Zu guter Letzt: Nipplegate für eine bessere Welt

Facebook ist bekanntlich ein amerikanisches Unternehmen und deshalb stets im Auftrag der guten Sitten unterwegs. Der Anblick einer weiblichen Brust beispielsweise geht da bereits eindeutig zu weit. Ein sogenanntes Nipplegate soll helfen.

Nun sind den Sittenwächtern beziehungsweise dem Nippelgate aber nicht nur Möchtegern-Amateur-Pornostars, auf einen lukrativen Nebenjob hoffende Hausfrauen, betrunkene It-Girls auf Bartheken und freizügige Oben-Ohne-Schönheiten am Strand von Hawaii ein Dorn im Auge. Nein, auch Mütter, die der natürlichsten, sexlosesten, unobszönsten und urtümlichsten aller Tätigkeiten – dem Stillen – nachgehen, müssen damit rechnen, von Facebook verbannt zu werden. Wenn sie denn Fotos von sich und ihrem Baby bei ebendieser Tätigkeit veröffentlichen.

Das passt natürlich überhaupt nicht allen. Die Website Tera.ca beispielsweise sammelt Hinweise auf gelöschte Fotos, die Mütter beim Stillen ihres Babys zeigen – inzwischen kamen so fast 400 Fälle zusammen. Unter dem Namen «Hey Facebook, Stillen ist nicht obszön!» hat sich gar eine eigene Facebook-Gruppe gebildet. Sie hat bereits über 3‘700 Mitglieder. In Australien forderte ausserdem die Frauenministerin der Provinz South Australia Facebook auf, die Darstellung von stillenden Müttern nicht mehr zu unterbinden. Sie kündigte an, sich in dieser Angelegenheit mit einem Brief direkt an Mark Zuckerberg zu wenden. In mehreren europäischen Städten sind zudem Protestaktionen geplant. Recht haben die Protestierenden. Nieder mit der Verteufelung des Stillens. Und am besten auch gleich nieder mit dem Nipplegate. Es sei denn, Facebook führt ein Dickgate ein. Wenn die Frauen nicht dürfen, sollen die Männer auch nicht dürfen. Wir leben schliesslich im Zeitalter der Gleichberechtigung.
 

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