«Wir wollen trendiger werden»

Eveil-Culturel-Herausgeberin Nicole Steffen glaubt an eine erfolgreiche Melange von Musik und Lifestyle

Eveil-Culturel-Herausgeberin Nicole Steffen glaubt an eine erfolgreiche Melange von Musik und LifestyleStill und heimlich hat Nicole Steffen vor zwei Jahren die Leitung des Kulturmagazins Eveil Culturel von ihrem Mann übernommen. Dieses Frühjahr hat sie dem zweisprachigen Magazin definitiv ihre Handschrift aufgedrückt. Ein überarbeitetes Layout und der neue Untertitel «Das Schweizer Musik- und Lifestyle-Magazin» zeigen die Richtung an.Neu bezeichnen Sie Ihr Heft nicht mehr als Kultur-, sondern als Lifestyle-Magazin. Haben Sie keine Angst davor, mit der thematischen Öffnung das Profil des Heftes zu verwischen und aus der Zeitschrift einen Basar zu machen?
Nicole Steffen: Ich werde streng darauf achten, weiterhin ein qualitativ hoch stehendes Produkt anzubieten. Unter Lifestyle verstehe ich nicht unbedingt Themen über Gastronomie, Weinkunde, Wellness und anderes mehr. Eveil Culturel soll aber auch nicht eine reine Musikfachzeitschrift für ein Fachpublikum sein. Ich möchte einfach ein paar Türen öffnen. Rund um die Musik geschieht ja so viel. Es ist mir ein Anliegen, den Leuten die Welt der Musik auf eine unkonventionelle Weise näher zu bringen.
Würden Sie ein Beispiel nennen?
Steffen: Um die junge Schweizer Sopranistin Rachel Harnisch zu porträtieren, haben wir sie nicht einfach in ihrer Loge am Berner Stadttheater besucht und ein Interview gemacht. Wir kleideten sie im Modehaus Ciolina mit Designerstücken ein. So entstand eine Serie von Bildern der Künstlerin, wie man diese von der Bühne her nicht kennt.
Fürchten Sie nicht, durch eine Themendurchmischung Stammleser zu verärgern oder gar zu verlieren?
Steffen: Die Themen zur klassischen Musik werden nach wie vor das Pièce de résistance bilden. Aber auch eine Zeitschrift wie Eveil Culturel muss sich weiter entwickeln. Deshalb werden wir vermehrt die Verbindung der klassischen Musik zu anderen Stilrichtungen behandeln. Damit hoffen wir natürlich, neue Leser zu gewinnen und die Stammleser für Neues zu interessieren.
Wurden Sie von Werbeauftraggebern zu dieser Öffnung aufgefordert?
Steffen: Wenn man Werbung für Luxusgüter betrachtet, stellt man leicht fest, dass sich diese stark gewandelt hat. Luxusgüterwerbung richtet sich an ein junges Publikum. Deshalb sind wir gezwungen, den redaktionellen Teil anzupassen, sprich zu verjüngen.
Wenn sich die Zeitschrift nun auch an ein junges Publikum richtet, wird man wohl nicht mehr ausschliesslich Werbung für Luxusprodukte sehen. Wie verträgt sich H&M-Werbung mit einer Anzeige von Hermès?
Steffen: Wir werden sehr wählerisch sein in Bezug auf Inserate für Konsumgüter, die nicht dem Bereich der Luxusgüter angehören.
Welches waren eigentlich die Gründe, weshalb Ihr Mann Ihnen die Leitung des Magazins übergeben hat?
Steffen: Da mein Mann kein Deutsch spricht, Eveil Culturel heute aber den Grossteil seiner Abonnenten und Leser in der Deutschschweiz hat, war die Übernahme des Projektes eine logische Entwicklung.
Dann sind Sie Chefredaktorin und Verlegerin in Personalunion?
Steffen: Ja, und ich freue mich, die vielen Ideen, die ich für das Magazin und seine Zukunft habe, umsetzen zu können.
Welche Prioritäten setzen Sie?
Steffen: Das Magazin soll trendiger werden. Mit der neuen Aufmachung und der Themenerweiterung wollen wir auch jüngere Leute ansprechen. Ein weiterer wichtiger Schritt: Ab dem kommenden Jahr werden sechs statt wie bisher vier Ausgaben erscheinen.
Das hatte Ihr Mann aber schon 1997 geplant.
Steffen: Damals war es offenbar noch zu früh. Mit der neuen Formel sollte die Erhöhung der Periodizität ab dem nächsten Jahr aber gelingen.
Welche Eigenschaft würden Sie als die wichtigste Stärke von Eveil Culturel bezeichnen?
Steffen: Zunächst die Themenvielfalt, dann die nationale Verbreitung und die Zweisprachigkeit. Letztere kommt in einer Kulturzeitschrift sehr gut an, wie eine Umfrage bei den Lesern gezeigt hat. Bezüglich Layout bleibt die Zweisprachigkeit aber nach wie vor eine grosse Herausforderung.
Der Relaunch wäre eine Gelegenheit gewesen, dem Magazin einen neuen Namen zu geben. Wirkt Eveil Culturel nicht etwas gar verstaubt?
Steffen: Der Name Eveil Culturel stammt noch aus der Gründerzeit, als das Magazin nur in der Westschweiz vertrieben wurde. Wir haben tatsächlich schon laut über einen neuen Namen nachgedacht. Nur ist dieser nicht so einfach zu finden, und zudem ist Eveil Culturel unterdessen auch in der deutschen Schweiz ein Begriff geworden. Interview: Anita Vaucher
L’eveil culturel

Mit einer Zufallserbschaft von 30000 Franken gründete Franck Steffen vor neun Jahren die Zeitschrift Eveil Culturel. Die Startauflage betrug damals bescheidene 6000 Exemplare. 1996 wagte das bisher nur für den Westschweizer Markt produzierte Kulturmagazin den Sprung über die Sprachgrenze. Heute hat das zweisprachig geschriebene Magazin (F/D) eine (nicht beglaubigte) Auflage von 28800 Exemplaren.

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