Auf die alten Tage noch ein bisschen Journalismus!
Vom Alters-Hobby über Selbstverwirklichung bis hin zur Service-Orientierung reicht die Palette der neuen Schweizer Online-Magazine. Ein tragfähiges Geschäftsmodell findet sich bei keinem. Gastkommentar von Hans Stutz, freier Journalist.
Dass es bereits ein Trend ist, dies wollen wir noch nicht behaupten! Aber bemerkenswert ist es schon: Innert kurzer Zeit sind in der Deutschschweiz drei Online-Magazine ins Netz gegangen: Journal 21, Clack und als letztes Neuland. Alle werden sie betrieben von (ehemals lohnabhängigen) Medienschaffenden, viele von ihnen bekannte Journalistinnen und Journalisten, von Heiner Hug und Claudia Kühner, über Ralph Pöhner bis zu Anita Hugi und Judith Stofer. Einige wenige Werbebanner deuten geringe Einnahmen an. Alle agieren ausserhalb der von Ämtern, Parteien, Organisationen und Unternehmen diktierten Medienagenda. Soweit erfreulich. Nur: Immer ist der Qualitätsjournalismus gratis, nur Neuland ansonsten werbefrei bietet die Möglichkeit eines «freiwilligen Abo-Beitrages». (Wer bezahlt, erhält Zugang zum Archiv. Was aber bis anhin noch nicht wichtig ist, da bis anhin nur eine Nummer erschienen ist.)
Ansonsten gehört die Gratis-Mentalität bei Neuland explizit zum Geschäftsmodell. Das Online-Magazin sei, so die erhellende Ankündigung, «eine Plattform für freie Medienschaffende, die in den angestammten Medien für ihre Arbeit keine Abnehmer mehr finden. Oder bloss noch Abnehmer, die für gute Arbeit kein Geld mehr zahlen». Mit Verlaub: Eine überraschende Argumentation weil die Redaktionen kaum noch Aufträge vergeben und kaum noch Honorare bezahlen, machen die gebeutelten Medienschaffenden ihre Qualitätsarbeit gleich gratis zugänglich? Mit Verlaub, solche Angebote beschleunigen den ökonomischen Wertzerfall für jour¬na¬lis-tische Arbeiten.
Ähnlich das Geschäftsmodell von Journal 21, ein Nostalgieprodukt von Journalisten und Journalis¬tinnen, die ihre beruflichen Wurzeln in vor-elektronischen Medienzeiten hatten. Das Journal verbreitet klassischen Polit-Journalismus mit ausgiebiger Auslandsberichterstattung: viele Texte, lange Texte, kaum Bilder, die Rubriken heissen Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft. Kaum selbstrecherchierte Neuigkeiten, aber viel aktueller Hintergrund. Der Anspruch: «Wir werden überflutet mit News und Kurznachrichten. Doch um die News zu verstehen, braucht es vertiefte Analysen, Kommentare und Hintergrundberichte.» Nur: Die Texte erwecken den Anschein, als trauerten die SchreiberInnen alten Print-Titeln nach. Oder anders ausgedrückt: Journal 21 bringt das Comeback der Bleiwüste im Internet. Anregend ist die Lektüre trotzdem. Es sind Elderly Journalists, sie gönnen sich auf ihre alten Tage weiterhin ein bisschen Journalismus. Journalismus als Altershobby, gestützt auf die Einkünfte von AHV und Pensionskasse. Auch dies kein Geschäftsmodell für einen Journalismus, der die gesellschaftliche und politische Diskussion in einer demokratischen Gesellschaft sicherstellen soll.
Internettauglicher das dritte Projekt, Clack, es berücksichtigt Themen zum (täglichen?) Geschlechternahkampf, charakteristisch ein Titel «Wenn das Ei springt, hüpfen auch die Hormone». Die Site hat eine auffällige Service-Orientierung, bis hin zu den Last-Minute-Rezepten. Ansonsten hat Clack die gesellschaftliche Relevanz einer Frauenzeitschrift, wird also einige Beachtung finden.
