Publicitas bewegt sich

Die Inseratevermittlerin beugt sich dem Druck der Werbekunden und schliesst mit ersten Verlagen wieder Kommissionsverträge nach altem Muster ab. Allerdings mit extrem kurzen Laufzeiten.

Seit Anfang Juni vermittelt die Publicitas wieder Inserate an die Tageszeitungen Bieler Tagblatt, Journal du Jura und Walliser Bote – sowie an alle anderen Titel der beiden Eigenregie-Verlage Gassmann AG (Biel) und Mengis (Visp). Dies teilten die beiden Verlage und die «P» am 5. Juni in einem gemeinsamen Communiqué mit.

Muskelspiel machte nicht überall Eindruck

14 Monate zuvor hatten die beiden Medienhäuser mit der P gebrochen, weil Letztere den Verlagen ein Vermittlungsabkommen mit neuem Preismodell aufzwingen wollte. Dieses sah einen fixen Sockelbetrag pro vermitteltes Inserat – dem Vernehmen nach 30 bis 65 Franken pro Anzeige, je nach Verlag und Titrlportfolio – plus eine umsatzabhängige Kommission vor. Die Grossverlage akzeptierten, Gassmann und Mengis hingegen wehrten sich. Doch Hanspeter Rohner, VR-Präsident und CEO der PubliGroupe, sowie der damals neue Publicitas-CEO Beat Roeschlin statuierten ein Exempel: Sie stoppten das Vermitteln von Anzeigen an die Mengis- und Gassmann-Titel und liessen deren Daten im P-System löschen. Kurz: Die P brach mit der Universalvermittlung. Doch Gassmann und Mengis waren nicht allein: Monate später verzichteten auch die Basler Zeitung und der Landbote auf die Dienste der P – aus demselben Grund.

Der Sockelbetrag ist vom Tisch

Und so sehen die neuen Lösungen aus: Gemäss Mengis-CEO Kurt Hasen und Marcel Geissbühler, VR-Delegierter der W. Gassmann AG, verzichtete die P in beiden Fällen auf den Sockelbetrag pro Inserat und akzeptiert wieder je einen Vermittlungsvertrag nach altem Kommissionsmodell. Umgekehrt erhält sie von den beiden Verlagen nun eine «etwas höhere Kommission» als früher. «Für uns ist zentral, dass der Vertrag nach bisherigem Modell weitergeführt wird», sagt Geissbühler. Das sieht auch Hasen so: «Ein Sockelbetrag ist für kleine Verlage nicht akzeptabel», sagt er. «Kein Unternehmer kauft Leistungen ein, bei denen er Geld verliert.»

Und was sagt die P dazu? Eine direkte Bestätigung gab es nicht. «Publicitas konnte sich mit W. Gassmann AG und Mengis AG auf ein betriebswirtschaftlich sinnvolles Modell für die Vermittlung von Inserateaufträgen einigen», schrieb P-CEO Beat Roeschlin bloss. Aber halt – wenn er die neu-alte Kommissionslösung «betriebswirtschaftlich sinnvoll» nennt, dann darf man wohl daraus schliessen, dass er das Modell mit Sockelbetrag mittlerweile als weniger sinnvoll ansieht und gegenüber kleinen Verlagen fallen lässt. Manches deutet darauf hin, so auch die Situation in Winterthur.

Doch was führte in Biel und Visp zur Annäherung? Von Roeschlin gab es dazu keine Informationen. Dafür von den beiden Verlagen. «Die P wurde flexibler. Sie hat gemerkt, dass sie mit den Verlegern im selben Boot sitzt», sagt Hasen. Zudem verweist er auf die wirtschaftliche Situation: Für die Verlage seien die Zeiten eben härter geworden, vor allem, weil einzelne Firmen und Grossverteiler die Printwerbung massiv reduziert hätten. Geissbühler sieht noch weitere Gründe für die erfolgreichen Gespräche: «Auf Seite der P haben neue Leute die Verhandlungen geführt.» Zudem hätten nationale Kunden Druck gemacht, weil via P- Kanäle nicht mehr alle Titel buchbar sind. «Die Kundenzufriedenheit muss unser oberster Grundsatz bleiben», meint er.

Noch viel Arbeit auf den P-Baustellen

Allerdings haben die neuen Vertragswerke auch einen Haken: Sie sind auf Ende Jahr befristet. Im Herbst werde deshalb wieder neu verhandelt, heisst es in Visp und Biel. Walliser Bote und Bieler Tagblatt sind mit der Freiburger Nachrichten (FN) im Zeitungspool liiert. Darum ist für beide wichtig, was sich bei der FN tut, umso mehr, als bei dieser im Herbst 2011 ebenfalls Verhandlungen mit der P anstanden. Seither hatte man jedoch nichts mehr gehört. «Wir haben miteinander gesprochen, beliessen aber alles beim Alten. Wir haben noch immer dieselbe Kommission», sagt Vizedirektor Gilbert Jenny. Und weiter: «Die P ist für uns ein wichtiger Partner. Wir warten nun ab, wie sie sich in Fribourg neu aufstellt.» (siehe Kasten).

Wenig Bewegung auch auf der P-Baustelle in Basel. Roland Steffen, CEO der Basler Zeitung Medien, wünscht zur Zeit «keine Veränderung», denn trotz Bruch mit der P mache man am Rheinknie «ausschliesslich positive Erfahrungen». Dennoch hält er die Tür einen Spalt breit offen: «Überzeugt uns Publicitas mit Leistung und einem fairen Vergütungsmodell, steht einem Gespräch über eine Zusammenarbeit grundsätzlich nichts im Wege», schreibt er. Ganz anders tönt es in Winterthur: «Wir führen mit der P intensivere Gespräche als auch schon», sagt Markus Wenger, Verlagsleiter des Landboten. Und wie in Biel und Visp rede man «über eine höhere Kommission – jedoch ohne Sockelbetrag!». Markus Knöpfli

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