Tagesanzeiger künftig mit gemeinsamer Chefredaktion von Print und Online

Tamedia hat anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen Ende August bekanntgegeben, die Zusammenlegung der Print- und Onlineredaktionen von Tagesanzeiger und Newsnet zu prüfen. Nun sorgt das angekündigte Zusammenrücken auch in den Chefetagen für Veränderungen.

Es wird künftig nur noch eine Chefredaktion geben. Noch offen ist, wie sie sich zusammensetzt und wann sie ihre Arbeit aufnimmt. Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer bestätigte eine entsprechende Meldung des Online-Portals Persoenlich.com vom Freitag.

Zurzeit sind Peter Wälty fürs Newsnet und Markus Einsenhut sowie Res Strehle als Co-Chefredaktoren für die Print-Redaktion zuständig. Diese Struktur wird sich zwar aufgrund des Konvergenzprojekts ändern, es ist jedoch möglich, dass weiterhin mehrere Personen in der Chefredaktion sein werden, sagt Zimmer gegenüber der Werbewoche. Durch die Zusammenlegung der Print- und Online-Redaktionen sollen auch Kosten gespart werden. Die Einsparungen sollen im Jahr 2014 gegenüber 2012 im Endeffekt rund 15 Prozent betragen, so Zimmer. Ein wesentlicher Teil davon sei jedoch bereits realisiert durch Massnahmen wie beispielsweise die Einstellung des Tagesanzeiger Regionalteils. Obwohl Tamedia mit diesem Projekt noch am Anfang stehe, komme es sicher nicht zu Massenentlassungen, wie Zimmer betont.

Weiterhin Spezialisierung

Tamedia plant, dass die wichtigsten Entscheide bis Ende Jahr gefällt sein sollen (Werbewoche.ch berichtete). Die eigentliche Umsetzung dürfte dann aber bis Ende 2013 dauern. Der Tagesanzeiger ist besonders betroffen von der Konvergenz-Strategie. Ein Projektteam erarbeitet nun Pläne für die Zusammenlegung der verschiedenen Redaktionen. Es legt unter anderem fest, in welchen Bereichen spezialisierte Print- und Online-Kompetenzen weiterhin sinnvoll sind und wo nicht. Wie sich das im Alltag realisieren lässt, ist auf dem Papier schnell festgelegt, wird aber in der täglichen Umsetzung noch einmal mehr Zeit in Anspruch nehmen als das blosse Konzept, wie Zimmer sagt. Das Ziel sei jedoch sicher nicht ein Newsroom in dem jeder alles macht. Eine Spezialisierung sei auch weiterhin wichtig.

Impressum: Argumente angesichts Rekordgewinne unglaubwürdig

Impressum ist besorgt über den weiteren Schritt von Tamedia, die Informationen in seinen Medien zu vereinheitlichen. Die wirtschaftlichen Argumente seien angesichts der Rekordgewinne unglaubwürdig, schreibt der Berufsverband am Freitag. «Wir fordern Tamedia auf, die Fehler der Entlassungswelle von 2009 nicht zu wiederholen», warnt Daniel Suter, Präsident von Impressum, und ehemaliger Journalist des Tages Anzeiger.

Die Redaktion von Newsnet funktioniere gut und ergänze die Papiermedien mit zusätzlichen Perspektiven, so Impressum im Communiqué weiter. Die Eigenständigkeit von Newsnet abzuschaffen wäre ein neuer Verlust für die Meinungsvielfalt. Tamedia habe bereits in der Vergangenheit viele Informationen in seinen diversen Medien vereinheitlicht, um beim Personal zu sparen, so zum Beispiel beim Bund oder den Zürcher Landzeitungen.

Als grösstes privates Medienunternehmens habe Tamedia sowohl gegenüber seinem Personal als auch gegenüber der Öffentlichkeit eine grosse Verantwortung. Anstatt ohne Not neue Rationalisierungen zu planen, müsste Tamedia in den Ausbau der journalistischen Qualität und der Meinungsvielfalt investieren. Damit würde Tamedia seine Glaubwürdigkeit als Medienunternehmen stärken. Die ausgewiesenen Rekordgewinne und die gesunden Reserven des Unternehmens erlauben dies, so der Berufsverband weiter. Daher fordere man, dass Tamedia von erneuten Abbauplänen absehe und die journalistischen Kapazitäten erhalte.

Die Reaktion von Impressum deutet gemäss Christoph Zimmer darauf hin, dass der Berufsverband hier wohl etwas falsch verstanden habe. Es könne nicht die Rede sein von einer Vereinheitlichung, sagt er. Vielmehr sollen einfach beide Redaktionen, die bisher schon unter der Marke Tagesanzeiger augetreten sind, nun in einer gemeinsamen Redaktion zusammengeführt werden. 

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