Fazit. Die drei Online-Portale betreiben Journalismus aus Verzweiflung, in der Hoffnung, dass für die Macherinnen und Macher irgendwann noch etwas Geld abfällt, beispielsweise durch Übernahme in einem Print-Produkt. Auch dies kein taugliches Geschäftsmodell: In Friedrich Dürrenmatts «Ein Engel kommt nach Babylon» sind es die Bettler, die den Dichtern den Lebensunterhalt sichern. Noch ist offen, wer im 21. Jahrhundert an die Stelle der Bettler tritt!
Für diejenigen, die sich selbst ein Bild machen wollen, hier die entsprechenden Links: www.journal21.ch; www.neuland-mag.net; www.clack.ch.
Ansonsten gehört die Gratis-Mentalität bei Neuland explizit zum Geschäftsmodell. Das Online-Magazin sei, so die erhellende Ankündigung, «eine Plattform für freie Medienschaffende, die in den angestammten Medien für ihre Arbeit keine Abnehmer mehr finden. Oder bloss noch Abnehmer, die für gute Arbeit kein Geld mehr zahlen». Mit Verlaub: Eine überraschende Argumentation weil die Redaktionen kaum noch Aufträge vergeben und kaum noch Honorare bezahlen, machen die gebeutelten Medienschaffenden ihre Qualitätsarbeit gleich gratis zugänglich? Mit Verlaub, solche Angebote beschleunigen den ökonomischen Wertzerfall für jour¬na¬lis-tische Arbeiten.
Ähnlich das Geschäftsmodell von Journal 21, ein Nostalgieprodukt von Journalisten und Journalis¬tinnen, die ihre beruflichen Wurzeln in vor-elektronischen Medienzeiten hatten. Das Journal verbreitet klassischen Polit-Journalismus mit ausgiebiger Auslandsberichterstattung: viele Texte, lange Texte, kaum Bilder, die Rubriken heissen Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft. Kaum selbstrecherchierte Neuigkeiten, aber viel aktueller Hintergrund. Der Anspruch: «Wir werden überflutet mit News und Kurznachrichten. Doch um die News zu verstehen, braucht es vertiefte Analysen, Kommentare und Hintergrundberichte.» Nur: Die Texte erwecken den Anschein, als trauerten die SchreiberInnen alten Print-Titeln nach. Oder anders ausgedrückt: Journal 21 bringt das Comeback der Bleiwüste im Internet. Anregend ist die Lektüre trotzdem. Es sind Elderly Journalists, sie gönnen sich auf ihre alten Tage weiterhin ein bisschen Journalismus. Journalismus als Altershobby, gestützt auf die Einkünfte von AHV und Pensionskasse. Auch dies kein Geschäftsmodell für einen Journalismus, der die gesellschaftliche und politische Diskussion in einer demokratischen Gesellschaft sicherstellen soll.
Internettauglicher das dritte Projekt, Clack, es berücksichtigt Themen zum (täglichen?) Geschlechternahkampf, charakteristisch ein Titel «Wenn das Ei springt, hüpfen auch die Hormone». Die Site hat eine auffällige Service-Orientierung, bis hin zu den Last-Minute-Rezepten. Ansonsten hat Clack die gesellschaftliche Relevanz einer Frauenzeitschrift, wird also einige Beachtung finden.
Fazit. Die drei Online-Portale betreiben Journalismus aus Verzweiflung, in der Hoffnung, dass für die Macherinnen und Macher irgendwann noch etwas Geld abfällt, beispielsweise durch Übernahme in einem Print-Produkt. Auch dies kein taugliches Geschäftsmodell: In Friedrich Dürrenmatts «Ein Engel kommt nach Babylon» sind es die Bettler, die den Dichtern den Lebensunterhalt sichern. Noch ist offen, wer im 21. Jahrhundert an die Stelle der Bettler tritt!
Für diejenigen, die sich selbst ein Bild machen wollen, hier die entsprechenden Links: www.journal21.ch; www.neuland-mag.net; www.clack.ch.
