Zu guter Letzt: Hilfe, meine Zeitung kann sprechen
Mit gedruckter Elektronik und leitfähigen Farben soll das Leseerlebnis bald auch hörbar werden. Denn in Grossbritannien basteln Wissenschaftler an einer sprechenden Tageszeitung.
Die britische Regionalzeitung «Lancashire Evening Post» liegt auf dem Tisch, daneben ein iPad und ein Proband mit überdimensionalen Kopfhörern drückt jene Ecke der Zeitung auf der ein «Play»-Button abgebildet ist. So beschreibt 4-c.at die Versuchsanordnung, welche die Basis dafür bilden soll, was in absehbarer Zeit den Alltag von Zeitungslesern beeinflussen soll: Die interaktive Zeitung. Getestet wird sie gemäss 4-c.at an den britischen Universitäten Dundee, Surrey und Central Lanashire. Man erforsche dort, ob es möglich ist, die Tageszeitung als Multimedia-Gadget auszubauen. Mit leitfähigen Farben soll eine WiFi-Verbindung ermöglicht werden, sagt Jon Rogers, Dozent für Produktdesign an der Universität Dundee, gegenüber 4-c.at. Auf diese Weise könne das Papier mit dem Internet verbunden werden und so einen Server erreichen. Die interaktive Zeitung soll aber nicht die einzige Anwendung bleiben. Vom selben System sollen dann auch Poster, Broschüren und Werbeschilder profitieren. Nötig für das Spielen von Audio-Inhalten ist dann lediglich das Drücken einer interative Stelle auf dem Papier.
Wer jetzt denkt: «Aber das Internet gibt es doch schon. Und iPad-Zeitungen. Wofür also eine Zeitung mit dem Internet verbinden, wenn es dafür doch schon Apple und seine diversen interaktiven Geräte gibt?», hat Indien vergessen. Das jedenfalls glaubt Jon Rogers. Denn «die westliche Mittelklasse kann sich zwar teure Produkte wie ein iPad leisten, ein Großteil der Weltbevölkerung nicht», sagt er gegenüber 4-c.at. Wenn man also an den enormen Zeitungsmarkt in Indien denke, dann werde das Potenzial von Audiostücken deutlich, «direkt von der Zeitung gibt es Artikel in jeglichen Dialekten oder Sprachen. Deshalb forschen wir und entwickeln Lösungen für Leute mit unterschiedlichem geographischem und sozialem Hintergrund», führt er aus.
Nur braucht das Lesen, das Rogers vorschwebt, auch notwendigerweise Ausgabegeräte. Das heisst, in Smartphone- und Tablet-armen Ländern müsste hierfür ebenfalls eine Lösung gefunden werden, je nachdem gar eine, die ohne Wireless Lan auskommt.
