Zu guter Letzt: Olympischer Problembündner
Geht es nach Ringier, sollen die Bündner den olympischen Spielen zustimmen. M13 zeigt: Das könnte schwierig werden.
Nicht nur der sportbegeisterte Unterländer, sondern auch Ringier findet die Idee von olympischen Spielen im Graubünden bekanntlich bärenstark. Für die Begeisterung ist nicht nur die Beteiligung von Infront Ringier an der Sponsorensuche verantwortlich. Laut CEO Marc Walder ist es logisch, dass sportaffine Zeitungen wie Blick und Sonntagsblick der Idee von olympischen Spielen im eigenen Land grundsätzlich positiv gegenüber stehen. Dazu kommt seine persönliche Begeisterung für das «wunderbare Graubünden» (Werbewoche.ch berichtete). Um eine ausgewogene Berichterstattung zu gewährleisten, wurde Gegnern im vergangenen Jahr im Sonntagsblick Raum für Argumente geboten. Seither ist die kritische Berichterstattung auf ein überschaubares Niveau geschrumpft.
Ganz Helvetien ist von Ringiers Meinungs-Maschinerie beeindruckt. Ganz Helvetien? Nein! Ein von unbeugsamen Bündnern bevölkerter Landesteil hört nicht auf, dem Medienhaus Widerstand zu leisten. Steinbockig und hartnäckig weigert man sich, die verordnete olympische Euphorie zu teilen. Daran ändern selbst spontan ausgesprochene Defizitgarantien und Prominenten-Statements im Blick nichts.
Blick-Sportchef Felix Bingesser zündete deshalb gestern Dienstag das ultimative Bezirzungs-Feuerwerk und veröffentlichte einen ganzseitigen offenen Brief Richtung Graubünden. Titel: «Faszination der Ringe in der Schweiz – OlympJA!» Die Worte gehen derart unter die Haut, dass man stellenweise selbst als Aargauer feuchte Augen kriegt. Und die Argumente leuchten ein: «Liebe Bündner. Spiele in St. Moritz und Davos machen nur Sinn, wenn sie von der Bevölkerung gewollt und getragen sind.» Das war den Bündnern bisher wohl nicht bewusst. Natürlich gäbe es ökologische Fragen zu klären und natürlich würden die Spiele «verdammt viel Geld» kosten – aber schliesslich verzockte der UBS-Banker letztes Jahr innert kürzester Zeit noch mehr.

Ob das gewirkt hat? Man mag es bezweifeln. Als Antwort schossen die Bündner heute unseren Lieblingsbären M13 ab und zeigten dem Unterland, was man von medialen Beeinflussungsversuchen hält. Die Antwort auf das OlympJA gabs gratis obendrauf. (hae)

