Sinn und Unsinn des ADC
Frank Bodins Reformforderungen an den ADC – eine wohl inszenierte Austrittsposse?
Frank Bodins Reformforderungen an den ADC – eine wohl inszenierte Austrittsposse?Andreas Prokesch, Chairman des Art Directors Club Schweiz (ADC), weist in einem offenen Brief Frank Bodins Philippika gegen die ADC-Jurierung (WW 9/02) zurück und will in der Auseinandersetzung über das Jurierungsverfahren am ADC-internen Fahrplan bis zur Hauptversammlung am 23. Mai festhalten. Ich freue mich, lieber Frank, dass du dir Gedanken machst, wie der ADC, die ADC-Jurierung und selbst die ADC-Mitglieder zu verbessern wären, und danke dir für die Mühe.
Du hast mir deine Vorschläge, die du lieber als Forderungen verstanden haben willst, vor einiger Zeit bereits gemailt – unter der Betreffzeile «Austrittsgedanken». In einer ersten Antwort schrieb ich dir, dass ich dich bitte, nicht aus dem ADC auszutreten. Weil du in den ADC gehörst. In einer zweiten Antwort legte ich ausführlich dar, was ich von deinen Ideen halte. Und in einer dritten Antwort, wie wir vorzugehen pflegen:
Am 15. März trafen sich die Mitglieder der Goldjury, um die letzte Jurierung zu beurteilen und daraus die Schlüsse für die nächste Jurierung zu ziehen. Am 19. März sass der Vorstand zusammen. Am 23. Mai halten die ADC-Mitglieder ihre jährliche Hauptversammlung ab und stimmen unter anderem über allfällige Anträge zur Jurierung ab.
Anders, als du mir zu unterstellen versuchst («die Diskussion in einer breiteren Öffentlichkeit ist nicht erwünscht und wird als Drohung betrachtet»), scheue ich die Auseinandersetzung keineswegs. Allerdings hätte ich es allein schon aus Gründen der Effizienz und einer gewissen Kultur geschätzt, wenn sie zuerst innerhalb und dann ausserhalb des Clubs stattfände.
Dabei lassen wir uns nicht das Tempo diktieren. Und wir werden uns exakt an die dargestellte Abfolge halten – unabhängig davon, welche Publicity du dem ADC und dir selber als Nächstes bescheren wirst.
Ich kann dir zum jetzigen Zeitpunkt beim besten Willen nicht mehr sagen, als ich dir bereits mitteilte, und mag mich nicht wiederholen. Ausserdem fehlt mir der «Reason why», um mich über die komplexen Details der Jurierung (25-Prozent-Regelung usw., usf.), deine doch ziemlich gewagten Schlussfolgerungen («der ADC kann derzeit kein Massstab sein») und deine restlichen Streicheleinheiten («der ADC hat
seit Jahren ein Imageproblem») öffentlich auszulassen. Das würde bloss zu einem endlosen Hin und Her führen und weder das Problem lösen, das du mit dem ADC hast, noch das Problem, das der ADC zunehmend mit dir hat.
Ich will aber die Gelegenheit nutzen, um mich zu zwei prinzipiellen Aspekten zu äussern.
Der Sinn der ADC-Jurierung
Als altgedientes ADC-Mitglied vertrete ich eine etwas grundsätzliche Position: Wir treffen uns einmal jährlich, um darüber zu debattieren, was der Unterschied zwischen überdurchschnittlicher, herausragender und wegweisender Werbung ist – und um das Resultat öffentlich und somit zum Gesprächsthema zu machen. Wer dabei eine Auszeichnung gewinnt, ist für mich persönlich unwichtig.
Bei dieser Debatte gibt es Jahr für Jahr viele Verlierer und relativ wenige Gewinner. Das ist natürlich und logisch. Unabhängig von allen qualitativen Kriterien. Unabhängig von allen quantitativen Vorgaben. Und selbst unabhängig von den Qualitäten oder vermeintlichen Nichtqualitäten der Juroren.
Was ich sagen will: Jede Jurierung ist letztlich eine subjektive Angelegenheit, so sehr man sich Objektivität erhoffen mag – genauso wie die «Miss Schweiz»-Wahl und selbst ein Fussballspiel.
