Kopf der Woche: «Liefere statt lafere lautet meine Devise»

Daniel Krieg ist im Mai zum Creative Director der Agentur Publicis ernannt worden

Daniel Krieg ist im Mai zum Creative Director der Agentur Publicis ernannt worden / Wäre Daniel Krieg heute nicht CD, könnte er Atomphysiker oder Hollywood-Schauspieler sein. «Why not?», sagt der 36-Jährige. Denn es gibt nichts, was Krieg von vornherein ausschliessen würde. Er scheint wie ein Reptil immer wieder seine alte Haut abstreifen zu müssen. Wer hätte schon gedacht, dass der langhaarige Krawattenhasser einmal an der HSG studierte, mit einer Investment-Banking-Karriere liebäugelte und sich im Militär bis zum Offizier emporarbeitete?
Krieg war lange auf der Suche, hat viele Jugendtrips, wie er sie nennt, ausgelebt. Kein Wunder also, dass sein Curriculum Überraschungen zu bieten hat.
Nach der Erkenntnis, dass weder Wertschriftenkurse noch der Dienst am Vaterland das Zentrum seines Lebens bilden sollten, stieg Krieg als Product Manager bei ofa Orell Füssli Werbe AG ein. Danach zog er zur Wirtschaftszeitung Cash, bei der er als Verkaufsleiter tätig war. Als selbstständig Erwerbender importierte er später Sportsfashion, half einem Freund, einen Touroperator für Snowboardreisen aufzubauen, und schrieb als Freelancer für die Weltwoche sowie für diverse Sportblätter.
Seine damalige Freundin, die in der Werbung arbeitete und heute seine Frau ist, habe ihn im Alter von 29 Jahren dazu bewogen, als Junior Texter bei GGK, Zürich, einzusteigen, sagt Krieg. Und auch für dieses Metier schien der Goldschopf ein Goldhändchen zu haben: Nachdem er bei Farner Publicis FCB sowie WHS getextet hatte, wurde er Senior Texter/Konzepter bei Publicis.
Heute bekleidet der zweifache Vater in der Agentur die Position des CD. «Die extreme Vielfältigkeit dieser Branche reizte mich von Anfang an», begründet er seine Faszination für den Job. Darüber hinaus müsse er weder seine Haare schneiden noch eine Krawatte tragen.
Trotz der steilen Karriere will Krieg nicht als Hotshot bezeichnet werden: «Den CD-Titel betrachte ich als Beförderung vom talentierten Anfänger zum begabten Fortgeschrittenen», betont er. Er will auf Grund seiner Leistungen respektiert werden. «Lieber liefere statt lafere», lautet seine Devise.
Erfolg führt Krieg in erster Linie auf Glück zurück: «Ich konnte von Meistern wie Aebi, Weber, Freuler und Ruf das Handwerk erlernen.» Gute Werbung sei nämlich weder Kunst noch Hexerei, sondern das Resultat von 10 Prozent Inspiration und 90 Prozent Transpiration. Zur Kreativität beigetragen habe aber auch seine gesunde Neugierde – eine Eigenschaft, über die, laut Krieg, jeder gute Werber verfügen müsse. «Schliesslich kann nur kreative Leistungen bringen, wer viele Eindrücke in sich aufnimmt.» So saugt er alles auf, was ihm unter die Augen oder zwischen die Finger kommt – sei es beim Shopping oder Spielen mit den Sprösslingen, beim Sport oder beim Lesen. Für mehr Hobbys fehlt ihm momentan die Zeit: «In der Freizeit hat meine Familie erste Priorität.» Carole Koch

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