«Jetzt machen wir zusammen mit den Chefredaktoren einen Superjob»

Christian Stärkle über sein Comeback als CEO bei der Belcom

Christian Stärkle über sein Comeback als CEO bei der Belcom«Jetzt machen wir zusammen mit den Chefredaktoren einen Superjob»
Bis Tamedia die Belcom übernahm, war Christian Stärkle deren CEO. Dann musste er gehen. Vor wenigen Tagen wurde er von Tamedia wieder auf den Sessel des Belcom-CEO gehievt.
Vor zwei Monaten schlugen Sie ein Jobangebot von Tamedia als nicht akzeptabel aus, jetzt haben Sie doch eingeschlagen. Weshalb?
Christian Stärkle: Es ist ein Unterschied, ob man mir bei der Belcom die Verkaufsleitung anbietet oder den CEO der Holding. Das zweite Angebot ist super, ich kann voll dahinter stehen.
Beim ersten Angebot hatten Sie doch den Eindruck, dass Tamedia Sie los sein wollte.
Stärkle: Ja, aber mich hat beeindruckt, dass Tamedia auf ihren damaligen Entscheid zurückkommen konnte. Mich reizt die Aufgabe, und jetzt machen wir zusammen mit den Chefredaktoren einen Superjob.
Kamen die beiden Angebote von unterschiedlichen Leuten?
Stärkle: Selbstverständlich.
Von wem beim ersten Mal?
Stärkle: Von denen, die für die Zusammenführung der Medien verantwortlich waren.
Wildberger und Zimmermann?
Stärkle: Das habe ich nicht gesagt.
Wie ist das, wenn man den Mann ersetzt, der einen quasi vor die Tür gesetzt hat?
Stärkle: Ich ersetze niemanden. Wir machen eine Art Arbeitsteilung. Herr Wildberger beschränkt sich auf das nationale elektronische Medium, ich mich auf die lokalen Medien.
Hat Sie der Entscheid um TV 3 überrascht?
Stärkle: Ich rechnete zwar damit, dass es bei TV 3 in der bisherigen Form mittelfristig zu einer Zäsur kommen würde. Nicht erwartet habe ich aber, dass man TV 3 ganz einstellt.
Wann haben Sie erstmals am TV-3-Konzept gezweifelt?
Stärkle: TV 3 wollte sich auf ein jüngeres Zielpublikum spezialisieren. Nur: In der Schweiz gibt es knapp eine Million junge Leute, die mobil und deshalb eher dem Medium Radio zugeneigt sind. Mit rund 10 Prozent dieser Zielgruppe erreichte TV 3 zwar ein gutes Resultat, aber mit 80000 bis 100000 Zuschauern kann man in der Deutschschweiz kein genügendes Werbevolumen generieren.
Haben Sie also schon vor dem TV-3-Start am Erfolg gezweifelt?
Stärkle: Nein, weil ich mich damals bei den AZ Medien nur mit unseren Projekten beschäftigte.
Welche Note zwischen 1 und 6 geben Sie dem Tamedia-Management für dessen Leistungen um TV 3?
Stärkle: Für meine Anstellung gebe ich ihm die Note 6.
Das TeleNewsCombi (TNC) startet unter neuen Vorzeichen: ohne Ex-Mitglied Tele 24, ohne sprachregionale Privatkonkurrenz und aufgeschaltet beim Mediaoptimizer. Welchen Umsatz veranschlagen Sie als TNC-Leiter für 2002?
Stärkle: Wir budgetierten für das TNC unter den bisherigen Voraussetzungen drei Millionen Franken. TV 3 und Tele 24 hatten zusammen ein Werbevolumen von 30 bis 40 Millionen Franken, von dem wohl ein Teil dem Fernsehen verloren geht und ein Teil an andere Sender fliesst. Im nächsten Jahr sollten wir also auf rund fünf Millionen Franken kommen.
Ändert sich durch den TV-3-Entscheid Wesentliches am Konzept von Tele Züri (siehe WW 43/01)?
Stärkle: Neu ist, dass nicht nur Tele Züri, sondern das ganze TNC darum bemüht ist, von TV 3 einige Programmteile im Unterhaltungsbereich zu erwerben – zum Beispiel «Robinson». Das ist aber eine Preisfrage.
Wie kommentieren Sie die Tatsache, dass einen Tag nach dem TV-3-Schliessungsentscheid die SRG bereits wieder höhere Gebühren für 2003 beantragte?
Stärkle: Ich habe für das Anliegen der SRG Verständnis, schliesslich ist das Werbevolumen rückläufig, die IV- und ein Teil der AHV-Bezüger müssen künftig keine Gebühren mehr bezahlen, und der Bundesrat will das Gebührensplitting ausweiten.
Verständnis? Wohl nur, weil Sie sich mit höheren Gebühren mehr Chancen auf einen Gebührenanteil erhoffen.
Stärkle: Das hat miteinander nichts zu tun. Tatsache ist aber, dass der Markt in der Schweiz verfälscht ist. Hier zu Lande müssen einzig die privaten Schweizer TVs ihr Programm am freien Markt finanzieren.
Vorvergangene Woche kündigte Radio 24 den Powerpool mit Radio Zürisee an. Rechtlich ist das nicht möglich, Radio Zürisee ist bereits im Leaderpool engagiert.
Stärkle: Diese Abklärung ist primär Sache von Radio Zürisee. Selbstverständlich stellen wir uns aber für eine einvernehmliche Lösung zur Verfügung.
Nun wollte aber die Wettbewerbskommission keine Tamedia-Vormacht auf dem Zürcher Radiowerbemarkt, weshalb sie die Trennung von Radio Zürisee verlangte. Mit dem Powerpool würde Tamedia nun aber diese Vormacht durch die Hintertür erlangen.
Stärkle: Das sehen Sie falsch. Mit Vormacht meint die Weko eine tatsächliche Beherrschung. Aber Radio Zürisee muss ja mit uns keinen Vertrag eingehen.
Dennoch: War dieser Pool ein geschickter Schachzug?
Stärkle: Wir wollten lediglich eine Werbeverbindung, die es Kunden leichter macht, den Markt Zürich zu belegen.
Haben Sie diese Idee noch vor Ihrem Abgang eingefädelt?
Stärkle: Man hat mich gefragt, aber ich habe nicht entschieden. Doch ich stütze den Entscheid zu 100 Prozent.
Ihr Abgang bei der Belcom machte es der Radiobranche leichter, sich wieder zu einem Verband zu vereinigen. Bringt nun Ihre Rückkehr Frieden oder neuen Zwist?
Stärkle: Das würde ja heissen, dass ich streitsüchtig bin.
Nein, dass Sie einer von zwei Hauptkontrahenten sind.
Stärkle: Als das fühle ich mich nicht. Wir müssen dafür sorgen, dass die ganze Radiobranche vorwärts kommt. Und dies unterstütze ich nach Kräften.
Wird Radio 24 Mitglied beim Verband Schweizerischer Privatradios?
Stärkle: Das ist denkbar.
Wie unterscheidet sich das Projekt Tele 25 von Tele 24?
Stärkle: Gemäss unserem Konzept wäre Tele 25 kein Mixkanal mit Tele Züri, wie das bei Tele 24 im Raum Zürich der Fall gewesen wäre, sondern ein eigenständiger Newssender mit Schlaufenprogramm.
Es sollen sich österreichische Investoren interessiert gezeigt haben.
Stärkle: Selbst wenn ich etwas darüber wüsste, würde ich nichts sagen. Interview: Markus Knöpfli

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