Zu guter Letzt: Guerillakrieg im Aargau
Das Aargauer Lokalradio Argovia hat sich eine dreiste, aber nicht unoriginelle Guerilla-Aktion einfallen lassen. Der ordnungsliebende Kanton scheint mit der Situation etwas überfordert.
Der Aargau ist wieder mit Wahlplakaten übersäht, denn bald ruft der Urnengang. Radio Argovia hat sich durch die beinahe inflationäre Nutzung dieser Werbemittel inspirieren lassen und in einer Nacht und Nebel-Aktion im ganzen Kanton eigene Wahlpropaganda unter die bestehende gemischt. Statt politischen Kandidaten strahlen dem Autofahrer die Moderatoren einer Morgenshow entgegen. Mit schmieriger Gestik, überzeichnetem Lachen und Wahlslogans, die garantiert nicht gebrochen werden («Verspricht: gar nichts!»).
Die Plakate generieren viel Aufmerksamkeit, sind aber illegal. «Selbstverständlich kann Radio Argovia nicht von den kommenden Wahlen profitieren, um ihre Werbung für das Radio bewilligungsfrei aufzustellen», so Felicitas Siebert, Leiterin der Abteilung für Baubewilligung des Kantons Aargau gegenüber der Aargauer Zeitung. Marco Kugel, der Leiter Marketing von Radio Argovia ist sich dessen bewusst. Man habe keine Bewilligung eingeholt. «Wir wollten mit dieser Guerilla-Aktion dem Plakatwald engegenwirken und dabei auf unsere Morgenshow aufmerksam machen». Man würde das Risiko einer Busse eingehen und hoffe, die Plakate nicht gleich wieder entfernen zu müssen – denn Radio Argovia habe einige tausend Franken in die Aktion investiert.
Es sind nun mehrere Tage vergangen und die Plakate erfreuen sich bester Gesundheit. Fast könnte man meinen, der Kanton sei von der dreisten Aktion und der Bereitschaft von Radio Argovia, eine Busse in Kauf zu nehmen, überrumpelt worden. Und wenn eines Tages die vereinigten Bauämter auffahren, um die gedruckten Störenfriede zu entsorgen, hat Radio Argovia das Ziel der Aktion ohnehin mehrfach erreicht – beinahe zum Nulltarif. (hae)



