Zu guter Letzt: Lufthansa lässt antiquierte Rollenbilder fliegen

Die Lufthansa hat eine Werbepost der besonderen Art verschickt: Die Karte hat im Internet Empörung hervorgerufen, wurde als sexistisch und altbacken bezeichnet.

In den letzten Tagen wurde ein Werbebrief der Lufthansa verschickt, der männliche Kunden der Miles&More-Karte anspricht – mit «Lieber Schatz». Weiter bietet die Briefschreiberin ihren «Lieben Schatz» darum, mit seiner Kreditkarte die Lufthansa-Karte für sie zu bestellen, damit sie unter anderem von einem Abo der Vogue profitieren kann. «Du weisst doch, wie gerne ich in solchen Magazinen stöbere». Abschliessend endet die Briefschreiberin mit der Unterschrift «Deine Special Women», darunter ist ein Kussmund gesetzt. Die ganze Aktion ist in so vielerlei Hinsicht sexistisch und versetzt den Leser zurück in die 50er-Jahre, dass eine solche Kampagne schon gar nicht mehr ernst genommen werden kann. Das muss sich auch Lufthansa gedacht haben, denn dort entschuldigte man sich und betonte gemäss Focus.de: «Es sei nicht die Absicht gewesen, überholte Rollenbilder zu bedienen». Die Reaktion der Lufthansa folgte auf einen Proteststurm bei Facebook und Twitter. Die Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung reagierte gemäss Focus.de mit einem Antwortbrief an die Lufthansa. Darin bedankt sich die Autorin im Namen der Männer: «Nach dem ersten Schock durch die Lektüre dieses Briefes durften sie voller Erleichterung feststellen, dass sie eine Frau haben, die ihr Geld selbst verdient, ihre eigene Kreditkarte hat und sogar selbst Flugmeilen sammelt.»

Bei Pressetext.ch wird diese Aktion nicht so eng gesehen. Hier wird die Werbepost als «vermeintlich sexistische Werbekampagne» bezeichnet. Einige Frauen hätten sich über das antiquierte Frauenbild, das dieser Brief vermittelt, «echauffiert». So befragte Pressetext den Markenexperten Thomas Otte. Dieser meint: «Die Werbekampagne der Lufthansa ist vorsichtig originell und besitzt keinerlei Polarisierungspotenzial. Diese Entrüstung ist ein interessantes Beispiel für künstlich entfachte Empörungskultur». Und weiter meint er: «Diese übertriebene, politische Korrektheit vonseiten frustrierter Empörungskünstler erstickt jede Kreativität, Originalität sowie Individualität in unserer Gesellschaft. Das führt dazu, dass nur mehr der Mainstream akzeptiert wird.»

Da Herr Otte sich für die plumpe Art eher begeistern kann, und die feinen Unterschiede nicht zu erkennen in der Lage ist, haben wir genau das richtige Filmchen für ihn gefunden:

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