürte immer mehr, dass sie diese Fähigkeiten auch mit Erwachsenen und in einer grösseren Organisation umsetzen wollte. «Ich führe gerne und inspiriere am liebsten ein Team, damit wir gemeinsam etwas erreichen können.» Das sei es auch, was ihre Qualitäten ausmacht. «Ich komme jeden Tag ins Büro und habe stets neue Ideen. Dann stehe ich in der Kreation und versuche die Leute zu motivieren, dass sie noch einmal alles drehen und vielleicht von vorne beginnen, weil alle spüren: Hier braucht es eine noch bessere Lösung.»
Von einer solchen Einstellung zur Arbeit hatte sie mit Schoscho Rufener bei einem zufälligen Treffen philosophiert. «Er fand dann, eigentlich könne er immer jemanden brauchen wie mich. So hat er sich auf das Risiko eingelassen, obwohl ich noch gar keine Event-Erfahrungen vorweisen konnte.»
Die Erfahrungen folgten alsbald. Als Schoscho Rufener sich nach dem Verkauf an die Messe Schweiz Group in den Verwaltungsrat zurückzog, ist Jennifer Somm zeitgleich in die Geschäftsleitung nachgerückt. «Wir haben verschiedene Modelle diskutiert und dann entschieden, dass zusätzlich die Kreation bei mir angesiedelt wird. Das klingt nach einem grossen Spagat. Es ist aber genau die Facette, die unser Angebot ausmacht. Auch die Kreation braucht am Schluss viel Präzision – vor allem mit den grossen Budgets, die wir bei Rufener betreuen. Und umgekehrt brauchen die Finanzen auch eine gewisse Kreativität.»
Jennifer Somm ist überzeugt, dass alle Mitarbeitenden in ihrer Agentur «Individualisten» sind und entsprechend geführt und gefördert werden sollen. «Als Eventmanager muss man schon jung viel Verantwortung übernehmen. Ein 30-Jähriger hat bei einem Event mit 3500 Gästen ein Catering-Team von mehreren Dutzend Leuten zu führen. Dazu kommt die Technik und die Betreuung der Künstler für die Showeinlagen.» Da hilft gereiftes Vertrauen mehr als nur Kontrolle. «Es ist jedoch wichtig, dass wir klare Zielvorgaben haben und wissen, wo wir hinwollen – mit einem Event, aber auch mit unserer Agentur.»
Andreas Panzeri

