«Ein Vertrauensverhältnis ist nicht mehr nötig»
René Schuhmacher will Saldo und K-Tipp als Powerduo positionieren
René Schuhmacher will Saldo und K-Tipp als Powerduo positionierenDie Entflechtung zwischen den drei Streithähnen Urs P. Gasche, Hans Räz und René Schuhmacher löst zwar eine jahrelange Blockade. Doch die Morgenluft verspricht noch keine sonnigen Aussichten. Auf Schuhmacher wartet eine heikle Aufgabe: Er hat mit Saldo und K-Tipp nicht nur zwei sehr erfolgreiche, sondern auch praktisch identisch positionierte Hefte, die er nun zu einem attraktiven Duo mit je eigenständigen Charakteren zusammen bringen muss (siehe auch Seite 20).Mit der Einigung zwischen Ihnen, Hans Räz und Urs P. Gasche ist das scheinbar Unmögliche Wirklichkeit geworden. Wenn man aber die tief greifenden Konflikte kennt, die der Trennung vorausgingen, scheint klar: Ein Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen und den beiden anderen ist kaum mehr denkbar.
René Schuhmacher: Wir haben nach einer Entflechtung gesucht und sie gefunden. Künftig ist jeder von uns zuständig für einen Bereich. Deshalb wird künftig auch jeder so arbeiten können, wie es ihm behagt. Ein Vertrauensverhältnis ist also gar nicht mehr notwendig.
Aber auch Räz und Gasche sind weiterhin zu je einem Drittel an der KI Konsumenteninfo AG beteiligt. Konfliktpotenzial ist also nach wie vor da.
Schuhmacher: Nein, denn ich habe neu 100 Prozent der Stimmen. Das ist Teil der Verträge, die wir jetzt miteinander abgeschlossen haben. Räz und Gasche haben bei der KI Konsumenteninfo AG nichts mehr zu sagen.
Puls-Tipp und Bon à Savoir sind aber Tochtergesellschaften der KI Konsumenteninfo AG.
Schuhmacher: Das waren sie. Räz und Gasche haben die beiden Firmen herausgelöst. Jetzt sind diese absolut selbstständig und unabhängig von der KI Konsumenteninfo. Bon à Savoir gehört Räz, der Puls-Tipp Gasche. Weil der K-Tipp der grösste Wert ist, haben die beiden dort zwar immer noch ihre Beteiligungen, aber sie haben keine Stimmrechte mehr. Ich kann daher künftig schalten und walten, wie ich will.
Jedoch ist auch die neue Situation nicht ganz einfach: Sie haben mit Saldo und K-Tipp zwei praktisch identisch positionierte Hefte. Das macht doch keinen Sinn.
Schuhmacher: Im Moment sind beide Hefte noch sehr nahe beieinander, das ist richtig. Wenn man aber eine klare Positionierung für jeden der beiden Titel schafft, wird es ein Publikum für beide geben, davon bin ich überzeugt. Das zeigen uns auch die Erfahrungen in der Romandie und im Tessin. Als dort in den vergangenen Jahren neue Konsumentenzeitschriften kamen, gruben diese den alten in keiner Art und Weise das Wasser ab. Zum Beispiel sank im Welschland die Auflage von J’achète mieux nicht, nachdem 1997 Bon à Savoir gestartet war. Notabene verlor auch der Beobachter nichts, als Saldo im Februar 1999 auf den Markt kam. Für Konsumententhemen besteht ein enormes Interesse.
Können Sie das Rezept, wie die beiden Titel von einander weg positioniert werden könnten, etwas erläutern?
Schuhmacher: Ich möchte jetzt nicht den Eindruck vermitteln, es liege bereits ein fertiges Konzept auf dem Tisch. Dieses werden wir in den kommenden Wochen zusammen mit den Redaktionen diskutieren und erarbeiten. Nur so viel: Wir wollen künftig mehr Konsumenteninformation bringen und Doppelspurigkeiten in beiden Heften vermeiden. Darin haben wir bereits sehr viel Übung in der Zusammenarbeit zwischen Saldo und «Kassensturz». Auch dort gilt die Regel, dass nicht beide Redaktionen am gleichen Thema arbeiten, dieselben Ratgeber haben, die gleichen Tests machen. Das klappt sehr gut. Dieses Modell wird jetzt auch noch auf den K-Tipp ausgeweitet. Sicher ist: Die beiden Redaktionen bleiben getrennt. Das ist wichtig, denn eine Konkurrenzsituation fördert die Qualität.
