«Wir wollen von der Schweiz aus paneuropäische Deals abschliessen»

Fru Hazlitt, European Sales Director bei Yahoo, zur Eröffnung des Schweizer Sales Office

Fru Hazlitt, European Sales Director bei Yahoo, zur Eröffnung des Schweizer Sales Office Yahoo gilt als einer der letzten Felsen in der stürmischen Brandung der New Economy. Der Internetriese betreibt eine europäische Expansionspolitik und bietet sich künftig in der Schweiz ohne den Umweg über Onlinevermarkter als Werbeträger an. Zur Eröffnung des eigenen Sales Office im Zürcher Seefeld gab European Sales Director Fru Hazlitt Auskunft über die Pläne von Yahoo. Welchen Stellenwert hat die Schweiz für Yahoo in Europa? Fru Hazlitt: Die Schweiz ist das erste Land ohne eigene Yahoo-Site, das ein Sales Office bekommt. In acht europäischen Ländern haben wir eigene Sites, und in zehn weiteren sind wir durch Onlinevermarkter vertreten. In der Schweiz hatten wir länger als in den meisten europäischen Ländern eine Vertretung durch Onlinevermarkter, und dies ist das erste Land, in das wir investieren und ein eigenes Office aufbauen. Warum ist die Schweiz so wichtig? Hazlitt: Es gibt vier Gründe: Erstens liegt der Anteil der Internetnutzer in der Schweiz bereits bei 34 Prozent, was sehr gut ist. Zweitens benutzen hier bereits viele User Yahoo. Drittens betrachten wir den lokalen Werbemarkt, ob er aktiv und qualitativ hoch stehend ist. Das trifft für die Schweiz zu. Viertens: Viele grosse Marken haben ihre Hauptsitze in der Schweiz. Wir wollen von hier aus grosse paneuropäische Deals abschliessen. Unternehmen wie Nestlé oder Credit Suisse sind als Kunden schwieriger für internationale Projekte zu gewinnen, wenn man nicht lokal präsent ist. Trotzdem ist die Schweiz eigentlich ein kleiner Markt. Hazlitt: Es ist ein kleiner Markt, aber die Schweizer haben… Geld! Yahoo ist in den meisten westeuropäischen Ländern präsent. Wie sieht die weitere Expansionsstrategie aus? Hazlitt: Osteuropa haben wir bereits ins Auge gefasst. Wir verhandeln mit Partnern, die uns dort vertreten sollen. Osteuropa ist ein komplett neuer Markt, und wir müssen ihn zuerst verstehen. Deshalb versuchen wir, Osteuropa vorerst über externe Verkaufsstellen zu erschliessen. Wird Europa als Markt wichtiger als die USA? Hazlitt: Definitiv. Die Amerikaner haben für das Internet fantastische Aufbauarbeit geleistet, und Europa liegt momentan noch zurück. Aber bis im Jahr 2003 wird es in Europa mehr User geben als in den USA. Bezüglich der Nutzung der Mobiltelefonie hingegen liegt Europa vorne, und das ist auch ein wichtiger Aspekt. Ich denke, in den nächsten zwei Jahren wird der Netzzugang via Handy grosse Bedeutung erlangen. Gibt es fundamentale Unterschiede zwischen dem amerikanischen und dem europäischen Markt? Hazlitt: E-Commerce hat in Amerika einen anderen Stellenwert. In den USA herrscht eine Kreditkartenkultur, die Leute sind sich gewohnt, Einkäufe per Telefon oder per Mailorder abzuwickeln. Die Europäer haben diesbezüglich mehr Vorbehalte. Die Amerikaner sind auch weniger skeptisch gegenüber der Sicherheit im E-Commerce. Sie sind es gewohnt, mit Kreditkarten per Telefon einzukaufen, ohne eine Unterschrift zu hinterlassen. Ist das Internet auch besser in die Werbebranche integriert? Hazlitt: In den USA ist das Internet inzwischen zu einem Teil des traditionellen Mediamix geworden. Die meisten traditionellen Werbeagenturen haben grosse Onlineabteilungen. In Europa wird das Internet grösstenteils immer noch den Spezialisten überlassen. Auch das wird sich ändern, wenn die Agenturen merken, dass sie mit dem Internet Geld verdienen können Hat Internetwerbung eine Zukunft? Hazlitt: Bei Yahoo werden rund 80 Prozent der Einnahmen durch Werbung generiert. Ich denke, dieser Anteil wird sehr hoch bleiben. Viele Leute sind skeptisch, ob Werbung auf dem Internet überhaupt funktioniert. Natürlich funktioniert sie, aber ich glaube, von Internetwerbung wird mehr erwartet als je von einem anderen Werbemedium. Der Vorteil von Internetwerbung liegt darin, dass man die Leute dazu bringen kann, aktiv etwas zu tun. Ob ein Plakat jemanden zu einer Kaufhandlung bewegt, weiss niemand. Ob aber jemand durch ein Banner eine Website aktiv nutzt, kann man kontrollieren. Das Internet hat als Werbemedium ein grosses Wachstumspotenzial. Sind es immer noch hauptsächlich Unternehmen aus der New Economy, die Werbung auf dem Internet schalten? Hazlitt: Das ändert sich, und ich bin froh darüber. Viele Old-Economy-Firmen denken unterdessen, dass sie mit Webwerbung präsent sein müssen, sind sich aber nicht im Klaren darüber, wie. Yahoo wird mittlerweile von traditionellen Unternehmen angefragt, wie man Werbung auf dem Internet konzipieren könnte. Das ist ein guter Anfang. Ist das Internet in seinem Potenzial als Werbemedium nicht auch limitiert? Banner zum Beispiel werden immer relativ klein bleiben. Hazlitt: Wer sagt, dass in zwei Jahren immer noch Banner dominieren werden? Ich glaube, dass die Werbemöglichkeiten auf dem Web wahrscheinlich erst zu zehn Prozent ausgeschöpft sind. Neue Technologien werden auch neue Werbeformen ermöglichen. Wie will sich Yahoo gegen die europäische Konkurrenz durchsetzen? Hazlitt: Wir haben einen etablierten und sehr bekannten Brand. Das Internet existiert seit knapp sechs Jahren, und wir waren von Anfang an dabei. Das verschafft uns enorme Vorteile. Wir haben die Erfahrung, das Know-how und vor allem ein grosses Publikum, das jeden Monat wächst. Zudem sind wir zwar ein amerikanisches Unternehmen, besetzen aber ausserhalb der USA die Schlüsselpositionen immer mit Einheimischen, die den lokalen Markt verstehen. Werden nur einige Global Player den Konkurrenzkampf überleben? Hazlitt: Ich wünschte, das wüsste ich. Aber es ist sehr wahrscheinlich. Und Yahoo hat vor, einer davon zu sein. Interview: Bruno Amstutz

More articles on the topic