Abhörskandal: Ermittlungen weiten sich auf Zeitungen anderer Verlage aus

Die Ermittlungen zum Abhörskandal um die britische Boulevardzeitung News of the World weiten sich nun über Murdoch-Medien aus.

Die Polizei habe bereits vor einiger Zeit einen Bericht über Untersuchungen zur Verwendung privater Ermittler durch britische Zeitungen aus dem Jahr 2006 angefordert, erklärte das Büro des britischen Datenschutzbeauftragten am Donnerstag. Demnach führte die Tageszeitung Daily Mail mit 952 Anfragen an Privatdetektive die Liste an, die News of the World lag mit 228 Anfragen auf dem fünften Platz. Die entsprechende Untersuchung wurde der Polizei den Angaben
zufolge vor drei Monaten übergeben.

Der liberale Vize-Premierminister Nick Clegg forderte unterdessen, den Skandal um die inzwischen eingestellte News of the World zu nutzen, um die «zwielichtigen Beziehungen» zwischen Politik und Medien aufzuklären. «Dies ist eine in dieser Generation einmalige Chance, die trüben Praktiken und die zwielichtigen Beziehungen richtig aufzuklären, die im Herzen des britischen Systems zwischen Presse, Politik und Polizei Wurzeln geschlagen haben», sagte Clegg am Donnerstag in London.

Clegg verteidigt Cameron

Zugleich verteidigte Clegg seinen Koalitionspartner und Regierungschef David Cameron: Dieser habe «kategorisch» versichert, dass es keine «unangemessenen Diskussionen» zum Übernahmeangebot des Bezahlsenders BSkyB durch Murdoch gegeben habe.

Cameron hatte am Mittwoch im Unterhaus Stellung genommen zu den Vorwürfen, wonach er nicht die notwendige Distanz zu Murdoch gewahrt habe. Insbesondere wird ihm vorgehalten, den früheren Chefredaktor der News of the World, Andy Coulson, als Pressesprecher beschäftigt zu haben, obwohl dieser im Verdacht stand, die Abhöraktion in Auftrag gegeben zu haben. Am Dienstag mussten Murdoch und sein Sohn James vor einem britischen Parlamentsausschuss Rede und Antwort stehen. Der 80-jährige Rupert Murdoch bestritt dabei eine eigene Verantwortung.

Australien verschärft Gesetze

Nach dem Abhörskandal in Grossbritannien verschärft Australien, das Heimatland von Rupert Murdoch, seine Gesetzgebung zum Schutz der Privatsphäre. Der Skandal um das Murdoch-Blatt News of the World mache ein Handeln erforderlich. Bisher gebe es in Australien kein allgemeines Gesetz, das die Privatsphäre schütze, erklärte Innenminister Brendan O'Connor am Donnerstag. Dies bedeute, dass niemand rechtlich abgesichert sei, der gegen eine Verletzung seiner Privatsphäre klagen wolle. Künftig solle es möglich sein, Medien in solchen Fällen vor Gericht zur Rechenschaft zu ziehen. Die Regierung glaube sowohl an den Grundsatz der Meinungsfreiheit als auch an das Recht auf Privatsphäre. Die technischen Errungenschaften der modernen Welt ermöglichten neue Kommunikationswege, stellten aber auch den Schutz der Privatsphäre vor neue Herausforderungen. Die Linksregierung, der O'Connor angehört, liegt derzeit mit einigen Publikationen des Murdoch Konzerns im Clinch. (SDA)

 

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