Das Werbekiller-Syndrom

Die Versicherungsgesellschaft Sympany geht mir nach anfänglichem Gefallen mit ihren Wiederholungen dieser Passföteli-Story mehr und mehr auf die Nerven. Von Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit über anderthalb Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche- Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected]

Um was es hier geht: Es geht darum, dass es nicht geht, dass Werbung versucht, mit Humor und Witz dem Leser und TV-Zuschauer während fast zwei Jahren denselben Spot, und dazu noch mit einem Inserat als Reminder, unter die Nase zu halten. Wie hier diese anscheinend komplizierte Lebenssituation mit dem Passföteli-Reglement. Der Film mit dem Typen, der den Kaffee bestellt, war ja noch witzig. Diese Geschichte mit diesem komischen Italo ist wie ein schlechter Witz, der einen vielleicht einmal zum Schmunzeln anregt. Aber beim zehnten Mal findet man nicht den Witz, sondern den Erzähler nicht mehr sympanysch, sondern eher nervig.

Meine Theorie: Ich habe immer gepredigt, dass nach einem cleveren Positionierungskonzept und deren kreativen Umsetzung die Kontinuität das Wichtigste ist. Ist aber die Kontinuität so umgesetzt, dass immer die gleichen Spots und Anzeigen über zwei Jahre zum Einsatz kommen, dann ist die Kontinuität falsch verstanden worden. Vor Jahren existierte ein Werbekonzept einer englischen Zigarrenfirma, welches auf derselben Strategie aufgebaut war wie diejenige von Sympany. Motto: Das Leben ist kompliziert, wir sind die Lösung. «Hamlet is a cigar called happiness», war deren Slogan. Jahr für Jahr haben diese Spots in Cannes die Shortlist erreicht und auch öfters einen Löwen abgeholt. Das Konzept war ebenfalls, dass das Leben kompliziert und das Produkt die Lösung ist. Nebst dem TV-Spot mit dem Rollband am Flughafen ist vor allem ein Film in der Branche unvergesslich. Da sitzt eben auch ein Mensch in einer Fotokabine und immer, wenn es blitzt, rutschen seine letzten fünf Haare ins Gesicht. Sorry, Markus Brönnimann, aber das erinnert mich an die Sympany- Kampagne. Egal, ob ich mich da zu weit aus dem Fenster lehne, eins ist wichtig: der kreative Unterschied liegt meilenweit auseinander.

Eine Filmepisode von Laurel und Hardy (die Uhr und das Bier) oder wie Polanski dem Jack Nicholson die Nase aufschlitzt. Das sind Geschichten, die man gerne öfters ansehen möchte. Aber langweilige TVSpots, die immer den gleichen Witz erzählen, sind kontraproduktiv.

Letzte Woche habe ich mich mit dem Star-Filmer Ernst Wirz unterhalten. Er teilt meine Ansicht und meint: «Macht einfachere Storys, aber öfter eine neue Folge davon.»

Öfters schaue ich ins Kaminfeuer. Es ist immer die gleiche Konzeption und trotzdem immer anders und faszinierend. Zudem wärmt es noch. Mein Aufsteller der Woche ist, dass ich dieses Jahr nur noch eine Kolumne schreiben darf. Danach geht ja die Welt am 21.12. unter. Auf bald, wo auch immer. Übrigens: Lassen Sie sich mal einen biometrischen Pass machen. Das funktioniert absolut digital und nicht im Fötelikasten. Und ist zudem völlig unkompliziert…

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