Wer das nicht akzeptieren kann, wird sich mit dem Ergebnis immer schwer tun.
Das schliesst zwar nicht aus, dass man ordentlich frustriert und wütend und enttäuscht sein darf. Ich kenne kaum jemanden, der es nach der ADC- oder sonst einer Jurierung nicht zumindest ein klein wenig wäre. Wie du damit klarkommst, ist ganz und gar deine eigene Angelegenheit und nicht die des ADC.
Der Unsinn der ADC-Jurierung
Die Resultate von Jurierungen werden mehr und mehr für Marketingzwecke missbraucht – das heisst für die externe und interne Positionierung.
Lass mich das an einem Beispiel illustrieren: Die Agentur XY hat an einem der vielen Kreativwettbewerbe in den USA mit einer Arbeit Gold gewonnen. Das posaunt sie per Pressemitteilung heraus. Darin weist sie gleichzeitig darauf hin, dass sie beim ADC Schweiz für dieselbe Arbeit «nur» Bronze erhalten hat. Das ist unsinnig (Stichwort Äpfel, Birnen, Bananen). Und es ist schon fast ein bisschen unlauter, weil die Agentur nicht gleichzeitig darauf hinweist, dass sie dieselbe Arbeit auch noch in Bayern, Cannes, Grossbritannien und sonst noch wo eingereicht hat, dort jedoch nichts gewonnen hat.
Natürlich kann man den ADC hinterfragen. Und auch die ADC-Jurierung und jedes ADC-Mitglied. Oder das Verfahren, wie man in den ADC aufgenommen wird. Genau das tun wir sehr regelmässig und manchmal auf fast selbstkasteiende Art: bei praktisch jeder Vorstandssitzung, bei jeder Hauptversammlung, bei jeder anderen Gelegenheit. Dennoch bildet das ADC-Jahrbuch seit über 25 Jahren unbestritten die relevanten Arbeiten der Schweizer Werbung ab. Dennoch gehören dem ADC mehrheitlich Mitglieder an, die für diese Arbeiten als Macherinnen und Macher verantwortlich zeichnen und die ergo auch über die Kompetenz verfügen, andere Arbeiten zu beurteilen.
Wie ich dich kenne, dürfen wir uns jetzt auf eine ausführliche Replik von dir freuen. Darauf wird der ADC jedoch erst reagieren, wenn wir die Diskussion, wie geschildert, an der Goldjurorenkonferenz, im Vorstand und an der Hauptversammlung geführt haben.
Andreas Prokesch, Chairman des Art Directors Club Schweiz (ADC)
Du hast mir deine Vorschläge, die du lieber als Forderungen verstanden haben willst, vor einiger Zeit bereits gemailt – unter der Betreffzeile «Austrittsgedanken». In einer ersten Antwort schrieb ich dir, dass ich dich bitte, nicht aus dem ADC auszutreten. Weil du in den ADC gehörst. In einer zweiten Antwort legte ich ausführlich dar, was ich von deinen Ideen halte. Und in einer dritten Antwort, wie wir vorzugehen pflegen:
Am 15. März trafen sich die Mitglieder der Goldjury, um die letzte Jurierung zu beurteilen und daraus die Schlüsse für die nächste Jurierung zu ziehen. Am 19. März sass der Vorstand zusammen. Am 23. Mai halten die ADC-Mitglieder ihre jährliche Hauptversammlung ab und stimmen unter anderem über allfällige Anträge zur Jurierung ab.
Anders, als du mir zu unterstellen versuchst («die Diskussion in einer breiteren Öffentlichkeit ist nicht erwünscht und wird als Drohung betrachtet»), scheue ich die Auseinandersetzung keineswegs. Allerdings hätte ich es allein schon aus Gründen der Effizienz und einer gewissen Kultur geschätzt, wenn sie zuerst innerhalb und dann ausserhalb des Clubs stattfände.
Dabei lassen wir uns nicht das Tempo diktieren. Und wir werden uns exakt an die dargestellte Abfolge halten – unabhängig davon, welche Publicity du dem ADC und dir selber als Nächstes bescheren wirst.
