Zu guter Letzt: Mexikos Drogenkartell Zetas hat Chatrooms im Visier
Das mexikanische Drogenkartell Zetas ist für seine Brutalität bekannt. Nun gehen diese offenbar als eine der ersten Gruppen des organisierten Verbrechens gezielt gegen Internet-Nutzer vor, um die Berichterstattung dort abzuwürgen.
In den vergangenen Tage wurden drei Nutzer des Chatrooms «Nuevo Laredo en Vivo» tot aufgefunden. Ein viertes mutmassliches Opfer wurde am Mittwoch enthauptet entdeckt. Da in den Chatrooms alle Besucher unter Pseudonymen posten, konnten Nutzer des Chatrooms die Identität der Leichen jedoch nicht bestätigen, wie die SDA am Freitag schreibt. Die Nutzer sind jedoch, trotz solcher Vorsichtsmassnahmen, leicht verwundbar. Denn die Zetas können sie aufgrund von Spuren ausfindig machen, die sie hinterlassen. Dies sei nun nicht mehr nur eine Konfrontation mit der Regierung, sondern ein Frontalangriff auf die Öffentlichkeit, so Jorge Chabat, ein Experte für Sicherheit und Drogenhandel am Zentrum für Wirtschaftsstudien in Mexiko City gemäss SDA.
Traditionelle Zeitungen sind von Mexikos Drogenkartellen schon häufig angegriffen worden. So etwa, indem sie Sprengsätze in ihre Büros warfen und Reporter bedrohten, entführten oder töteten. Diese Gewalt gegen Journalisten im Bundesstaat Tamaupilas, in dem Nuevo Laredo liegt, veranlasste die lokalen Medien zur Selbstzensur. Auf diese Weise werden die Bürger mit ihrem Wunsch, Fakten von Gerüchten zu unterscheiden, in sozialen Netzwerken allein gelassen. In dem Chatroom sind Kommentare über die Umtriebe der Zetas und anderer Kartelle in der Stadt Nuevo Laredo an der Grenze zu Texas möglich. Um an Informationen zu kommen, müssen die Bewohner auf solche Chatrooms zurückgreifen: Wo Schüsse zu hören sind, wo Autos mit vermeintlichen Beobachtern der Drogenkartelle gesehen wurden und welche Strasse sicher befahren werden können.
Nun haben die Kartelle offensichtlich gelernt, dass solche Internetseiten eine viel höhere Leserzahl haben, als die kleinen Lokalmedien. Man beobachte ein neues Verhalten der kriminellen Kräfte im Land, sagte Erick Fernandez, Professor für Kommunikation an der Iberoamerikanischen Universität in Mexiko City gemäss SDA. Es sehe so aus, als ob das organisierte Verbrechen normale Bürger daran hindern wolle, Berichte über Gewalt in Echtzeit zu verbreiten, sagte Romero. «Die Einschüchterungen haben einen Multiplikationseffekt». Doch einige der Internet-Nutzer weigerten sich trotz der Enthauptungen und Warnungen der Zetas, klein beizugeben. «Anon5182» schrieb in dem Chatroom: «Ich bin bereit, mein Leben zu opfern, wenn die Soldaten meine Informationen hüten… und wenn das Risiko zu etwas gut ist»
Leider bleiben die Internetz-Nutzer trotz gestiegenem Sicherheitsbewusstseins und Warnungen, keine persönlicher Informationen preiszugeben, höchst verwundbar. Dies sagt Matt Harrigan, der Chef einer Sicherheitsfirma mit Sitz in San Diego gemäss SDA. Denn der Informationspfad über Cookies, Server-Adressen, Login- und Kontoinformationen sei leicht sichtbar zu machen. Daher sei es für die Zetas mit ihrem vielen Geld aus dem Drogenhandel leicht, die Spur von Chatteilnehmern zu verfolgen.
