Joni Müller

Jurypräsident Publikumsanzeigen (Serien)

Jurypräsident Publikumsanzeigen (Serien)Wie beurteilen Sie das Niveau in Ihrer Kategorie?: Gut. Es waren nur wenige wirklich schlechte Arbeiten dabei. Und sogar unter den durchgefallenen hatte es solche, die bei schwächerer Konkurrenz durchaus Bronze gemacht hätten. Neue Trends habe ich keine ausgemacht.
Wie ist es um die Qualität dieses Werbejahrgangs generell bestellt?
Müller: Im Durchschnitt durchschnittlich.
Ihr Fazit nach 26 Jahren ADC: Hat sich das Niveau der eingesandten Arbeiten gesteigert, ist es gleich geblieben, oder hat es sich verschlechtert?
Müller: Wie man weiss, war früher sowieso alles besser, also auch das Niveau der eingesandten Arbeiten. Allerdings ist dies ausser mit der üblichen präsenilen Verklärung der Vergangenheit auch damit zu erklären, dass man in der Erinnerung die Highlights von mindestens fünf Jahren in einen einzigen Jahrgang packt. Und da kann die Gegenwart schlecht mithalten. Aber höher als früher ist das Niveau auch nicht.
Sind Newcomer auszumachen, oder gewannen wieder einmal die ADC-Habitués?
Müller: Es gewannen wieder fast nur die gleichen Grossagenturen und die gewohnten Ausnahmen. Von den meisten Arbeiten weiss ich aber bloss, aus welcher Firma sie kommen, und nicht, wer sie gemacht hat. Möglicherweise war da intern schon der eine oder andere Newcomer am Werk.
Welchen Arbeiten geben Sie fürs Werbefestival in Cannes Chancen?
Müller: Flims Laax Falera sowie Radio DRS.
Worauf legten Sie bei der Bewertung besonderes Augenmerk?
Müller: Natürlich auf die Idee. Aber die Bally-Anzeigen sind so schön und perfekt gemacht, dass wir ihnen Bronze gaben, obwohl sie ideenfrei sind.
Was fiel Ihnen beim Bewerten der Arbeiten auf?
Müller: Nachdem der Text von den ADs schon immer nur als Grauwert betrachtet worden ist, wird er dies jetzt neu auch von den Textern beziehungsweise Konzeptern. Die Migros-Do-it-Kampagne von WHS war die einzige Arbeit, bei der der Text überhaupt eine Rolle spielt. Vielleicht bekam sie deshalb nur Bronze. Trotz der Gefahr, mich ins Lager der säuerlichen Kulturpessimisten zu manövrieren: Ich finde es schade, dass der Text heute so stiefmütterlich behandelt wird.
Ist Werbung mutiger geworden?
Müller: Nein. Und es ist zu befürchten, dass sie jetzt eher noch mutloser wird.
Welche Bedeutung messen Sie dem Lobbying bei solchen Wettbewerben bei?
Müller: Offiziell keine, inoffiziell grosse. Wobei es nicht Lobbying im engeren Sinne ist, sondern eher die stillschweigende Übereinkunft «Wie du mir, so ich dir». Das gleicht sich über die Jahre hinweg aus. Allerdings wird es dadurch für Einsender, die im ADC nicht oder schwach vertreten sind, schwieriger, etwas zu gewinnen.
Werden Sie auf Grund der Werbung nun eines der preisgekrönten beworbenen Produkte kaufen?
Müller: Ich werde ganz sicher weder Laax noch DRS 3 kaufen, aber weiterhin den ZVV benützen.
Hat dieser Wettbewerb bei Ihnen den Berufsstolz als Werber in ein neues Hoch steigen lassen?
Müller: Hochmut kommt vor dem Fall. (Spr. 16,18).
Ist eine Arbeit dabei gewesen, die für Sie als Art Director Kunststatus erreicht hat?
Müller: Nein.

More articles on the topic