Augen weiden im Design

Wenn die Fashion- und Lifestylezeitschrift Bolero zur jährlichen Ausmarchung der Schweizer Jungdesigner ruft, pilgert tout Mode- und Werbezürich in den Hauptbahnhof.

Wenn die Fashion- und Lifestylezeitschrift Bolero zur jährlichen Ausmarchung der Schweizer Jungdesigner ruft, pilgert tout Mode- und Werbezürich in den Hauptbahnhof.VON BEAT FRITSCH Die Frauen wegen der vorgeführten Mode, die Männer wegen der Frauen, die diese Mode auf dem Catwalk zur Schau tragen. Tatsache ist: Der Credit Suisse Prix Bolero hat sich in seinem 10. Jahr zur Nabelschau der Schweizer Modeszene gemausert. Ein Event, der auch im Ausland Beachtung findet und den Vergleich mit London oder Mailand nicht zu scheuen braucht. Die knapp 2500 Sitzplätze waren bereits lange voraus ausverkauft, und die zahlreich anwesenden Fotografen und Kameraleute aus dem In- und Ausland sprachen ebenfalls eine deutliche Sprache.
Wie immer vor dem grossen Defilée luden Bolero-Chefredaktorin Sithara Atasoy, Verlagsleiterin Martina Allenspach und die PR-Verantwortliche Nicole Schweizer auch heuer zum VIP-Apéro ins Restaurant Stars. Dort fand sich auch Francesco Rossi, Designer der Edeldamenhandtaschen selben Namens, ein. Ihn sah man in Begleitung von Jennifer Reaves, Mitveranstalterin des Mode-Events Blickfang.
Um etwas Schützenhilfe bat Oliver Burger. Der ehemalige Bonaparte-Texter ist schon seit geraumer Zeit als Freelancer unterwegs und gründet nun mit seinem Partner, AD Turan Öznalci, eine Agentur. Die Beiden standen bis anhin als Kreativteam im Solde verschiedener Agenturen und gewannen letzthin mit Rio Home einen Teiletat des Breitbandkommunikationsanbieters Riodata und somit ihr erstes eigenes Budget, was sie zur Geschäftsgründung beflügelte. Klar, dass jetzt nach weiteren Kunden Ausschau gehalten wird. Als Agenturname geistert den frisch gebackenen Jungunternehmern im Moment Otilien-Werbung im Kopf herum, da die Büros an der Otilienstrasse beheimatet sein werden (Ende Werbespot 1).
Unglaubliches von Michi Frank! Möglich, dass er in Zukunft plötzlich mal ohne Hosen an einem Event auftaucht. Am Prix Bolero stellten wir den IPM-Geschäftsführer nämlich Sandra Kuratle von Amok vor, ihres Zeichens Designerin der auf den Sommer angesagten Männerröcke. So ein Stoffteil gehörte bereits letztes Jahr am Werbefilmfestival von Cannes zur bevorzugten Garderobe von Seiler-DBB-CD Markus Cavegn, der damit auf der Croisette ziemliches Aufsehen erregte. Drum der heisse Geheimtipp für Schweizer Werber, die dieses Jahr (nicht nur an der Strandpromenade) auffallen wollen: Mann trägt Rock – von Amok (Ende Werbespot 2).
Auf Stippvisite in Zürich weilte auch Dieter Meier, der über seine zwei Firmen in Kalifornien berichtete, während Ehefrau Monique Meier in Zürich mit ihrer Boutique En Soie Erfolge feiert. En Soie ist neben Andy Stutz’ Fabric Frontline der zweite, für edelstes Tuch angesagte Einkaufsort. Meiers kamen in Begleitung von Kostümdesigner Rudolf Jost und Jacqueline Greenspan, die für En Soie die Pressearbeit erledigt. Und auch für Heiner Wiedemann, der 1999 mit dem Pseudonym Heinrich Brambilla den Prix Bolero gewann und nun für En Soie schöne Stoffmuster zeichnet (Ende Werbespot 3).
So gesittet und edel sich die Zürcher Werber vergangene Woche gaben, so wild und feuchtfröhlich gings freitags in Rubigen bei Bern zu und her. Bereits zum dritten Mal traf sich die Werbeszene der Hauptstadt auf Einladung von Bund-Verlagsleiter J. Pepe Wiss und Marketingleiter Raoul Wanger zur jetzt schon legendären Bund-
