Mehr Stimmung und soziale Kontrolle im ADC
Der ADC-Vorstand hat die Lizenz zum Jurieren für den nächsten Wettbewerb abgeschafft
Der ADC-Vorstand hat die Lizenz zum Jurieren für den nächsten Wettbewerb abgeschafftDer Art Directors Club Schweiz (ADC) hat sein Jurierungssystem für den kommenden Wettbewerb um die beste Schweizer Werbung überarbeitet und präsentiert als radikalste Neuerung die Abschaffung der Jurierungslizenz. Künftig sollen auch diejenigen wieder in der Jury sitzen dürfen, deren ADC-Auszeichnungen älter als drei Jahre sind. Der ADC-Vorstand hat zwei gewichtige Veränderungen vorgenommen: Nach alter Väter Sitte soll jetzt die Jurygruppe wieder von Arbeit zu Arbeit gehen. Die juryinternen Neuerungen, die für die Einreichenden keine Änderung bewirken, seien letztlich die Folge der Mängel des Jurierungsmodus 2001, erklärten für den ADC-Vorstand deren Vorsteher Andreas Prokesch und Jury-Chairman Daniel Matter: Man habe festgestellt, dass das anonyme Ankreuzen im ersten Wahldurchgang zu aufwändig gewesen sei und nicht selten zu fragwürdigen Urteilen geführt habe, meinten Prokesch und Matter. Frustration, zum Teil gar Gleichgültigkeit seien die Gründe dafür gewesen. Im ersten Durchgang hatte 2001 jedes Jurymitglied rund 310 Arbeiten in fünf Kategorien zu beurteilen, weshalb sich viele überfordert und etwas im Stich gelassen fühlten.
Es gab keine Diskussion, «also keine Stimmung und keine soziale Kontrolle. Jeder konnte unbesehen seine Note geben», erklärt Prokesch. Auch technisch entpuppte sich das Prozedere bei der angestiegenen Menge der Arbeiten als aufwändig. Dazu habe die geeignete Software vorerst teuer entwickelt werden müssen.
Der ADC geht zurück zu seinen Wurzeln
Weil man das Problem mit den Doppelauszeichnungen nie richtig in den Griff bekommen habe, verzichtet der Vorstand auf Einschränkungen, «was mehr Würfel gibt», frohlockt ADC-Geschäftsleiterin Helen Müller. Mit Einschränkungen, denn es sei klar, so Matter, dass durch die offene Jurierung auch härter beurteilt werde. Fragezeichen setzte der Vorstand nämlich hinter den Automatismus, wonach ein Viertel der Einreichungen mit Bronze belohnt wurden und davon wiederum ein Viertel mit Silber und so weiter. Entsprechend sahen die finanziellen Folgen aus. «Am Schluss hatten wir ein noch dickeres, aber nicht unbedingt besseres Buch und landeten mit den Mehrkosten knapp bei einem sechsstelligen Betrag», geben Prokesch und Matter zu bedenken. Dieser Mehrpreis sei aber in keinem Verhältnis zur zusätzlichen Qualität gestanden, blickt er zurück. Die «spannende» Erfahrung, die der ADC gemacht hat, will er aber trotzdem nicht missen.
«Eigentlich gehen wir back to the roots», erklärt Prokesch. Glücklich ist er besonders über die Abschaffung der diskriminierenden Lizenz zum Jurieren. Gnadenlos schloss die Dreijahresregel viele Kreative a priori von der Jury aus. «Wir sollten uns etwas mehr auf die fundamentalen Werte des ADC besinnen – aber auch Zivilcourage an den Tag legen», meinte Prokesch. So lasse sich die Jurierung nur durch Konstanz verbessern und nicht durch ständige Modusänderungen. Bleibt nur noch der Einsendeschluss für die Arbeiten zu erwähnen: der 23. November.
Dass der ADC über die Ergebnisse seines Vorstands erst jetzt informiert, hängt mit den Ereignissen der vergangenen Wochen zusammen. Besonders wegen des Groundings der Swissair, Prokeschs grösster Kundin, wurden die Prioritäten neu gesetzt. Wie sehr ihm das Grounding zugesetzt hatte und wie ehrlich und offen er damit umgeht, liest
man in seinem Bulletin vom 6. November.
Unter anderem macht er darin seinem auch persönlich motivierten Ärger Luft, viele hätten auf Kosten des Debakels PR-Kapital geschlagen; namentlich erwähnt er Hermann Strittmatter und Klaus J. Stöhlker. «Vorbei, vorbei: Ich bin wieder da – wie noch nie», beendet er sein Vorwort. Luca Aloisi
Es gab keine Diskussion, «also keine Stimmung und keine soziale Kontrolle. Jeder konnte unbesehen seine Note geben», erklärt Prokesch. Auch technisch entpuppte sich das Prozedere bei der angestiegenen Menge der Arbeiten als aufwändig. Dazu habe die geeignete Software vorerst teuer entwickelt werden müssen.
Der ADC geht zurück zu seinen Wurzeln
Weil man das Problem mit den Doppelauszeichnungen nie richtig in den Griff bekommen habe, verzichtet der Vorstand auf Einschränkungen, «was mehr Würfel gibt», frohlockt ADC-Geschäftsleiterin Helen Müller. Mit Einschränkungen, denn es sei klar, so Matter, dass durch die offene Jurierung auch härter beurteilt werde. Fragezeichen setzte der Vorstand nämlich hinter den Automatismus, wonach ein Viertel der Einreichungen mit Bronze belohnt wurden und davon wiederum ein Viertel mit Silber und so weiter. Entsprechend sahen die finanziellen Folgen aus. «Am Schluss hatten wir ein noch dickeres, aber nicht unbedingt besseres Buch und landeten mit den Mehrkosten knapp bei einem sechsstelligen Betrag», geben Prokesch und Matter zu bedenken. Dieser Mehrpreis sei aber in keinem Verhältnis zur zusätzlichen Qualität gestanden, blickt er zurück. Die «spannende» Erfahrung, die der ADC gemacht hat, will er aber trotzdem nicht missen.
«Eigentlich gehen wir back to the roots», erklärt Prokesch. Glücklich ist er besonders über die Abschaffung der diskriminierenden Lizenz zum Jurieren. Gnadenlos schloss die Dreijahresregel viele Kreative a priori von der Jury aus. «Wir sollten uns etwas mehr auf die fundamentalen Werte des ADC besinnen – aber auch Zivilcourage an den Tag legen», meinte Prokesch. So lasse sich die Jurierung nur durch Konstanz verbessern und nicht durch ständige Modusänderungen. Bleibt nur noch der Einsendeschluss für die Arbeiten zu erwähnen: der 23. November.
Dass der ADC über die Ergebnisse seines Vorstands erst jetzt informiert, hängt mit den Ereignissen der vergangenen Wochen zusammen. Besonders wegen des Groundings der Swissair, Prokeschs grösster Kundin, wurden die Prioritäten neu gesetzt. Wie sehr ihm das Grounding zugesetzt hatte und wie ehrlich und offen er damit umgeht, liest
man in seinem Bulletin vom 6. November.
Unter anderem macht er darin seinem auch persönlich motivierten Ärger Luft, viele hätten auf Kosten des Debakels PR-Kapital geschlagen; namentlich erwähnt er Hermann Strittmatter und Klaus J. Stöhlker. «Vorbei, vorbei: Ich bin wieder da – wie noch nie», beendet er sein Vorwort. Luca Aloisi
