Lasst uns fett und munter sein
Weihnachten könnte so schön sein – wenn nur die Vorweihnachtszeit nicht wäre. Kolumne von Werbewoche-Redaktorin Anne-Friederike Wilhelm.
Beim nachbarschaftlichen Lichterwettrüsten habe ich auch in diesem Jahr kläglich versagt. Gegen all die Lichterketten, Glitzerrentiere, Leuchtnikoläuse und Blinksterne kommt mein roter Weihnachtsstern einfach nicht an. Dafür habe ich einen Christbaum. Er hat seine Füsse noch, duftet nach Wald und scheint stolz zu sein auf seine roten und goldenen Kugeln. Dennoch: Wenn mir im überfüllten Globus zum x-ten Mal ein Plastikweihnachtsbaum-Käufer mit einer schwungvollen Drehung die Beine wegreisst, plagt mich das schlechte Gewissen: Vielleicht wäre mein Tännchen lieber im Wald geblieben? Vielleicht hätte es seine Stelle gerne an einen Plastikkameraden abgetreten?!
Gehaltvolles Gebäck
Bei den Guetsli habe ich dieses Jahr auf Paid Content gesetzt. Besonnen habe ich nur ein paar wenige gekauft, sonst trennt sich mein Bauch nie von seiner Speckrolle. Doch so vorausschauendes Verhalten wird vor Weihnachten selbstredend bestraft: Am Wochenende bekam ich eine grosse Box mit Gebäck überreicht: «Selbstgemacht!» Na toll. Da habe ich beim Keksknabbern das schlechte Gewissen gleich im Doppelpack: Einmal wegen der erwähnten Rolle, und ausserdem, weil ich nicht einmal ein paar Guetsli selbst gebacken habe. Eine Schande ist das. Aber Weihnachten soll man ja dankbar sein. Also bin ich bei jedem Bissen dankbar und verdränge die Überlegung, die Guetsli meinen Silvestergästen unterzujubeln.
Immerhin habe ich das konsumwütige Kaufvolk ausgestrickst und die wichtigen Geschenke schon im November ausgesucht. Bänder und Papier liegen bereits seit Oktober im Kasten. Doch was, wenn meine Liebsten sich Lesestoff und Kleinodien inzwischen selbst gekauft haben? Dann ist das Mist. Diese Aussicht stresst mich ein klein wenig. Manchmal ist beim frühen Vogel eben auch der Wurm drin.
Und dann diese Kurz-vor-Weihnachtsfeiern. Überall muss man sich fein gestriegelt den Bauch vollschlagen und das Essen loben, während einem die Rede des Chefs den letzten Funken Appetit verdirbt. Bei allem seliges Lächeln oder glückliches Strahlen nicht vergessen, ganz wie die Rauschgoldengel, die derzeit durch alle Werbespots schweben. Warum fallen den Budgetanpassungen eigentlich nie die Weihnachtspartys zum Opfer? Wichtig ist auch, vor Weihnachten noch einmal alle Kollegen und Bekannten zu treffen. Warum, weiss kein Mensch. Geht Weihnachten die Welt unter? … auf der anderen Seite … ich könnte die Chance nutzen und noch ein paar feine Guetsli verschenken. «Selbstgemacht!», versteht sich.
Schlanke Strukturen
Mein Entschluss steht fest: Dieses Jahr mache ich einfach alle Türchen meines Adventskalenders hinter mir zu und geniesse die Ruhe, meinen Tannenbaum, meinen Weihnachtsstern und warte auf ein solides, grundehrliches, nagendes Hungergefühl, bevor ich das nächste Mal wieder etwas esse. Denn 2010 liegt nur im Trend, wer auf schlanke Strukturen setzt.
Anne-Friederike Wilhelm
Gehaltvolles Gebäck
Bei den Guetsli habe ich dieses Jahr auf Paid Content gesetzt. Besonnen habe ich nur ein paar wenige gekauft, sonst trennt sich mein Bauch nie von seiner Speckrolle. Doch so vorausschauendes Verhalten wird vor Weihnachten selbstredend bestraft: Am Wochenende bekam ich eine grosse Box mit Gebäck überreicht: «Selbstgemacht!» Na toll. Da habe ich beim Keksknabbern das schlechte Gewissen gleich im Doppelpack: Einmal wegen der erwähnten Rolle, und ausserdem, weil ich nicht einmal ein paar Guetsli selbst gebacken habe. Eine Schande ist das. Aber Weihnachten soll man ja dankbar sein. Also bin ich bei jedem Bissen dankbar und verdränge die Überlegung, die Guetsli meinen Silvestergästen unterzujubeln.
Immerhin habe ich das konsumwütige Kaufvolk ausgestrickst und die wichtigen Geschenke schon im November ausgesucht. Bänder und Papier liegen bereits seit Oktober im Kasten. Doch was, wenn meine Liebsten sich Lesestoff und Kleinodien inzwischen selbst gekauft haben? Dann ist das Mist. Diese Aussicht stresst mich ein klein wenig. Manchmal ist beim frühen Vogel eben auch der Wurm drin.
Und dann diese Kurz-vor-Weihnachtsfeiern. Überall muss man sich fein gestriegelt den Bauch vollschlagen und das Essen loben, während einem die Rede des Chefs den letzten Funken Appetit verdirbt. Bei allem seliges Lächeln oder glückliches Strahlen nicht vergessen, ganz wie die Rauschgoldengel, die derzeit durch alle Werbespots schweben. Warum fallen den Budgetanpassungen eigentlich nie die Weihnachtspartys zum Opfer? Wichtig ist auch, vor Weihnachten noch einmal alle Kollegen und Bekannten zu treffen. Warum, weiss kein Mensch. Geht Weihnachten die Welt unter? … auf der anderen Seite … ich könnte die Chance nutzen und noch ein paar feine Guetsli verschenken. «Selbstgemacht!», versteht sich.
Schlanke Strukturen
Mein Entschluss steht fest: Dieses Jahr mache ich einfach alle Türchen meines Adventskalenders hinter mir zu und geniesse die Ruhe, meinen Tannenbaum, meinen Weihnachtsstern und warte auf ein solides, grundehrliches, nagendes Hungergefühl, bevor ich das nächste Mal wieder etwas esse. Denn 2010 liegt nur im Trend, wer auf schlanke Strukturen setzt.
Anne-Friederike Wilhelm
