Andere darben, Ringier gehts gut

Der grösste Schweizer Medienkonzern brachte 2001 seinen Umsatz auf neue Rekordhöhen

Der grösste Schweizer Medienkonzern brachte 2001 seinen Umsatz auf neue RekordhöhenDer grösste Schweizer Medienkonzern brachte 2001 seinen Umsatz auf neue Rekordhöhen Von Markus Knöpfli
Das Familienunternehmen Ringier hat im Geschäftsjahr 2001 seinen Umsatz um 4,3 Prozent auf 1,062 Milliarden Franken gesteigert. Der daraus erwirtschaftete Gewinn belief sich auf 34,8 Millionen Franken (Vorjahr 50,4 Millionen). Verleger Michael Ringier zeigte sich über das Resultat «im Grossen und Ganzen zufrieden».
«In guten Zeiten geht es Ringier nicht so gut wie den einheimischen Konkurrenten – in schlechten Zeiten geht es uns dafür weniger schlecht.» Mit diesen Worten kommentierte Verleger Michael Ringier den um 4,3 Prozent gestiegenen Umsatz seines Konzerns, den deutlichen Gewinn sowie die neue Rekordmarke von 121,1 Millionen Franken beim Cashflow (Vorjahr 119,3). Dass Ringier derzeit nicht darben muss, erklärte der Verleger so: «Wir leben mehr als jeder andere Verlag in diesem Land von den Lesern und weniger von den Anzeigen.» 53 Prozent der Zeitungen- und Zeitschriftenerlöse stammen bei Ringier aus dem Vertrieb und nur 47 Prozent von den Anzeigen. «Der Leser ist treuer und stabiler als der Anzeigenkunde.»
Ringiers Umsatzzuwachs von rund 44,1 Millionen Franken ist zum grössten Teil auf die Übernahme der Druckerei Winterthur und der ColorServ zurückzuführen: Der Kundendruck Schweiz stieg um 35 Millionen Franken. Wegen rückläufiger Werbeausgaben erlitten dagegen die Verlagsbereiche in der Schweiz Umsatzeinbussen. Einzig Betty Bossi konnte um 8,3 Prozent oder 5,2 Millionen Franken zulegen. Einen kräftigen Dämpfer erlitt der Bereich Wirtschaftsmedien (Cash), wo der Umsatz um 17,9 Prozent oder 7,4 Millionen Franken einbrach. Ringier gab sich ob der Auflagenzahlen, besonders bei Blick und SonntagsBlick (siehe Seite 16), zufrieden.
Während im Verlag Europa (plus 3,8%) das Osteuropa-geschäft blüht, beendete Ringier im letzten Jahr seine Aktivitäten in Deutschland. Osteuropa trägt 12,9 Prozent zum Gesamtumsatz von Ringier bei. Demgegenüber erreicht Ringier Asien mit 39,2 Millionen erst einen Anteil von 3,7 Prozent.
Die Investitionen im Jahr 2001 lagen mit 102,2 Millionen Franken massiv unter dem Vorjahreswert von 157 Millionen Franken. Die wichtigsten Akquisitionen waren der Kauf der Druckerei Winterthur von der Basler Mediengruppe (BM), die Übernahme von 49 Prozent an der ungarischen Tageszeitung Nepszabadsag (bei der Ringer bereits Aussichten auf eine Mehrheit hat), von 49 Prozent an der slowakischen Tageszeitung Novy Cas sowie der Kauf der tschechischen Sporttageszeitung Ceskoslovensky Sport und der Zeitungsdruckerei Ceska Prag.
Im Zusammenhang mit der gescheiterten Jean-Frey-Übernahme warf Ringier der BM erneut Vertragsbruch vor. Es möge zwar stimmen, dass Ringiers erstes Angebot zu tief gewesen sei, doch habe die BMG noch vor einer abschliessenden Preisverhandlung an Swissfirst verkauft. Auch dort sei Ringier dann trotz eines um 25 bis 33 Prozent höheren Angebots abgeblitzt, sagte er.
Weiter bestätigte der Konzernchef, dass Ringier derzeit an einer Wochenzeitung à la Weltwoche (WW 13/02) sowie an einem Konsumentenmagazin arbeite. Man werde aber frühestens im Herbst über die Projekte befinden.
Sanfte Kritik am SonntagsBlick, aber…Michael Ringier äusserte sich auch zum «Fall Borer». Er habe gewusst, dass eine Geschichte über Botschafter Thomas Borer im Tun sei, er habe sich aber nicht eingemischt. Doch «wenn ich an jenem Tag hätte entscheiden müssen, hätte ich die Geschichte wohl eher nicht gebracht. Mir fehlten ein paar relevante Ansätze. Im Nachhinein allerdings war es richtig, dass Herr Nolte (SoBli-Chefredaktor) sie gebracht hat. Was da alles hochgekommen ist, rechtfertigt die Geschichte vollumfänglich. Ich verteidige die Veröffentlichung aus Überzeugung.» Da Thomas Borer sich immer öffentlich mache, behandle man ihn bei Ringier auch so, fügte er hinzu.

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