Fete. Einmal mehr hiess es grenzenlos schlemmen und trinken – die besten Berner Restaurants besorgten das Catering, und Tranksame jeglicher Couleur floss à discrétion die durstigen Kehlen runter. Und weils ein Fest und keine Verkaufsveranstaltung sein solle, wie Wiss kurz mitteilte, verzichte er auf lange Reden. Er beliess es dabei, sich bei den Anwesenden für ihr Kommen und vor allem beim Mühli-Pesche, bürgerlich Peter Burkhart, fürs Gastrecht in der Mühle Hunziken zu bedanken.
Pesche machte aus der alten Mühle in Rubigen mit viel Sammlerleidenschaft und Liebe ein einzigartiges Skurrilitäten-Panoptikum, das mit Worten alleine nicht beschrieben werden kann. Normalerweise finden dort Konzerte oder Ausstellungen statt. Diese langjährige Arbeit hat Mühli-Pesche letztes Jahr den grossen Kulturpreis des Kantons Bern, immerhin mit 25000 Franken dotiert, eingetragen. Ein echtes Unikum, dieser Mann! Apropos Unikum. So nennt sich auch die gemäss Eigendeklaration im Moment angesagteste Kreativwerkstatt in Bern. Das meinten jedenfalls nicht ganz uneigennützig die ADs Silvia Ringgenberg und
Barbara Flückiger sowie Texter Denis Jeitziner von – es darf geraten werden – Unikum.
Ebenfalls mit von der Partie an der grossen Sause waren Werbeassistentin Claudia Jordi und PR-Assistentin Fabienne Engel von Burson-Marsteller (BM). Begleitet wurden sie von BM-Geschäftsleitungsmitglied Jean-Blaise Defago…exakt derjenige Defago, der vor zwei Jahren als SVP-Pressechef mit seinen gelb gefärbten Haaren für einiges Aufsehen nicht nur in den eigenen Reihen sorgte (eigentlich erstaunlich, was für nichtige Anlässe unsere braven Politiker auf die Palme bringen können). Heute amtet Defago für BM ohne die gelben Haare als Postfinance-Pressesprecher.
Wenn wir schon bei Farben sind: Solche bekannt hat Orange-Werbeleiter Simon Stauber, der uns endlich seine neue Flamme vorstellte. Schon längere Zeit wird nämlich gemunkelt, dass sich der begehrte Branchen-Sonnyboy ennet dem Grossen Teich verliebt habe. Stimmt tatsächlich – sie heisst Jennifer London, kommt nicht von dort und doktoriert zurzeit an der Nahost-Fakultät der University of Chicago.
Stauber war neben Mediaspezialist Robert C. Baier und Werberin Verena Joos übrigens einer der wenigen Besucher aus Zürich. Die letzten beiden Jahre waren es ein paar mehr. Was aber nicht weiter störte. Schliesslich habe sich der Berner Werbekuchen definitiv von Zürich abgenabelt und emanzipiert, wie Pia Banderini Corti von Freiburghaus und Banderini kommentierte. Recht hat sie! Gemütlicher sind die Berner allemal, und festen können sie genauso gut wie die hedonistischen Grossmäuler in Zürich.
Beat Fritsch

ist «bullish», was die Prognosen für die Berner Werbeszene betrifft. Im Börsenjargon heisst das, es geht in nächster Zeit stark aufwärts. Jedenfalls, wenn man als Berechnungsgrundlage der Trendparameter Kopfwehstärke, Alkoholfluss und Heimkehrzeit nach der dritten Bund-Party in Relation zueinander stellt.
Wie auch immer: Am Morgen nach der Fete fühlte sich der Eventchronist wie obiger Zeitgenosse an der Wand der Mühle Hunziken. Drum muss die Leserschaft diese Woche auf ein aktuelles Foto des Schreibers verzichten. Sämtliche in der Mühle gemachten Porträts unseres Autors sind nämlich indiskutabel, kompromittierend oder auf Grund schwankenden Ganges stark verwackelt.
Wer sich sonst in Zürich, Bern oder andernorts trifft, recherchieren wir an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01
296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps wie weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch

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