SF heisst jetzt vereinfacht SRF
Aus DRS1, 2 und 3 sind seit einer Woche im Sinne einer Medienkonvergenz neue Namen und Logos erfunden worden. Die Lösungen sind Radio SRF 1, Radio SRF 2 Kultur und so weiter. Von Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit über anderthalb Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche- Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].
Um was es hier geht: Eines der klassischsten Namensänderungs-Beispiele, welches nichts nützte, sondern geschadet hat, war der Versuch der Umbenennung von Coca Cola auf Coke. Coca Cola hat an Umsatz verloren und der Marketingchef seinen Job. Zu Recht. Unser Flughafen Zürich Kloten hat mal für eine gewisse Dauer Unique geheissen. Dies war nichts Einzigartiges. Die Rail City ist in der Zwischenzeit auch wieder zum Hauptbahnhof Zürich zurück mutiert. Was bewegt denn das Management, anstatt das Produkt zu verbessern den Namen zu ändern? Antwort: reiner Schwachsinn oder Marketing-Gequassel. In meiner Kolumne vom August 2011 habe ich das unnötige Re-Design für die Swiss schon ausführlich bemotzt.
Meine Theorie: Wenn man bekannte und eingespielte Namen wie DRS und SF nur aus internen Zusammengehörigkeitsgründen zu einem neuen, meiner Meinung nach einem Zungenbrecher umtauft, dann sollte man länger überlegen, ob das so auch richtig ist. Das Tessiner Fernsehen heisst jetzt RSI (also Radiotelevisione svizzera), wohin ist das «T» verschwunden? Dass das Wort «Radio» aus bekannten oder unbekannten Gründen in diese Abkürzungen eingebaut werden musste, ist Buchhalter- Marketing. Unser Radiosender (früher Radio Beromünster) heisst seit 30 Jahren DRS. Heute muss er SRF heissen. Und damit man ihn nicht mit dem Fernsehen verwechselt, wird er speziell mit dem Wort «Radio» als Zusatz angewendet.
Ich bin der Ansicht, dass man hier keine Kommunikationsprofis beigezogen hat. Ebenso unprofessionell ist der Glaube, dass diese Unsinns-Umänderung weniger als 100 000 Franken kosten soll (SonntagsBlick). Vier Standorte, nur in der Deutschschweiz, mit Fassaden-Leuchtreklame à ca. 20 000. Ein Fahrzeug neu zu beschriften, kostet zwischen 5000 und 10 000. Bei vier Fahrzeugen sind die 100 000 bereits überschritten. Egal, was es kostet. Das Geld kommt ja von den Zuschauern.
Die entscheidende Frage ist, ob irgend ein Konsument diese Änderung gewünscht hat und ob jetzt die Einschaltquoten steigen. Zweimal nein. Es gibt Namensänderungen, aber vor allem Re- Designs, die sinnvoll und zum Vorteil der Marke sind. Zum Beispiel: die Modernisierung und Verkürzung des Logos von Federal Express auf Fedex. Auch die Fusion von Ciba-Geigy mit Sandoz zu Novartis macht Sinn. Vielleicht wäre eine Bildmarke zu den bestehenden, bekannten und bewährten Logos die einfachste und richtigste Lösung gewesen. Ich habe da an ein Schweizerkreuz mit Augen und Ohren gedacht. Mein Aufsteller der Woche ist, dass BBC, CNN, ARD, SBB und die Schweiz weiterhin an ihrem Corporate Identity festhalten.
