Schoggi-Profiling – oder: Was naschst du denn so?

Marketing kann eine ganz süsse Disziplin sein. Und sehr aufschlussreich dazu. Das glauben Sie nicht? Oh doch! Anne-Friederike Heinrich, freie Mitarbeiterin der Werbewoche, über Naschkatzen und süsses Marketing.

Machen wir einen Test: Was für Schoggi essen Sie gerne? Milchschokolade oder lieber dunkle Schoggi, Tafel, Riegel, Stängeli oder Truffes? Ich esse am liebsten Pralinés, gerne viel davon und am liebsten hell oder weiss. Alles klar, ich bin eine Stadtbewohnerin aus der Deutschschweiz. Sie essen lieber Munzli oder ähnliche Stängeli, allerdings nur ab und zu? Dann wohnen Sie wahrscheinlich auf dem Land. Dort braucht man schliesslich manchmal schnelle Energiezufuhr via Stängel oder Riegel, zum Beispiel für die Ernte oder vor dem Melken. Oder wenn «Bauer sucht Frau» gedreht wird. Sie essen ausschliesslich dunkle Schoggi – und das regelmässig zwischen 16 und 17 Uhr in guter Gesellschaft? Dann sind Sie vermutlich ein Mann, kommen aus dem Welschland und verdienen gut. Humbug? Nein, eine neue Studie. 

Verantwortlich für das Schokoladen-Orakel ist André Hefti, Marketingchef der Luxusmarke Maison Cailler. Er liess jüngst den Schokoladenkonsum der Schweizerinnen und Schweizer untersuchen. Dabei kam beispielsweise heraus, dass in städtischen Gebieten mehr Schokolade gegessen wird als auf dem Land und eher Trüffes und Pralinen als Riegel und Stängel. Die Erklärung: In der Stadt geht es beim Schokoladeessen vorrangig um Genuss, auf dem Land um die Zuführung schneller Energie. Aha. (Ich dachte immer, Bauern trinken zu diesem Zweck ein Glas Milch?!) Und je dunkler die Schokolade ist, die konsumiert wird, desto gebildeter und reicher sind die Esser. Denn dunkle Schoggi ist wertvoller als Milchschokolade, und man ist nur, was man isst. Status geht in diesem Fall durch den Magen. Was alle Schweizer eint: Mit 12 Kilogramm Schokolade pro Kopf und Jahr sind sie Schoggi-Ess-Weltmeister.

Verräterischer Genuss

Der Volksmund sagt, man sehe an den Schuhen Charakter und Einstellung ihres Trägers oder ihrer Trägerin. Und an der Nase eines Mannes erkennt man seinen … – naja, lassen wir das. Doch auf jeden Fall sollten Sie in Zukunft darauf achten, wie Ihr Gegenüber wann welche Schoggi isst, vor allem, wenn Sie ein Geschäft mit ihm abschliessen wollen. Denn verräterischer geht es kaum. Wenn Sie es zu etwas bringen wollen, haben Sie stets eine Auswahl Tafeln, Stängeli und Truffes in der Handtasche. Die können Sie jederzeit zücken und anbieten, um Gesprächspartner sowie potenzielle Auftraggeber einschätzen zu können. Vielleicht können Sie im Notfall auch mal eine Fahrkahrtenkontrolleurin davon überzeugen, von einer Busse abzusehen. Entsprechende Schoggi- Kits sollen bald bei Maison Cailler erhältlich sein.

Bei allen Chancen, die sich dank Schoggi eröffnen, hat mich die Studie verwirrt; ich suche Aufschluss für folgenden Sachverhalt: Mein Mann isst gerne dunkle Schokolade mit Orangenstückchen, alternativ Champagnertrüffes. Stadt oder Land? Reich oder arm? Gebildet oder tubbelig? Zu kurz gedacht: Denn SEIN Schoggikonsum verrät einiges über MICH. Schliesslich ässe mein Gatte diese Schoggi-Sorten zwar gerne – er bekommt sie aber nie, denn ich bin schneller! Farbe, Form und Beigaben sind doch egal, Hauptsache, es handelt sich um Schokolade. Was mich betrifft, wäre die Schoggi-Kit-Diagnose also nicht so eindeutig, denn ich würde gleich das ganze Kit auffuttern und den Schoko-Psychologen ratlos zurücklassen. Nur eines wüsste er sofort: Die ist süchtig!

* Anmerkung: Beim Schreiben dieser Kolumne sind aus unserem Kühlschrank etwa vier Kinderriegel und mehrere Reihen dunkler bis heller Schokolade verschwunden. Pralinés waren leider schon aus.
 

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