Aufgespiesst: Weihnachtsfeiern, wie sie fallen
Werbewoche-Redaktorin Anne-Friederike Heinrich über die Weihnachtsrede als Chef-Strategie.
Mal wieder steuern wir in voller Fahrt auf die geweihteste Nacht des Jahres zu. Doch bevor wir beim Fest der Liebe und Besinnung ankommen, müssen wir noch einiges Leid durchstehen. Nein, ich rede nicht von Jahresabschlüssen, Lebkuchenschlachten, verkaufsoffenen Sonntagen sowie der krampfhaften Suche nach Geschenken für den Kollegen, der schon alles hat, und die ungeliebte Schwiegermama schon wieder ein Sockengutschein geht ja auch nicht.
Ich rede von Weihnachtsfeiern, und zwar am laufenden Meter: im Sportverein, im Kindergarten, im Chor, bei der Nachbarin, mit den Stammkunden, beim Ex-Tennisclub und dann auch noch im Geschäft. Mit der richtigen Dosis Glühwein liesse sich das alles einigermassen unverwundet überstehen wenn der Chef nicht seine alljährliche Weihnachtsrede halten müsste. Frei nach dem Motto «alles schläft und einer spricht: Den Zustand nennt man weihnachtlich».
An Apple a Day
Die Tücke an Weihnachtsreden ist: Hört man hin, dauert es nicht allzu lange, bis der Kerzenschein vor den glasigen Augen verschwimmt und das Sandmännchen einen zart in sein süsses Reich lockt selbst wenn man versucht, einen gebannten Gesichtsausdruck aufzusetzen und so die Durchblutung des Stirnlappens sicherzustellen. Schaltet man ab, ergötzt sich an Wein und Häppchen und rundet das Menü mit einem gediegenen Powernap ab, fragt garantiert am nächsten Tag Kollege Hürlimann: «Hast du gehört, was der Chef gestern gesagt hat?» Völlig unmöglich, einzugestehen, dass man gepennt hat. Und nun furchtbar neugierig ist, in welcher Hinsicht die Äusserungen des Chefs von Bedeutung gewesen sein könnten. In einen der beiden sauren Äpfel muss man also beissen: angestrengt wachbleiben oder Informationen verpassen, die der Chef ohnehin nur dann liefert, wenn man einpennt.
Weihnachtsreden sind auch deshalb nervtötend, weil immer die Kollegen am lautesten über die Aperçus des Chefs lachen, die man nicht kennt oder nicht kennen will. Oder diejenigen, die man mit Leidenschaft nicht leiden mag. Der Redner quittiert deren Lachsalven mit einem wohlwollenden Lächeln, dankbar für die Bestätigung, und alles ist wahnsinnig harmonisch und weihnachtlich. Nur man selbst sitzt da und fragt sich: Was mache ich hier und was mache ich falsch? Bin ich humorlos, weil mich die erzwungenen Ultraflachwitze des Altvorderen nicht heiter stimmen? Bin ich zu blöd, die Spässe zu verstehen? Oder bin ich einfach total frustriert und somit das fleischgewordene Gegengewicht zur ausgelassenen Heiterkeit, die doch die Vorweihnachtszeit prägen sollte?
Einen Ausweg aus dieser Misere gibt es kaum. Es sei denn, man übernimmt das Redenhalten selbst. Das hat mehrere Vorteile: Wer redet, garantiert, dass er einen tollen Vortrag hört, denn bekanntlich hören sich Redner gerne selbst. Wer redet, schläft nicht ein. Wer redet, braucht Mut, also wird ein Jeder verzeihen, dass man die dreifache Portion Glühwein konsumieren muss. Und schliesslich sichert sich, wer eine Rede hält, die Dankbarkeit des Chefs, der seine Gedanken nun nicht vor der versammelten Mannschaft preisgeben muss. Selbst eine Rede zu halten, wäre also eine perfekte, darwingeprüfte Weihnachtsfeierüberlebensstrategie. Dämmert Ihnen nun langsam, warum Ihr Chef an der Weihnachtsfeier immer eine Rede hält?
Ich rede von Weihnachtsfeiern, und zwar am laufenden Meter: im Sportverein, im Kindergarten, im Chor, bei der Nachbarin, mit den Stammkunden, beim Ex-Tennisclub und dann auch noch im Geschäft. Mit der richtigen Dosis Glühwein liesse sich das alles einigermassen unverwundet überstehen wenn der Chef nicht seine alljährliche Weihnachtsrede halten müsste. Frei nach dem Motto «alles schläft und einer spricht: Den Zustand nennt man weihnachtlich».
An Apple a Day
Die Tücke an Weihnachtsreden ist: Hört man hin, dauert es nicht allzu lange, bis der Kerzenschein vor den glasigen Augen verschwimmt und das Sandmännchen einen zart in sein süsses Reich lockt selbst wenn man versucht, einen gebannten Gesichtsausdruck aufzusetzen und so die Durchblutung des Stirnlappens sicherzustellen. Schaltet man ab, ergötzt sich an Wein und Häppchen und rundet das Menü mit einem gediegenen Powernap ab, fragt garantiert am nächsten Tag Kollege Hürlimann: «Hast du gehört, was der Chef gestern gesagt hat?» Völlig unmöglich, einzugestehen, dass man gepennt hat. Und nun furchtbar neugierig ist, in welcher Hinsicht die Äusserungen des Chefs von Bedeutung gewesen sein könnten. In einen der beiden sauren Äpfel muss man also beissen: angestrengt wachbleiben oder Informationen verpassen, die der Chef ohnehin nur dann liefert, wenn man einpennt.
Weihnachtsreden sind auch deshalb nervtötend, weil immer die Kollegen am lautesten über die Aperçus des Chefs lachen, die man nicht kennt oder nicht kennen will. Oder diejenigen, die man mit Leidenschaft nicht leiden mag. Der Redner quittiert deren Lachsalven mit einem wohlwollenden Lächeln, dankbar für die Bestätigung, und alles ist wahnsinnig harmonisch und weihnachtlich. Nur man selbst sitzt da und fragt sich: Was mache ich hier und was mache ich falsch? Bin ich humorlos, weil mich die erzwungenen Ultraflachwitze des Altvorderen nicht heiter stimmen? Bin ich zu blöd, die Spässe zu verstehen? Oder bin ich einfach total frustriert und somit das fleischgewordene Gegengewicht zur ausgelassenen Heiterkeit, die doch die Vorweihnachtszeit prägen sollte?
Einen Ausweg aus dieser Misere gibt es kaum. Es sei denn, man übernimmt das Redenhalten selbst. Das hat mehrere Vorteile: Wer redet, garantiert, dass er einen tollen Vortrag hört, denn bekanntlich hören sich Redner gerne selbst. Wer redet, schläft nicht ein. Wer redet, braucht Mut, also wird ein Jeder verzeihen, dass man die dreifache Portion Glühwein konsumieren muss. Und schliesslich sichert sich, wer eine Rede hält, die Dankbarkeit des Chefs, der seine Gedanken nun nicht vor der versammelten Mannschaft preisgeben muss. Selbst eine Rede zu halten, wäre also eine perfekte, darwingeprüfte Weihnachtsfeierüberlebensstrategie. Dämmert Ihnen nun langsam, warum Ihr Chef an der Weihnachtsfeier immer eine Rede hält?
