Share the Love

Zwei Blicke treffen sich, für mehr reicht der Mut aber nicht. An deutschen Universitäten und Bibliotheken sollen seit Kurzem Facebook-Seiten dafür sorgen, dass die zwei Personen doch noch ins Gespräch kommen. Von Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media Management an der HWZ, Chief Networking Officer bei Centralway. www.about.me/mpn

«Spotted Communities» sind von Glasgow nach Deutschland übergeschwappt und halten auch in der Schweiz Einzug. FB-Fanseiten, welche Kontakte ermöglichen sollen, wenn jemand im Hörsaal, der Mensa oder auf dem Campus gesehen, aber nicht angesprochen wurde. Besonders die Studierenden in Deutschland sind sehr aktiv in den Spotted Communities. Vorreiter ist die Community der Stadtbibliothek München, welche auf Facebook nach nur einem Monat bereits 15 000 Mitglieder zählt. Den Administratoren der Facebook-Seite kann eine Nachricht gesendet werden, welche danach anonym auf der Seite gepostet wird. Dort sind dann im besten Fall Einträge wie «Informatikstudentin mit orangen Haaren und pinker Weste, wer bist du? Möchte dich gerne kennenlernen. » zu lesen.

Wer hinter den Betreibern der Seite steckt, ist ebenso anonym wie die Nachrichten. Einzig die Gründer von Bibflirt.de geben sich auf einigen Spotted Communities zu erkennen. Sie haben auch in einem Interview verraten, wie aufwändig die Kontrolle der Nachrichten sei. Diese Aussage erstaunt insofern, als dass viele der geposteten Nachrichten nicht den Anschein vermitteln, dass sie manuell ausgewählt wurden.

Nur wenige Nachrichten haben ehrliches Interesse daran, jemanden wiederzusehen. Viele sind pure Unterhaltung, plump oder sogar schlüpfrig formuliert. Manchmal trifft man auch ein kreatives Gedicht, aber ein Blick über alle Spotted Communities zeigt eher ein Bild von billiger Anmache. Für viele scheint es unterhaltend zu sein, Nachrichten zu schreiben oder zu kommentieren. In der Schweiz ist die Universität St. Gallen mit rund 2000 Mitgliedern der Vorreiter. Das Bild der Nachrichten sieht auch hierzulande ähnlich aus wie bei unseren Nachbarn.

Es scheint, als wären die Spotted Communities ein unterhaltsamer Zeitvertreib. Auf Facebook ist man sowieso, und braucht man in der Bibliothek eine kurze Verschnaufpause, wirft man einen Blick auf die Seite. Ernst zu nehmen scheinen es nur wenige. Wie viele sich also wirklich dank den Facebook- Seiten wiedersehen, ist fraglich.

Das Ganze wäre wohl anders, wenn die Nachrichten nicht anonymisiert wären. Sicherlich würden dann weniger posten, aus dem einfachen Grund, dass sie Spott und Häme ihrer Studienkollegen fürchten. Aber ich plädiere jetzt hier mal für mehr Mut. An der Uni jemanden auf einen Kaffee einzuladen oder über Studienkollegen herauszufinden, wer die Person ist, kann doch gerade in der heutigen vernetzten Zeit nicht mehr so schwierig sein. Da braucht es anderswo wesentlich mehr Überwindung. Im überfüllten Tram fragt man kaum den Sitznachbar, ob er Lust hätte auf einen gemeinsamen Kaffee. Die Verkehrsbetriebe Zürich helfen hier bereits seit Längerem mit ihrem Portal «Gesehen@ VBZ». Die Nachrichten wirken wesentlich ernstgemeinter als diejenigen in den Spotted Communities auf Facebook.

Ich finde: share the love & a coffee.
 

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