Zu guter Letzt: Justin Bieber für 15 Dollar
Facebook testet einen neuen Weg, um das Social Media-Ungetüm finanziell zu melken. Gegen Entgelt sollen Prominente oder sonstige Unbekannte kontaktiert werden können. Diese freuen sich sicherlich bereits - zumal sie nichts vom Geld sehen.
Wie die Zukunft von Facebook aussieht, steht in den Sternen. Allzu rosig wohl eher nicht. Die Jungen finden das Netzwerk uncool, die Alten ärgern sich über fehlenden Datenschutz und ständige Neuerungen. Die Änderungen werden vollzogen, um den sozialen Riesen für die Werbewirtschaft interessanter zu machen. Man wird den Eindruck nicht los, dass der Gigant gemolken wird, solange er noch gigantisch ist. Dass es schnell gehen kann, zeigen Beispiele wie Myspace oder SchülerVZ, dessen baldige Abschaltung heute angekündigt wurde.
Das neuste Beispiel der eifrigen Monetarisierung stammt aus Grossbritannien: Dort testet Facebook die gebührenpflichtige Kontaktaufnahme mit prominenten Mitgliedern des Netzwerkes. Je mehr Fans, desto teurer die Mitteilung. Dafür landet die Nachricht nicht wie andere Nachrichten von Fremden im Ordner «Sonstige», sondern im richtigen Posteingang für Freunde. Die Regelung soll für alle User gelten, die nicht Teil der eigenen Freundesliste sind.
Laut Focus.de soll mit dieser Massnahme verhindert werden, dass die prominenten Postfächer ständig überfüllt sind und sonstiger Spam in der Welt herumgeschickt wird. Als Obergrenze sind in Amerika 15 Dollar vorgesehen – so viel würde wohl ein Mail an Justin Bieber kosten. Gemäss NZZ gibt’s die Kontaktaufnahme mit Prinz Harrys Freundin bereits für 71 Pence. Wer immer das ist – ein Schnäppchen! Interessanterweise fliesst das Geld vollumfänglich in die Taschen von Facebook. Das wird die Motivation der Promis sicherlich ins Unermessliche steigern, irgendwelche Briefe zu lesen, zumal ohnehin so gut wie kein Star das Facebook-Profil selbst verwaltet und führt. Die Vorstellung, dass Justin Bieber für 15 Dollar den eigenen Liebesbrief liest und beantwortet, wird echte Belieber eher zusätzlich anstacheln.
Das Bezahlmodell und die damit verbundene Berichterstattung wirft viele Fragen auf. Landen bezahlte Nachrichten nicht mehr in einem separaten Ordner für Fremde, dürfen sich begehrte Personen über Unmengen Fanpost im Posteingang freuen – vermischt mit den Nachrichten befreundeter Kontakte. Ausserdem wird nicht klar, ob die Regelung auch für (Fan-)Seiten gelten soll. Klar ist nur: Die Tage, in denen man bei Facebook nur mit der Abtretung sensibler Daten und etwas Aufmerksamkeit bezahlte, sind gezählt. (hae)
Teaserbild: Keystone
