Parodie auf harte Jungs

Alcopops und ihre Kampagnen geraten in den USA unter harte Kritik

Alcopops und ihre Kampagnen geraten in den USA unter harte KritikVon Thérèse Balduzzi Alcopops oder Malternatives überfluten den amerikanischen Markt. Die leicht alkoholhaltigen Fruchtstäfte sind so beliebt wie umstritten: Kritiker werfen den Herstellern vor, mit harmlos wirkenden Sodas Jugendliche zum Trinken zu verführen. Mitten in dieser Debatte greift Mike’s Hard Lemonade zu einer extremen Werbekampagne.
Die amerikanische Kampagne für das alkoholhaltige Fruchtgetränk Mike’s Hard Lemonade ist voll Slapstickhumor der derbsten Sorte: In einem Spot fällt ein Bauarbeiter 20 Stockwerke in die Tiefe und wird von einem Stahlträger durchbohrt, um danach in eine Bar zu gehen, als wäre eben (fast) gar nichts vorgefallen. Einziges Anzeichen dafür, dass er leicht beschädigt ist: Sein Kumpel öffnet die Flasche Hard Lemonade für ihn. In einem weiteren Spot sägt sich ein Holzfäller aus Versehen die Füsse ab. Seine einzige Klage betrifft die neuen Stiefel, die ihm seine Frau am Vortag gekauft hat. Einem weiteren Unfallkandidaten wird die Hand abgebissen, als er einen Delphin füttern will. Auch er übersteht die Verletzung kommentarlos und lässt sich von nichts davon abhalten, Mike’s Hard Lemonade zu trinken. «A hard Day calls for a hard Lemonade. Make it Mike’s» sagt ein Off-Stimme am Ende jedes Spots.
Alcopops gelten Kritikern als Einstiegsdroge
Mit den grotesken Szenen spielen die Spots von Cliff Freeman and Partners, New York, auf humorvolle Art auf die «harte» Seite der Hard Lemonade an und parodieren das «Tough Guy»-Image von Männern, die nichts umhauen kann und sich höchstens hin und wieder betrinken. So primitiv sie sein mögen, sie heben sich sympathisch von zahlreichen Bierspots und -kampagnen ab, in denen gegenwärtig Männlichkeitsmythen und Frauenfeindlichkeit zum Überdruss zelebriert werden.
Extreme Spots sind wohl auch nötig, um die gewünschte Wirkung zu erzielen: Für die Alcopops oder Malternatives – darunter auch Marken wie Rick’s Spike Lemonade, Hooper’s Hooch Lemon Brew und Doc Otis’ Hard Lemon – gelten nämlich strengere Werbebeschränkungen als für herkömmliche Biersorten, obwohl sie gleich viel Alkohol enthalten, nämlich um die 5 Prozent. Kritiker der alkoholhaltigen Limonaden befürchten indes, dass ihr harmloses Erscheinungsbild und ihr süsser Geschmack Jugendliche zum verbotenen Alkoholkonsum verführen.
Bereits letztes Jahr beklagte sich die Konsumentengruppe National Consumers League, Washington, bei der Federal Trade Commission (FTC), der nationalen Handelskommission, über die Alcopops. Ihr süsser Geschmack erleichtere es jungen Menschen, in kurzer Zeit grössere Mengen Alkohol zu trinken, womit sie ein ideales Einstiegsgetränk darstellten.
Dieses Jahr meckerte die Konsumentengruppe Center for Science in the public Interest beim FTC, weil Hersteller ihre Produkte gezielt an Jugendliche vermarkteten. Kampagnen für Alcopops werden deshalb von allen Seiten scharf beobachtet.

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