Zu guter Letzt: «Gutes Gefühl» zu gewinnen
Die reformierte Kirche hat sich etwas Besonderes einfallen lassen, um distanzierte Mitglieder von einem Austritt abzuhalten: Glückslose zum Rubbeln.
Distanzierte Mitglieder sind Leute, die zwar Kirchensteuern bezahlen, aber nie in die Kirche gehen – gemäss Schätzungen der Aargauer Kirche, der treibenden Kraft hinter der Aktion, rund 50 Prozent der Mitglieder. Dass diese am Sonntag nicht dem Gottesdienst beiwohnen, ist zwar ein Ärgernis. Noch schlimmer wäre es aber natürlich, wenn sie finanziell keinen Beitrag mehr leisten würden. Mit der Glücksspielkampagne will man deshalb zeigen, was mit den Kirchensteuern Sinnvolles gemacht wird. Ab dem 26. August sollen Reformierte –1,3 Millionen sind das Ziel – zwei Wochen lang rubbeln. Zu gewinnen gibt es «ein gutes Gefühl». Wer einen Treffer hat, wählt ein kirchliches Projekt aus, das damit einen Geldbetrag erhält.
Ob die Kampagne ein Erfolg wird, ist derzeit schwer abzuschätzen. Es hängt nicht nur von der Spielfreudigkeit der distanzierten Mitglieder ab. Öffentlichkeitskampagnen der Reformierten lösen bei ihren Mitgliedern sowieso in der Regel gemischte Gefühle aus (NZZ am Sonntag). Hinzu kommt der Kantönligeist: Jede Kantonalkirche darf für sich entscheiden, ob sie mitmachen will oder nicht. Das heisst: Während beispielsweise Aargauer, Berner, Jurassier, Solothurner und Zürcher rubbeln dürfen, bleibt den Baslern die Chance auf den Gewinn des guten Gefühls verwehrt. Das sorgt doch für böses Blut!
