ONZ stellt Betrieb ein
Die ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung erscheint am Freitag, 2. März 2012, zum letzten Mal als gedruckte Ausgabe, danach werden auch die Online-Kanäle abgeschaltet.
Der Verwaltungsrat der ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung AG hat entschieden, das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen zu schliessen und eine geordnete Liquidation einzuleiten, wie es in einer Mitteilung vom Donnerstag heisst. Den 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der ONZ wurde auf Ende Februar gekündigt, wobei sämtliche vertraglichen Verpflichtungen erfüllt werden. Die Mitarbeiter wurden am Mittwochmorgen vom Verwaltungsrat über diesen Entscheid in Kenntnis gesetzt, nachdem sie in den Wochen zuvor bereits über den wirtschaftlichen Stand des Unternehmens informiert worden waren.
Der Schliessungsschritt sei notwendig geworden, weil die kommerzielle Entwicklung der Zeitung mehr Zeit benötigt habe als ursprünglich angenommen, heisst es weiter. Zwar seien die Ausgaben stets im Rahmen des Budgets geblieben, weil aber die Werbeeinnahmen und die Einnahmen aus den Abonnements deutlich unter den Erwartungen gelegen seien, stehe die ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung AG vor der Überschuldung. Um alle Verpflichtungen erfüllen zu können, habe der Verwaltungsrat deshalb die geordnete Liquidation der ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung AG beschlossen. Diese Liquidation ermögliche das Einhalten der Verpflichtungen gegenüber den Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Kunden. So hätten auch die Abonnentinnen und Abonnenten der ONZ die Möglichkeit, eine Rückzahlung für nicht vollständig erbrachte Leistungen anzufordern.
Trotz zahlreicher Massnahmen keine Trendumkehr
Die letzte gedruckte Ausgabe der ONZ erscheint am Freitag, 2. März 2012, danach werden auch die Online-Kanäle abgeschaltet. Mehr als 400 Aktionärinnen und Aktionäre der ONZ hatten Anfang 2010 innerhalb weniger Wochen Aktien im Wert von 3 Millionen Franken gekauft und den Start der ONZ überhaupt erst ermöglicht. Durch die Liquidation des Unternehmens gehen sämtliche geleisteten Einlagen verloren. Dass das Aktienkapital nach zwei Jahren aufgebraucht sein wird, wurde bereits im Zeichnungsprospekt 2010 festgehalten. Die ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung AG wird kurzfristig eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen, an welcher der Verwaltungsrat die Auflösung und Liquidation der Gesellschaft beantragen wird.
Da sich auf der Einnahmeseite eine Trendumkehr zum Positiven trotz zahlreicher Massnahmen in den Bereichen Marketing, Preissetzung, Werbung und Personal nicht abgezeichnet habe, halte es der Verwaltungsrat nicht mehr für zielführend, weiterhin in die ONZ zu investieren, so das Unternehmen. Der Verwaltungsrat bedaure es ausserordentlich, dass es nicht möglich gewesen sei, die ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung langfristig als publizistische Stimme zu etablieren und mit dem Unternehmen für seine Aktionäre Gewinne zu erzielen.
Publizistisch ein Erfolg, wirtschaftliche Ziele nicht erreicht
Publizistisch sei die Zeitung ein Erfolg gewesen, heisst es weiter. In den bald zwei Jahren ihres Bestehens habe sich die ONZ zu einer vielbeachteten Stimme entwickelt, die in Obwalden und Nidwalden aber auch darüber hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht habe. Die Zeitung habe mehr als 3‘000 Abonnenten gezählt, welche die Berichterstattung zweimal in der Woche in der gedruckten Ausgabe mitverfolgt hätten. Zusätzlich habe die ONZ jeden Monat mehr als 30‘000 Online-Nutzerinnen und -Nutzer erreicht, die sich auf den verschiedenen Kanälen über das Geschehen in den beiden Urkantonen informiert hätten.
Wirtschaftlich habe die ONZ ihre Ziele von Anfang an nicht erreichen können. Gemäss dem Businessplan sei es das Ziel gewesen, im ersten Geschäftsjahr rund 4‘000 Abonnenten zu gewinnen und diese Zahl bis ins dritte Geschäftsjahr auf 8‘000 zu steigern. Doch die Zahl der Abonnenten habe sich bei 3‘000 eingependelt. Im Inseratebereich seien die Einnahmen stets rund ein Drittel unter den Erwartungen gelegen. Als Vergleichsgrösse seien die Zahlen der nach dem gleichen Konzept erscheinenden Jungfrau Zeitung im Berner Oberland hinzugezogen worden.
Die Werbekunden hätten sich von Beginn weg nur sehr zögerlich bei der ONZ engagiert, das sehr aktive Verkaufsteam sei betreffend Inserateschaltungen immer wieder auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet worden. Offensichtlich sei es der ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung nicht gelungen, genügend Vertrauen im Markt aufzubauen, um die Werbeeinnahmen namhaft steigern zu können. Dies obwohl die Qualität des Produktes auch von potenziellen Inserenten nie in Zweifel gezogen worden sei. Ausserdem habe die Konkurrenz auch im kommerziellen Bereich gut und schnell reagiert, was die Etablierung der ONZ im Markt zusätzlich erschwert habe.
