Like: Ein Börsengang für die Innovation
Von Manuel P. Nappo, Leiter Fachstelle Social Media Management HWZ.
Facebook macht einen Drittel seiner Mitarbeitenden zu Millionären. Was folgt danach? Das Beispiel von Google, wo der Gang an die Börse 2004 gemacht wurde, zeigt, dass die Angestellten sehr unterschiedlich reagieren. Die einen bleiben trotz plötzlichem Reichtum dem Unternehmen treu, andere kündigen und geniessen den Luxus vom Nichtstun, und einige verlassen das Unternehmen, bleiben aber der Branche treu. Im Silicon Valley spricht man schon fast von einer Tradition, welche aus den Zeiten, als Netscape und PayPal seine Mitarbeiter zu Millionären machte, stammt. Wer im Silicon Valley reich wird, der investiert das Geld auch wieder dort. Sei es mit eigenen Start-ups oder als «angel investor ». So gründeten ehemalige Google-Mitarbeitende zahlreiche Start-ups wie zum Beispiel Howcast oder FriendFeed. Letzterer wurde mittlerweile von Google aufgekauft. Dasselbe gilt auch für einige andere Entwicklungen, die von ehemaligen Ingenieuren stammen und mittlerweile wieder eingekauft wurden. Wer den Millionengewinn richtig gut anlegte, war Evan Williams. Er kündigte bei Google und gründete Twitter.
Es ist zu vermuten, dass nach dem Börsengang von Facebook eine ähnliche Entwicklung zu beobachten sein wird. Bei den grossen Gewinnern kann man auf jeden Fall sicher sein, dass sie das Geld wieder in andere Unternehmen und Start-ups investieren werden. Beispielsweise Jim Breyer. Er ist unter anderem Investor bei Etsy und Brightcove. Dustin Moskovitz hat bereits 2008 Asana gegründet und war einer der grössten Investoren von Path, dem 150-Freunde-Netzwerk. Peter Thiel, PayPal-Gründer, investiert seit Jahren im Silicon Valley in vielversprechende Unternehmen und unterstützt mit seinem Fellowship junge Studierende bei der Entwicklung von neuen Business-Ideen. Auch der Russe Yuri Milner investiert in verschiedene Tech-Unternehmen. Twitter, Spotify und Groupon sind nur einige davon. Mike Schroepfer hatte vor der Zeit bei Facebook bereits ein Start-up, das von Sun Microsystems aufgekauft wurde, sowie den Lead bei der Entwicklung von Firefox. Das kreative Potenzial und die finanziellen Mittel, welche bei den rund 1000 Mitarbeitenden frei werden, sind eine grosse Chance, um die Innovationskraft in der Branche weiter anzukurbeln.
Nicht nur Facebook-Mitarbeitende werden profitieren können. Durch die voraussichtliche Abwanderung von Fachkräften bei Facebook erhalten kleine Start-ups wie auch talentierte Einzelpersonen die Chance auf eine Anstellung. Bei vielen Kündigungen – was zu erwarten ist – benötigt Facebook schnell qualifizierten Ersatz. Dies kann ebenso für Facebook eine grosse Chance sein, innovative Technologien und Entwicklungen zu entdecken und neue Ingenieure an Bord zu holen. Gerade nach dem Börsengang muss sich Facebook bemühen, weiterhin der Konkurrenz voraus zu sein, um Marktleader zu bleiben.
Der Börsengang wird möglicherweise der grösste der Web-Geschichte sein. Trotzdem dürften wir auf die Zeit danach noch gespannter sein. Viele neue Produkte und Ideen werden unser digitales Leben bereichern und die Daseinsberechtigung des Web 2.0 weiter stärken.