Wie werden Sie künftig bei der Abonnentenwerbung der beiden Titel vorgehen? Wem wollen Sie welches Heft schmackhaft machen? Oder rechnen Sie damit, dass beide Hefte gleichzeitig abonniert werden?
Schuhmacher: Es ist durchaus denkbar, dass wir für beide Titel ein Kombi-Abo anbieten werden. Beide Hefte erscheinen vierzehntäglich und sind umfangmässig sehr schlank. Einmal wöchentlich einen Konsumententitel zu lesen, wäre sicher ein attraktiver Service für Leute, die an solchen Themen interessiert sind.
Die Hefte unterscheiden sich aber in einem Punkt ganz wesentlich: Der K-Tipp hat Werbung, Saldo keine. Bleibt das so?
Schuhmacher: Saldo wird sicher werbefrei bleiben, das gehört zum Konzept dieses Titels.
Und der K-Tipp, der mitunter Werbung hat, die nicht immer über alle Zweifel erhaben ist? Zum Beispiel werden Produkte wie Weine im Versandhandel angeboten. Man kommt nicht ganz um den Eindruck herum, das Heft werbe gelegentlich für Dinge,
die durchaus auch im redaktionellen Teil des Heftes Thema sein könnten. Werden Sie da etwas ändern?
Schuhmacher: Als ich noch dabei war, hatten wir für den K-Tipp Werberichtlinien, die zum Beispiel Werbung für Alkohol ausschlossen. Man kann sich sicher darüber unterhalten, ob Alkoholwerbung in einem Konsumententitel sinnvoll ist. Aber bevor definitive Entscheide fallen, will ich die Situation erst einmal gründlich analysieren.
Tatsache ist aber auch, dass bei der KI Konsumenteninfo die Kosten markant gestiegen waren. Kennen Sie die Gründe für diesen Kostenschub?
Schuhmacher: Im Augenblick weiss ich nur so viel: Die Kosten stiegen stark. Welches genau die Gründe waren, kann ich erst beurteilen, wenn ich die Situation genau analysiert habe. Ein Grund war sicher die neue Konkurrenz Saldo, die die Auflage des K-Tipp stagnieren liess und entsprechend dessen Aufwand für Mailings erhöhte.
Wo glauben Sie, in der Zukunft Sparpotenziale ausschöpfen zu können?
Schuhmacher: Vor allem in der Logistik. Wir brauchen zum Beispiel nur noch einen Ratgeber-versand. Wir brauchen nur noch eine Aboverwaltung für Saldo und K-Tipp. Mittelfristig werden wir wahrscheinlich auch nur noch eine Druckerei brauchen. Es gibt sicher diverse Bereiche, in denen man Geld sparen kann, ohne dass sich das negativ auf den Service auswirkt. Interview: Daniel Schifferle
René Schuhmacher: Wir haben nach einer Entflechtung gesucht und sie gefunden. Künftig ist jeder von uns zuständig für einen Bereich. Deshalb wird künftig auch jeder so arbeiten können, wie es ihm behagt. Ein Vertrauensverhältnis ist also gar nicht mehr notwendig.
Aber auch Räz und Gasche sind weiterhin zu je einem Drittel an der KI Konsumenteninfo AG beteiligt. Konfliktpotenzial ist also nach wie vor da.
Schuhmacher: Nein, denn ich habe neu 100 Prozent der Stimmen. Das ist Teil der Verträge, die wir jetzt miteinander abgeschlossen haben. Räz und Gasche haben bei der KI Konsumenteninfo AG nichts mehr zu sagen.
Puls-Tipp und Bon à Savoir sind aber Tochtergesellschaften der KI Konsumenteninfo AG.
Schuhmacher: Das waren sie. Räz und Gasche haben die beiden Firmen herausgelöst. Jetzt sind diese absolut selbstständig und unabhängig von der KI Konsumenteninfo. Bon à Savoir gehört Räz, der Puls-Tipp Gasche. Weil der K-Tipp der grösste Wert ist, haben die beiden dort zwar immer noch ihre Beteiligungen, aber sie haben keine Stimmrechte mehr. Ich kann daher künftig schalten und walten, wie ich will.
Jedoch ist auch die neue Situation nicht ganz einfach: Sie haben mit Saldo und K-Tipp zwei praktisch identisch positionierte Hefte. Das macht doch keinen Sinn.
