Wahrheit und Dichtung

Einmal mehr jährte sich vergangene Woche die Präsentation des – neben dem Lürzer’s-Archiv – beliebtesten Ideengenerators aller um Fantasie ringenden Kreativen: Im Studio Aeschbacher stand die Vernissage

Einmal mehr jährte sich vergangene Woche die Präsentation des – neben dem Lürzer’s-Archiv – beliebtesten Ideengenerators aller um Fantasie ringenden Kreativen: Im Studio Aeschbacher stand die VernissageVon Beat Fritsch des neuesten ADC-Jahrbuchs auf dem Programm.
Das Buch der (Werbe-)Bücher zeigt wie immer die preisgekrönten Kampagnen der letzten ADC-Jurierung. Darum wird wohl auch das diesjährige, von Müller+Hess gestaltete Werk wieder als Fundus für denkfaule Couponinseratedesigner herhalten müssen.
Das Team um Magazin-Cheflayouter Wendelin Hess bestand neben Partner Beat Müller aus Ludovic Balland sowie Stephan Liechti und liess sich etwas Besonderes einfallen: Der zentrale Teil des Wälzers zeigt in gewohnter Weise die Arbeiten, die von der Jury mit Würfelehren bedacht wurden. Getreu dem Jahrbuchmotto «Verlieren ist wie gewinnen. Nur umgekehrt» werden allerdings die Seiten der schillernden Sieger von ausdrucksstarken Bildern von Verlierern und von fotografisch inszeniertem Scheitern umrahmt. Gedruckt auf gewöhnlichem Zeitungspapier! Ein Konzept, so einfach wie bestechend, was auch Jean Etienne Aebi im Vorwort bereits trefflich vermerkt hat.
Apropos Vorwort: Nur höchst ungern korrigieren wir unsere Kreativgötter. Ganz besonders, wenn es sich um den jüngsten ADC-Ehrenpräsidenten handelt. Aber das von Aebi erwähnte Hochglanzpapier gibt es halt einfach nicht, auch wenn es so aussieht! Ein Blick in die Credits verrät, dass es sich beim Trägermaterial der glänzenden Seiten um ein Phoenix Imperial halbmatt (!) hochweiss Stoffklasse 3 KD handelt, dem – wie auch schon manch einer Werbekampagne – mit einer nachträglichen Glanzlackierung auf die Sprünge geholfen wurde.
Genug der Spitzfindigkeiten und Besserwisserei: Das Buch wird seinen Zweck erfüllen, und die Innenseiten glänzen ja wirklich! Gut gemacht! Nicht nur wegen der brillant umgesetzten Arbeiten, sondern auch wegen des sensationellen Drucks.
Nicht ganz dieser Meinung
war der Mann fürs Grobe, Andreas Mossner von Advision. Gemäss eigener Aussage habe er kurz vor unserem Eintreffen dem Ehrenpräsidenten die Leviten gelesen, was die von den ADC-Mitgliedern gemeinhin als kreativ bezeichneten Arbeiten betreffe. Ob sich hier wohl so etwas wie der Neid der (Würfel-) Besitzlosen äusserte? Die Anderen handeln nämlich diese immer wiederkehrende Thematik schon anlässlich der Würfelparty an der ADC-Gala ab.
Da der ganze Anlass bei optimalen Gartenbeiztemperaturen stattfand, und das erst noch gegenüber dem sonnenbeschienenen Outdoor-Sitzplatz der Schiffbaukneipe LaSalle, zeigten die Werber für einmal keinen allzu grossen Durchhaltewillen. Das Interesse an den gereichten Drinks war erschreckend niedrig, das an den feinen Häppchen von Edel-Caterer Peter Gamma nur unwesentlich grösser. So kam es, dass sich nach den handelsüblichen Lobreden, dem Instantaustausch der aktuellen Branchengossips und der Gratisbuchentgegennahme das Gros der anwesenden High-Creativity-Society schnell wieder aus dem Staub machte.
Des Märchens Prolog:
Schon lange mal wieder wäre eine märchen- und feenhafte Frauen-Shortlist fällig. Und zwar nicht eine für, sondern eine ausschliesslich mit Frauen!
Wie gerufen kam deshalb die Einladung zur Launch-Party der Agentur Biba-Models von Babina Mayer. Einfach märchenhaft! Die schöne Bündnerin ist – 8-ung, Spiel mit Wortstil! – übrigens kein alter Hase, aber trotzdem eine erfahrene Profifrau im Modelbusiness.
Bereits vor acht Jahren organisierte sie, mehr aus Plausch als aus professionellem Ehrgeiz, im Churer In-Lokal Felsenkeller mit Kolleginnen Modeschauen. Angesichts der umgehend einsetzenden Nachfrage wurden daraus bald die gekrönten Biba-Models, die nicht nur mit (Schönheits-)Prinzessinnen und Prinzen aufwarteten, sondern auch mit Konzepten für Choreografie und Events.
Des Märchens Fortgang:
Da der ganze Hofstaat immer mehr schöne Prinzessinnen und Prinzen anzog, wurden auch die strengen Sittenwächter der Kommunikation im zwinglianischen Zürich auf die Bündner Schönheitsmonarchie aufmerksam. Die Nachfrage aus der Stadt nach minnehaft aussehenden Bündner Edelfrauen und -männern stieg ins schier Unermessliche. So beschlossen Ihre Majestät Königin Biba und ihre Palastdamen, fortan in Zürich zu residieren.
Des Märchens Erfolgsgeheimnis:
Es wurde just ein Hofball angekündigt, stattfindend in der altehrwürdigen Giesserei zu Zürich-Oerlikon. Und wie gerufen, aschenputtelten sämtliche ledigen Zürcher Jungmänner, Shortlistautor inklusive, ins Kastell an der Birchstrasse, um die Damen aus dem fernen Kantone zu besingen und zu betören.
Sogar Gesandte aus unbekannten und weit entfernten Reichen seien an dem Feste gesehen worden, wurde uns erzählt. Der Sultan von Bagdad habe seinen Gesandten Emir Baur ans Fest entsandt, der Kaiser von China gar seinen Stellvertreter.
Des Märchens Epilog:
Genau auf diesem Wege kamen Bibas Prinzessinnen und Prinzen an die Ufer der Limmat…und wenn sie nicht gestorben sind, kann man sie noch heute buchen. Wers glaubt, wird selig!
BEAT FRITSCH

kann – und diese Eigenschaft teilt er mit WHS-Inhaber Reini Weber oder Werber des Jahres Markus Ruf – nicht Auto fahren. Denn die Fahrprüfung wurde nie in Angriff genommen! Da er als Shortlistautor aber sowieso nur einen Bruchteil des Einkommens der Werbestars verdient, könnte er sich sein Traumauto eh nicht leisten. Umso genüsslicher setzte er sich auf die Haube des Porsche 911. Der gehört dem berühmt-berüchtigten Partylöwen Emanuele N., der ausdrücklich die Nennung des Namens untersagte. Die Schönheiten auf der Haube der Edelkarrosse gehören zur Agentur Biba-Models.
Wer bewundernswerte Werbung macht und dafür zu Recht bestaunt wird – oder wer Märchen erzählt –, orten wir an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten (info@werbewoche .ch). Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch

More articles on the topic