Ich kann dir zum jetzigen Zeitpunkt beim besten Willen nicht mehr sagen, als ich dir bereits mitteilte, und mag mich nicht wiederholen. Ausserdem fehlt mir der «Reason why», um mich über die komplexen Details der Jurierung (25-Prozent-Regelung usw., usf.), deine doch ziemlich gewagten Schlussfolgerungen («der ADC kann derzeit kein Massstab sein») und deine restlichen Streicheleinheiten («der ADC hat
seit Jahren ein Imageproblem») öffentlich auszulassen. Das würde bloss zu einem endlosen Hin und Her führen und weder das Problem lösen, das du mit dem ADC hast, noch das Problem, das der ADC zunehmend mit dir hat.
Ich will aber die Gelegenheit nutzen, um mich zu zwei prinzipiellen Aspekten zu äussern.
Der Sinn der ADC-Jurierung
Als altgedientes ADC-Mitglied vertrete ich eine etwas grundsätzliche Position: Wir treffen uns einmal jährlich, um darüber zu debattieren, was der Unterschied zwischen überdurchschnittlicher, herausragender und wegweisender Werbung ist – und um das Resultat öffentlich und somit zum Gesprächsthema zu machen. Wer dabei eine Auszeichnung gewinnt, ist für mich persönlich unwichtig.
Bei dieser Debatte gibt es Jahr für Jahr viele Verlierer und relativ wenige Gewinner. Das ist natürlich und logisch. Unabhängig von allen qualitativen Kriterien. Unabhängig von allen quantitativen Vorgaben. Und selbst unabhängig von den Qualitäten oder vermeintlichen Nichtqualitäten der Juroren.
Was ich sagen will: Jede Jurierung ist letztlich eine subjektive Angelegenheit, so sehr man sich Objektivität erhoffen mag – genauso wie die «Miss Schweiz»-Wahl und selbst ein Fussballspiel.
Wer das nicht akzeptieren kann, wird sich mit dem Ergebnis immer schwer tun.
Das schliesst zwar nicht aus, dass man ordentlich frustriert und wütend und enttäuscht sein darf. Ich kenne kaum jemanden, der es nach der ADC- oder sonst einer Jurierung nicht zumindest ein klein wenig wäre. Wie du damit klarkommst, ist ganz und gar deine eigene Angelegenheit und nicht die des ADC.
Der Unsinn der ADC-Jurierung
Die Resultate von Jurierungen werden mehr und mehr für Marketingzwecke missbraucht – das heisst für die externe und interne Positionierung.
Lass mich das an einem Beispiel illustrieren: Die Agentur XY hat an einem der vielen Kreativwettbewerbe in den USA mit einer Arbeit Gold gewonnen. Das posaunt sie per Pressemitteilung heraus. Darin weist sie gleichzeitig darauf hin, dass sie beim ADC Schweiz für dieselbe Arbeit «nur» Bronze erhalten hat. Das ist unsinnig (Stichwort Äpfel, Birnen, Bananen). Und es ist schon fast ein bisschen unlauter, weil die Agentur nicht gleichzeitig darauf hinweist, dass sie dieselbe Arbeit auch noch in Bayern, Cannes, Grossbritannien und sonst noch wo eingereicht hat, dort jedoch nichts gewonnen hat.
Natürlich kann man den ADC hinterfragen. Und auch die ADC-Jurierung und jedes ADC-Mitglied. Oder das Verfahren, wie man in den ADC aufgenommen wird. Genau das tun wir sehr regelmässig und manchmal auf fast selbstkasteiende Art: bei praktisch jeder Vorstandssitzung, bei jeder Hauptversammlung, bei jeder anderen Gelegenheit. Dennoch bildet das ADC-Jahrbuch seit über 25 Jahren unbestritten die relevanten Arbeiten der Schweizer Werbung ab. Dennoch gehören dem ADC mehrheitlich Mitglieder an, die für diese Arbeiten als Macherinnen und Macher verantwortlich zeichnen und die ergo auch über die Kompetenz verfügen, andere Arbeiten zu beurteilen.
Wie ich dich kenne, dürfen wir uns jetzt auf eine ausführliche Replik von dir freuen. Darauf wird der ADC jedoch erst reagieren, wenn wir die Diskussion, wie geschildert, an der Goldjurorenkonferenz, im Vorstand und an der Hauptversammlung geführt haben.
Andreas Prokesch, Chairman des Art Directors Club Schweiz (ADC)
