Zu guter Letzt: Ein Gruss aus dem Hause Ringier

Zum 48. Geburtstag überrascht Ringier Vreni Schneider mit einem schönen Geschenk: Blick am Abend macht endlich ihre Olympiasiege vergessen und bezeichnet sie sachlich als «Schweizer Schlagersängerin».

Jetzt ist es also passiert: Vreni Schneider ist offiziell Musikerin. Lange musste Ringier kämpfen, bis diese Tatsache endlich in den Köpfen verankert war. Einige Steine wurden aus dem Weg geräumt, bis sie nicht mehr auf ihre phänomenalen Skierfolge reduziert wurde. «Lasst Vreni in Ruhe!» wies Blick das Schweizer Fernsehen zurecht, als die Herren Giacobbo und Müller die etwas unbeholfene Choreografie aufgrund des jahrelangen Skischuh-Tragens als «Glarner Gangnam Style» bezeichneten («SF zieht unsere Ski-Königin in den Dreck»). Den Felsbrocken, der die Gotthard-Linie lahmlegte, erklärten die Beiden später per Videoeinspieler («E Gruess us dä Bergä is Tal»). Den Damen und Herren vom Leutschenbach etwas die Augen zu öffnen war sicherlich keine schlechte Idee. Denn diese tun sich selbst nach den Aufklärungsversuchen noch schwer mit Gold-Vrenis Karriere 2.0. So ist beispielsweise «Glanz & Gloria» noch heute überzeugt, Frau Schneider habe in ihrer Lieblingssendung «Happy Day» «ihr Gesangsdebüt» gegeben. Hat sie natürlich nicht, schliesslich wedelte sie bereits anlässlich des Nationalfeiertags mit ihrem Neo-Hit «E Gruess us dä Bergä» durch die TV-Landschaft. Auf SF1 – aber man kann bei der heutigen Senderflut auch als People-Magazin nicht alle Kanäle im Auge behalten. Zumindest Blick ist der Auftritt nicht entgangen («Vreni Schneider singt!»).

 

Wie auch immer. Alles kam gut. Die Blick-Befürchtungen vom 20. August 1994 haben sich nicht bewahrheitet («Vreni Schneider: Einmaliger Abstecher»). Die damals noch aktive Skirennfahrerin kündigte an, doch nicht in Sepp Trütschs Sendung «Musig-Plausch» singen zu wollen. Die Slalomkönigin habe ohnehin «nie davon geträumt, dereinst als Folklorekönigin von sich reden zu machen», entwarnte die Zeitung mit besorgtem Unterton. Zumindest hat die Schweizer Öffentlichkeit wieder einmal ein wirklich relevantes Thema abzuhandeln. Und wem alles zu viel wird: Ein «Kafi am Pischterand» hilft. Aber «mit Musig» bitte, wie man im Volksmund so schön sagt. (hae)

 

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Bild: Blick am Abend, 26. November 2012
 

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