Der Motz von Butz: Da haben wir den Kopfsalat
Wenn sich Konkurrenten wie zum Beispiel die politischen Parteien profilieren und die Wahl gewinnen wollen, dann müsste ihnen schon was Profilierteres und Eigenständigeres einfallen als das, was man da auf den Plakaten und Inseraten zu sehen bekommen hat. Ein unkreativer, unkommunikativer Einheitsbrei.
Worum es geht. – Wie kann sich die Partei von Hans Hollenstein vorstellen, dass sie mit diesem Passfoto von Herrn Hollenstein die Mehrheit der Wähler überzeugt und er problemlos wiedergewählt wird. Aber nicht nur er ist dieser Einfallslosigkeit verfallen. Alle Parteien ha¬ben ein Passföteli von ihren Kandidaten und leere Schlagwörter verwendet wie «Mehr Freiheit», «Bewährt und engagiert» oder (SVP) «Kompetent engagiert, durchsetzungsfähig» und (BDP) «Engagiert, kompetent, zielstrebig».
Meine These: Ich gehe davon aus, dass 80% der Werbebotschaften nicht dem Absender zugeordnet und womöglich schon gar nicht beachtet werden. Das Ganze ist eine erfolglose Geldverschwendung, von der die Plakatgesellschaften und Verlage sicher gerne profitieren.
Herr Hollenstein hat sich am Montag nach den Wahlen gewundert, dass seine Werbung nicht genügend aufgefallen respektive untergegangen ist. Kein Wunder, alter Mann mit Schnurrbart und Worthülse bringt sicher nichts. Wenn er wenigstens wie Reagan oder Schwarzenegger aussehen würde, hätte ich auch auf die Strategie «Porträt» gesetzt. Die zug¬kräftige Werbestrategie war diejenige der Hollenstein-Mitarbeiter nach der verlorenen Wahl mittels Radiointerviews. Was die über ihren Chef so alles Lobenswerte ausgesprochen haben, hätte eine perfekte Wahlkampagne ergeben. Aber jetzt ist es zu spät.
Ich rede hier nicht nur als Motzer, ich habe auch schon mal für einen Politiker Ideen erfunden. Als einfachste Lösung habe ich ihm vorgeschlagen, seine politischen Ziele «Dinge auf den Kopf zu stellen» in die Tat umzusetzen und wenigstens die Plakate, die schon gedruckt waren, auf dem Kopf aufhängen zu lassen mit Zusatzkleber.
Auch seinen Schnurrbart wegzurasieren, um die grossen Veränderungen, die er erreichen will, zu demonstrieren, hat er schliesslich auch nicht realisiert. Es braucht eben Mut. Gesäusel hat in der Werbung keinen Platz.
Auch die Werbung für unsere geliebten Autos ist ein Einheitsbrei mit Ausnahmen. Das Gleiche gilt für Mode-Werbung von Coop, C&A, Vögele, Manor usw. Denkt man das Logo weg, passiert das Gleiche wie bei der politischen Werbung, ein Einheitsbrei. H&M sowie Tally Weijl sind da etwas anders.
Ich wundere mich eigentlich nicht, dass die Werbung immer leiser und gleicher wird. Habe ich doch letztlich fünf alte, jüngere Werbekollegen auf der Strasse angetroffen. Alle von oben bis unten kohlrabenschwarz gekleidet nach dem Motto der Werbung «Nur nicht auffallen». Mein roter und grüner Schuh hat hoffentlich bei den Genannten einen positiven Werbeeffekt hinterlassen.
Der Aufsteller war diesmal für mich der Apéro prolongé zum Geburtstag von Irene Hiltpold, wo ich alle alten, bunten Vögel aus Design, Film, Fotografie, Grafik, Musik und Kunst wieder getroffen habe.
Theophil Butz, einst Starwerber (Zitat Ringier), heute Inspirator und ab jetzt auch noch Motzer. «Nicht eine einfache, aber eine notwendige Rolle, die ich hier alle 14 Tage wahrnehme.» Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].