Schuhmacher: Im Moment sind beide Hefte noch sehr nahe beieinander, das ist richtig. Wenn man aber eine klare Positionierung für jeden der beiden Titel schafft, wird es ein Publikum für beide geben, davon bin ich überzeugt. Das zeigen uns auch die Erfahrungen in der Romandie und im Tessin. Als dort in den vergangenen Jahren neue Konsumentenzeitschriften kamen, gruben diese den alten in keiner Art und Weise das Wasser ab. Zum Beispiel sank im Welschland die Auflage von J’achète mieux nicht, nachdem 1997 Bon à Savoir gestartet war. Notabene verlor auch der Beobachter nichts, als Saldo im Februar 1999 auf den Markt kam. Für Konsumententhemen besteht ein enormes Interesse.
Können Sie das Rezept, wie die beiden Titel von einander weg positioniert werden könnten, etwas erläutern?
Schuhmacher: Ich möchte jetzt nicht den Eindruck vermitteln, es liege bereits ein fertiges Konzept auf dem Tisch. Dieses werden wir in den kommenden Wochen zusammen mit den Redaktionen diskutieren und erarbeiten. Nur so viel: Wir wollen künftig mehr Konsumenteninformation bringen und Doppelspurigkeiten in beiden Heften vermeiden. Darin haben wir bereits sehr viel Übung in der Zusammenarbeit zwischen Saldo und «Kassensturz». Auch dort gilt die Regel, dass nicht beide Redaktionen am gleichen Thema arbeiten, dieselben Ratgeber haben, die gleichen Tests machen. Das klappt sehr gut. Dieses Modell wird jetzt auch noch auf den K-Tipp ausgeweitet. Sicher ist: Die beiden Redaktionen bleiben getrennt. Das ist wichtig, denn eine Konkurrenzsituation fördert die Qualität.
Wie werden Sie künftig bei der Abonnentenwerbung der beiden Titel vorgehen? Wem wollen Sie welches Heft schmackhaft machen? Oder rechnen Sie damit, dass beide Hefte gleichzeitig abonniert werden?
Schuhmacher: Es ist durchaus denkbar, dass wir für beide Titel ein Kombi-Abo anbieten werden. Beide Hefte erscheinen vierzehntäglich und sind umfangmässig sehr schlank. Einmal wöchentlich einen Konsumententitel zu lesen, wäre sicher ein attraktiver Service für Leute, die an solchen Themen interessiert sind.
Die Hefte unterscheiden sich aber in einem Punkt ganz wesentlich: Der K-Tipp hat Werbung, Saldo keine. Bleibt das so?
Schuhmacher: Saldo wird sicher werbefrei bleiben, das gehört zum Konzept dieses Titels.
Und der K-Tipp, der mitunter Werbung hat, die nicht immer über alle Zweifel erhaben ist? Zum Beispiel werden Produkte wie Weine im Versandhandel angeboten. Man kommt nicht ganz um den Eindruck herum, das Heft werbe gelegentlich für Dinge,
die durchaus auch im redaktionellen Teil des Heftes Thema sein könnten. Werden Sie da etwas ändern?
Schuhmacher: Als ich noch dabei war, hatten wir für den K-Tipp Werberichtlinien, die zum Beispiel Werbung für Alkohol ausschlossen. Man kann sich sicher darüber unterhalten, ob Alkoholwerbung in einem Konsumententitel sinnvoll ist. Aber bevor definitive Entscheide fallen, will ich die Situation erst einmal gründlich analysieren.
Tatsache ist aber auch, dass bei der KI Konsumenteninfo die Kosten markant gestiegen waren. Kennen Sie die Gründe für diesen Kostenschub?
Schuhmacher: Im Augenblick weiss ich nur so viel: Die Kosten stiegen stark. Welches genau die Gründe waren, kann ich erst beurteilen, wenn ich die Situation genau analysiert habe. Ein Grund war sicher die neue Konkurrenz Saldo, die die Auflage des K-Tipp stagnieren liess und entsprechend dessen Aufwand für Mailings erhöhte.
Wo glauben Sie, in der Zukunft Sparpotenziale ausschöpfen zu können?
Schuhmacher: Vor allem in der Logistik. Wir brauchen zum Beispiel nur noch einen Ratgeber-versand. Wir brauchen nur noch eine Aboverwaltung für Saldo und K-Tipp. Mittelfristig werden wir wahrscheinlich auch nur noch eine Druckerei brauchen. Es gibt sicher diverse Bereiche, in denen man Geld sparen kann, ohne dass sich das negativ auf den Service auswirkt. Interview: Daniel Schifferle
