Disqualifiziert!
Ende Juli stehen ein weiteres Mal die Olympischen Spiele auf dem Programm. Nach den Spielen 2008 in Peking, werden die diesjährigen in London geradezu als «Socialympics» bezeichnet. Doch werden es wirklich die ersten Social-Media-Spiele, wie sich das IOC selber lobt? Von Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media Management an der HWZ, Chief Networking Officer bei Centralway. www.about.me/mpn
Der Social-Media-Chef des IOC, Alex Huot, spricht von den ersten Social-Media-Spielen, die dieses Jahr in London stattfinden werden. Im Gegensatz zu Peking, wo es 2008 noch strengere Richtlinien zur Nutzung der neuen Medien gab. Das IOC fordert Sportler geradezu auf, die neuen Kanäle zu nutzen und bietet angeblich sogar Kurse an. Auch die eigens dafür aufgesetzte Microsite hub.olympic. org lässt glauben, dass Ende Juli tatsächlich die ersten Socialympics starten werden.
Wer aber einen genaueren Blick auf das Kleingedruckte bei den Tickets oder in die IOC Social Media Guidelines wirft, der merkt schnell, dass es ganz so gesellig wie anfangs angenommen nicht zu und her gehen wird.
Auch wenn das Olympische Komitee die Sportler ermuntert, die Social-Media-Kanäle zu nutzen, enthalten die Guidelines strenge Vorschriften. So dürfen Nachrichten nur in der ersten Person geschrieben werden, sie dürfen nicht redaktionell wirken und keinen Wettkampf oder Aktivitäten von anderen Teilnehmern kommentieren. Fotos für die persönliche Nutzung sind erlaubt, Video- und Audioaufnahmen vom olympischen Gelände dürfen nicht auf Social-Media-Plattformen geteilt werden. Bei den Fotos müssen die Rechte abgeklärt werden, sollten Drittpersonen darauf abgebildet sein, und Marken von Nicht-Sponsoren dürfen auf den Bildern keinesfalls ersichtlich sein. Die olympischen Ringe dürfen auf Bildmaterial nicht verwendet werden. Akkreditierte Medien wiederum dürfen alle Social- Media-Plattformen nach gutem Glauben (bona fide) nutzen.
Auf die strengen Guidelines angesprochen, relativiert das IOC, dass es ja nicht verboten sei, Inhalte zu teilen, lediglich nicht zu kommerziellen Zwecken. Wo ist bei einem Profisportler jedoch die Grenze zwischen privater und kommerzieller Nutzung? Ist nicht jeder Twitter-Account einer öffentlichen Person auch irgendwie kommerziell?
Ähnlich schwierig liest sich das Kleingedruckte beim Kauf eines Tickets für die Olympischen Spiele. Unter Punkt 19.6.3 (es gibt deren 138 Punkte, die man beachten muss) steht, dass der Besitzer eines Tickets Bild- und Tonaufnahmen nur für private Zwecke verwenden darf und ein Veröffentlichen in den Social Media nicht gestattet ist. Stellen wir uns vor, dass die 80 000 Personen im Olympiastadion in London Bilder und Videos aufnehmen und keiner von ihnen es auf Facebook, Twitter oder Co. mit Freunden teilt. Illusorisch, oder? Es stellt sich durchaus die Frage, wie das IOC bei so vielen Leuten durchgreifen will. Mit Twitter wurde angeblich bereits vereinbart, dass Nicht-Sponsoren die den Hashtag #London2012 benutzen, eine Verwarnung erhalten und sogar gesperrt werden können. Auch Facebook sei aktiv mit einbezogen worden und werde sämtliche Bilder auf unerlaubten Inhalt scannen. Einige munkeln jetzt sogar, dass das IOC dank Sonderstatus so stark durchgreifen könnte, dass das Posten von Fotos und Videos auf Facebook während der Olympischen Spiele gar eingestellt werden könnte.
Socialympics? Disqualified!
