Baz: Erneut Wasser auf Wanners Mühle

Die AZ Medien nützt jede Schwäche der Basler Zeitung marketingmässig gekonnt aus. Auch nach den jüngsten (Fehl-)Entscheiden von Chefredaktor Markus Somm weiss Peter Wanner sofort Kapital zu schlagen – ausgerechnet bei Basels Linken.

Wieder einmal hat Peter Wanners AZ Medien in Basel marketingmässig zugeschlagen: Der Verlag liess am Samstag, 5. Mai, die BZ Basel, die Basel-Ausgabe der Basellandschaftlichen Zeitung, nicht nur gratis in die baselstädtischen Briefkästen verteilen, sondern versah den Umschlag auch noch mit der frechen Aufschrift «Die Basler Zeitungsalternative als Gratis-Leseprobe». Eine Abobestellkarte war natürlich auch dabei. Die Basler kamen damit also letzte Woche gleich zweimal in den Genuss einer Gratis-BZ – denn mittwochs erhalten sie die BZ seit einiger Zeit sowieso.

Grosses Köpfeschütteln über Zanetti
Der Termin für die samstägliche Aktion war natürlich nicht zufällig gewählt: Seit zwei Wochen ist in Basel die Diskussion über die Baz nach einigen Wochen Ruhe wieder heftig aufgeflammt. Angestossen wurde die erneute Unruhe von Baz-Chefredaktor Markus Somm selbst: Ende April ernannte er den Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Zanetti als Berichterstatter über den US-Präsidentschaftswahlkampf (und später vielleicht auch als Bundeshauskorrespondent). Dieser Entscheid löste weitherum Kopfschütteln aus – nicht nur in Basel und nicht nur im linken Parteienspektrum. Auch in der Baz-Redaktion gibt es Widerstand.

Folgenschwer war aber auch die Baz-Berichterstattung über die 1. Mai-Feiern in Basel und Liestal: Auf der Frontseite waren sie gar kein Thema, im Regionalteil wurde die Basler Kundgebung mit rund 1‘300 Teilnehmern mit einem dreispaltigen Bild und vierzeiliger Legende abgehandelt, und der Liestaler Demo widmete die Baz bloss einen kleinen zweispaltigen Artikel. Dem illegalen Baselbieter Bierlauf mit 40 Teilnehmern, der gleichentags stattfand, wurde dagegen sowohl auf der Frontseite als auch im Regionalteil mehr Platz eingeräumt.

Chefredaktor rügt Chefredaktor
Für den grossen linken Bevölkerungsteil Basels war dies ein Affront. So sehr, dass es nun auch dem besonnenen Helmut Hubacher, dem Doyen der Basler Sozialdemokraten, «dr Nuggi uusegjaggt het», wie es auf Baseldeutsch heisst. In seiner samstäglichen Baz-Kolumne sprach er am 5. Mai der Zeitung zwar zunächst etwas Lob zu: Sie «plätschere» nicht mehr so dahin wie früher. «Nun tätschts und krachts. Das Blatt hat wieder Profil bekommen. Politisch zwar rechtslastig. Aber die andere Meinung bekommt durchwegs Platz. Die Zeitung liest sich spannend.»

«Und nun dies:… Zum erstenmal seit Jahrzehnten» habe die BaZ nicht über die 1. Mai-Feiern berichtet, stellte Hubacher konsterniert fest und sprach von einem Boykott durch die Baz-Lokalredaktion. Hubacher gestand zwar ein, dass die Baz an der 1. Mai-Feier in Basel öffentlich stark kritisiert worden war – auch letztes Jahr schon. Dennoch las der ehemalige Chefredaktor der früheren Basler Arbeiterzeitung dem aktuellen Baz-Chefredaktor die Leviten: «Der 1. Mai ist noch immer Basels grösste politische Veranstaltung. Die Öffentlichkeit gehört darüber informiert.» Es wäre fatal, wenn aus der Baz ein Kampfblatt würde. Auch sei es «völlig unnötig, die Gewerkschaften als Veranstalter und als Sozialpartner der Wirtschaft zu brüskieren. Der 1. Mai ist ihr Tag der Arbeit. … Es geht nicht um Rotkäppchen und den Wolf. Es geht um den Respekt vor Andersdenkenden. Auch um die Würde der Zeitung.»

Wanner will bei den Linken punkten
Und mitten in diese aufgeheizte Stimmung verteilte die AZ Medien also ihre samstägliche «Basler Zeitungsalternative». Als solche könnte sie nun bei der Basler Linken tatsächlich etwas punkten, denn sie hatte ganz anders über die 1. Mai-Feiern berichtet: Die BZ Basel hatte dem Tag der Arbeit schon auf der Frontseite viel Platz eingeräumt, ebenso im Regionalteil, und auch der Demo in Rheinfelden hatte sie einen halbseitigen Artikel gewidmet.

Das zeigt einmal mehr: Wenn sich die Baz eine Blösse gibt, wird diese vom Aargauer Verlag sofort schamlos, aber gekonnt ausgenützt. Dumm nur, dass die Baz und ihr Chefredaktor Markus Somm sich viele Blössen geben – derzeit gar im Wochentakt.

Markus Knöpfli

 

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